Josef Klinger (Bezirksschulinspektor)
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Prof. Josef Klinger (* 24. Dezember 1845 in Böhmisch-Leipa[1] oder Böhmisch-Aicha, Böhmen; † 1. Oktober 1906 in der Stadt Salzburg)[1] war Professor an der Salzburger Lehrerbildungsanstalt sowie Bezirksschulinspektor für die Schulbezirke Salzburg Land und Hallein.
Leben
Über sein Leben (und sein Begräbnis, das auf dem Salzburger Kommunalfriedhof stattfand) wurde geschrieben:
- "Professor Klinger ist nicht mehr. Ein Schlagfluß hat ihn am 28. September gerührt und am 1. Oktober morgens entschlief er, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben.
- Mit ihm schied einer der verdientesten Lehrer der Lehrerbildungsanstalt, der mehr als 40 Jahre im Dienste der Schule gewirkt und volle 31 Jahre mit Aufwand seiner ganzen Kräfte als Uebungsschullehrer, Hauptlehrer und Bezirksschulinspektor im Lande Salzburg die Lehrerbildung gefördert hat.
- An dem Leichenbegängnisse beteiligten sich alle Kreise der Bevölkerung, […]
- Klinger ist am 24. Dezember 1845 zu Aicha in Böhmen geboren, besuchte in Prag die Realschule und den pädagogischen Kurs und erwarb 1863 die Lehrbefähigung für deutsche vierklassige Hauptschulen. Nach dreijähriger Lehrtätigkeit in Reichenau kam er an die mit dem Oeffentlichkeitsrechte ausgezeichnete Knaben-Hauptschule des Direktor Robert Niedergesäß zu Penzing in Wien und übernahm schon 2 Jahre später die selbständige Leitung dieser Hauptschule. Unter seiner Direktion gewann die Anstalt solches Ansehen, daß der Besuch immer mehr zunahm und Kinder aus vornehmen und reichen Häusern ihm zuströmten. Leider traf das Unternehmen 1873 durch den Wiener Krach ein schwerer Schlag. Trotzdem viele Eltern der Kinder das hohe Schulgeld nicht mehr aufbringen konnten, behielt Klinger die Kinder ohne Zahlung des Unterrichtsgeldes in seiner Schule, war jedoch infolge dieser finanziellen Schwächung gezwungen, sich um eine anderweitige Stellung zu bewerben. Mit den besten Zeugnissen und Empfehlungen ausgestattet, kam er 1875 als Uebungsschullehrer an die Lehrerbildungsanstalt in Salzburg,[2] nachdem er kurz vorher einen eigenen Hausstand gegründet hatte.
- Wie er schon in Wien jede Gelegenheit zur Fortbildung benützt hatte, ging er auch 1876 während der Ferien nach Ober-Hermsdorf in Schlesien zum Besuche eines höheren landwirtschaftlichen Kurses; in Salzburg scheute er sich nicht, Schüler und Lehrer der Staatsgewerbeschule zu sein, denn Direktor Sitte hatte ihn alsbald als Nebenlehrer für seine Anstalt gewonnen. 1886 legte er die Fachprüfung für die I. Gruppe und 1888 für die kombinierte II. und III. Gruppe "mit sehr gutem Erfolge" ab.
- Auch im Vereinsleben war Klinger tätig. Als Obmann des Bezirksvereines wußte er die Versammlungen höchst interessant zu gestalten und insbesondere gelang es ihm, hervorragende Kräfte, so Regierungsrat Professor Dr. Aberle für Vorträge zu gewinnen.
- Nachdem er schon mehrere Jahre hindurch den naturgeschichtlichen Unterricht an der Lehrerbildungsanstalt suppliert hatte, wurde er 1890 zum Hauptlehrer ernannt, nicht ohne Kampf, Neid und Mißgunst. Gleichzeitig erteilte er an der Lehrerinnenbildungsanstalt der Ursulinen den Unterricht in der Methodik und leitete daselbst die praktischen Uebungen.
- Schon früher war er Mitglied der Prüfungskommission für allgemeine Volks- und Bürgerschulen gewesen, und um die Wende des Jahrhunderts übernahm er noch das Amt eines Bezirksschulinspektors in den Bezirken Salzburg Umgebung und Hallein,[3] von denen er ersteres jedoch bald zurücklegte. Doch waren seine körperlichen Kräfte den Anforderungen dieses Amtes nicht mehr völlig gewachsen. Beginnende Kränklichkeit zwang ihn, auch diese Stellung aufzugeben und längeren Urlaub zu nehmen. Noch einmal versuchte er mit Aufwand aller Kräfte seine Lehrtätigkeit aufzunehmen, sah sich aber genötigt, mit Schluß des abgelaufenen Schuljahres in den Ruhestand zu treten. Leider waren ihm nur wenige Wochen der wohlverdienten Ruhe gegönnt.
- Viele Männer in hervorragenden Stellungen, Bürger, Beamte, Offiziere, nennen ihn mit aufrichtigem Danke ihren ersten Lehrer; viele verehren in ihm den wohlwollenden Professor, Prüfungskommissär und Inspektor; alle, die ihn kannten, schätzten ihn als einen biederen Charakter, treuen Freund und Kollegen. Möge seine schwergeprüfte Familie, der er ein liebender Gatte und treu besorgter Vater war, einigen Trost in der aufrichtigen Teilnahme finden, die ihr von vollen Seiten entgegengebracht wird! Seine Brust schmückte die Jubiläums-Erinnerungsmedaille und die Medaille für vierzigjährige treue Dienstzeit."
Quelle
- Salzburger Chronik, 4. Oktober 1906, S. 2: Professor Josef Klinger †
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Sterbebuch der Stadtpfarre Salzburg-St. Andrä, Bd. XII S. 252
- ↑ siehe auch: Salzburger Chronik, 1. Juli 1875, S. 3
- ↑ Er war erst kurz zuvor zum Bezirksschulinspektor für die Schulbezirke Salzburg Land und Hallein ernannt worden, als er am 13. April 1901 einer Versammlung des Bezirkslehrervereins Hallein beiwohnte: Salzburger Volksblatt, 19. April 1901, S. 2.
Zeitfolge
| Vorgänger |
Bezirksschulinspektor für den Schulbezirk Hallein 1900?–190x |
Nachfolger |
Zeitfolge
| Vorgänger Anton Erben |
Bezirksschulinspektor für den Schulbezirk Salzburg‑Umgebung 1900?–190x |
Nachfolger Fidelis Perktold |