Salzburg und der Salzachkreis im 19. Jahrhundert: Unterschied zwischen den Versionen

Aus SALZBURGWIKI
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Zeile 25: Zeile 25:
  
 
===Der oberösterreichischen Regierung unterstellt===
 
===Der oberösterreichischen Regierung unterstellt===
Auf dem Wiener Kongress war [[1816]] der Übergang Salzburgs an Österreich beschlossen worden. Mit dem [[Rupertiwinkel]] am linken Ufer der [[Salzach]] musste jedoch das wirtschaftlich wertvollste Gebiet an Bayern abgetreten werden. Das Gericht ltter mit dem Markt Hopfgarten, das [[Zillertal]] und [[Windisch Matrai]] (heute [[Matrei in Osttirol]]) wurden zu Tirol geschlagen.  
+
Auf dem Wiener Kongress war [[1816]] der Übergang Salzburgs an Österreich beschlossen worden.
 +
Salzburg ksm endgültig als Herzogtum zu Österreich und wurde 1849 dem Herzogtum Österreich ob der Enns angeschlossen. Mit dem [[Rupertiwinkel]] am linken Ufer der [[Salzach]] musste jedoch das wirtschaftlich wertvollste Gebiet an Bayern abgetreten werden. Das Gericht ltter mit dem Markt Hopfgarten, das [[Zillertal]] und [[Windisch Matrei]] (heute [[Matrei in Osttirol]]) wurden zu Tirol geschlagen.  
  
 
Das völlig verschuldete und ausgeblutete Land Salzburg zierte zwar als "Herzogtum" den Titel des österreichischen Kaisers, verlor aber seine Selbstständigkeit und wurde als fünfter Kreis der obderennsischen (oberösterreichischen) Landesregierung in Linz unterstellt. Mit dem Verlust der Residenz wanderten die Hofbediensteten und Beamten ab, die Bevölkerung der Stadt ging von 16.000 Bewohner auf weniger als 12.000 zurück. Lustschlösser und Paläste verödeten und [[1818]] legte ein Brand den Stadtteil am rechten Salzachufer samt dem [[Schloss Mirabell]] in Schutt und Asche. Nach Missernten in den Jahren [[1814]] bis [[1816]] forderte eine große Hungersnot zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung.
 
Das völlig verschuldete und ausgeblutete Land Salzburg zierte zwar als "Herzogtum" den Titel des österreichischen Kaisers, verlor aber seine Selbstständigkeit und wurde als fünfter Kreis der obderennsischen (oberösterreichischen) Landesregierung in Linz unterstellt. Mit dem Verlust der Residenz wanderten die Hofbediensteten und Beamten ab, die Bevölkerung der Stadt ging von 16.000 Bewohner auf weniger als 12.000 zurück. Lustschlösser und Paläste verödeten und [[1818]] legte ein Brand den Stadtteil am rechten Salzachufer samt dem [[Schloss Mirabell]] in Schutt und Asche. Nach Missernten in den Jahren [[1814]] bis [[1816]] forderte eine große Hungersnot zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung.

Version vom 9. August 2008, 16:43 Uhr

Das Herzogtum Salzburg bestand von 1816 bis 1849.

Übersicht

Salzburg, das bis 1803 unter der Herrschaft seiner Erzbischöfe gestanden war, wurde 1803 säkularisiert und in ein weltliches Kurfürstentum umgewandelt. Salzburg und zunächst auch die Gebiete von Passau und das Berchtesgadener Land kamen zum Kaisertum Österreich. Aber schon im Frieden zu Preßburg 1805 fiel Passau an Bayern. Großherzog Ferdinand III., der seit 1803 Salzburg regierte, nachdem er aus der Toskana, Italien, flüchten musste, wurde dafür durch das Großherzogtum Würzburg entschädigt.

Durch den Wiener Frieden von 1809 wurde Salzburg zunächst kurzzeitig französisch, dann 1810, kam es zu Bayern. Erst mit dem Pariser Frieden von 1814 kam Salzburg endgültig zu Österreich, allerdings ohne die Gebiete am linken Salzachufer im Flachgau, den Rupertiwinkl, der wie auch Berchtesgaden bei Bayern blieb. 1824 wurde das Erzbistum wieder hergestellt.

Das Salzburger Land bildete unter dem Titel eines Herzogtums (mit Ausnahme einiger zu Tirol geschlagener Bezirke) den Salzachkreis des Landes Österreich ob der Enns, bis es 1849 zu einem selbstständigen Kronland erhoben wurde. Aus ihm entstand 1918 das Bundesland Salzburg.

1803 bis 1816

Nach Jahrhunderten einer konstanten geistlichen Herrschaft wurde Salzburg zu einem Spielball der europäischen Politik. Zunächst bildete es mit Passau, Eichstätt und Berchtesgaden ein Kurfürstentum, mit dem Großherzog Ferdinand III., der Bruder von Kaiser Franz II., für den Verlust der Toskana entschädigt wurde.

Nach positiven Anfängen der neuen Regierung, die zur Errichtung einer medizinischen Fakultät führten, fiel Salzburg schon drei Jahre später, 1806, an Österreich. Nur die exponierte Lage an der Grenze zu Bayern, einem Verbündeten Napoleons, sicherte damals den Fortbestand des Landes.

1809 wurde Salzburg von französischen Truppen besetzt. Auf Initiative des kampferprobten Kapuzinerpaters Joachim Haspinger, eines Gefährten des Tiroler Bauernführers Andreas Hofer, griffen auch die Salzburger zu den Waffen. In den Kämpfen um den Pass Lueg zeichneten sich Joseph Struber, der Wirt vom Stegenwald, Anton Wallner aus Krimml und Johann Panzl aus Mühlbach im Pinzgau mit ihren Schützen besonders aus.

Nach dem Scheitern des Freiheitskampfes erpresste die französische Verwaltung unter Marschall Lefèbvre enorme Kontributionszahlungen aus dem völlig verarmten und verschuldeten Land.

Bayern verschleppten Wertgegenstände

Die Machtergreifung durch den bayerischen König Max I. Joseph wurde 1810 in Salzburg freudig begrüßt. Kronprinz Ludwig residierte als Generalgouverneur des Inn- und Salzachkreises im Schloss Mirabell, wo sein Sohn Otto, der spätere König von Griechenland geboren wurde.

Die zentralistischen Reformen des Grafen Montgelas, die auch in Salzburg rücksichtslos durchgezogen wurden und 1810 zur Aufhebung der Universität führten, stießen jedoch auf wenig Gegenliebe. Als sich nach den Vereinbarungen von Ried (1813) für Bayern der Verlust Salzburgs abzeichnete, trachtete die Regierung noch rasch so viel wie möglich aus dem Land herauszupressen.

Nachdem schon Kurfürst Ferdinand, die Franzosen und die Österreicher Kunstgegenstände, Bibliotheken und Archivalien aus Salzburg verschleppt hatten, führten die Bayern die letzten Bestände fort. Öffentliche Gebäude wurden verschleudert und wertvolle Liegenschaften wie die Hofbrauerei in Kaltenhausen und die Marmorsteinbrüche am Untersberg, teilweise durch vordatierte Urkunden, in den Besitz der Wittelsbacher übertragen. Die Epoche der bayerischen Herrschaft hinterließ deshalb trotz ihres hoffnungsvollen Beginns in Salzburg einen bitteren Nachgeschmack.

Der oberösterreichischen Regierung unterstellt

Auf dem Wiener Kongress war 1816 der Übergang Salzburgs an Österreich beschlossen worden. Salzburg ksm endgültig als Herzogtum zu Österreich und wurde 1849 dem Herzogtum Österreich ob der Enns angeschlossen. Mit dem Rupertiwinkel am linken Ufer der Salzach musste jedoch das wirtschaftlich wertvollste Gebiet an Bayern abgetreten werden. Das Gericht ltter mit dem Markt Hopfgarten, das Zillertal und Windisch Matrei (heute Matrei in Osttirol) wurden zu Tirol geschlagen.

Das völlig verschuldete und ausgeblutete Land Salzburg zierte zwar als "Herzogtum" den Titel des österreichischen Kaisers, verlor aber seine Selbstständigkeit und wurde als fünfter Kreis der obderennsischen (oberösterreichischen) Landesregierung in Linz unterstellt. Mit dem Verlust der Residenz wanderten die Hofbediensteten und Beamten ab, die Bevölkerung der Stadt ging von 16.000 Bewohner auf weniger als 12.000 zurück. Lustschlösser und Paläste verödeten und 1818 legte ein Brand den Stadtteil am rechten Salzachufer samt dem Schloss Mirabell in Schutt und Asche. Nach Missernten in den Jahren 1814 bis 1816 forderte eine große Hungersnot zahlreiche Todesopfer unter der Bevölkerung.

Salzburg wird zum Betteldorf

Der Beginn der österreichischen Herrschaft stand also unter keinem guten Stern. Die zentralistische Verwaltung des riesigen Kaiserstaates hatte ihrerseits für ein kleines Gebiet wie Salzburg kein Verständnis. Alle Bitten der Bürgerschaft um Wiederherstellung des Landes und der Landschaft, um Gewährung einer eigenen Landesregierung, um die Residenz eines kaiserlichen Prinzen in Salzburg und um Wiedererrichtung der Universität verhallten ungehört, ebenso die Klagen, dass Salzburg "zu einem Betteldorf mit leeren Palästen herabgesunken" sei.

Die Armut der Bevölkerung nahm zu und die intensive polizeiliche Überwachung und Bespitzelung in der Zeit des Vormärz (1816 - 1848) unterdrückte alle politischen Regungen. Das Bürgertum zog sich ins biedermeierliche Privatleben zurück und die Bevölkerung in Stadt und Land versank in tiefe Apathie und Hoffnungslosigkeit. "Auf den Straßen und Plätzen der Stadt, deren es viele und schöne gibt, wächst Gras, so wenig werden sie betreten" schrieb Franz Schubert anlässlich seines Besuchs in Salzburg 1837.

Salzburg kämpft sich zurück

Erst die Aktivitäten des aus Tirol stammenden Advokaten Dr. Alois Fischer, der später Landeschef von Oberösterreich wurde, und das Revolutionsjahr 1848 führten zu einem Umschwung. Salzburg wurde zu einem Kronland der Monarchie und erhielt – verzögert durch die Ära des Neoabsolutismus – 1860/61 eigene Landesbehörden und Landstände.


Quelle