Helmut Kohl (Schiedsrichter)

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Helmut Kohl (* 8. Februar 1943; † 26. September 1991) war ein Salzburger Fußball Schiedsrichter.

Leben

Helmut Kohl stammte aus Nußdorf am Haunsberg und erlernte den Beruf eines Fleischhauers. Später arbeitete er für die Salzburger Stadtwerke. Zwischen 1981 und 1990 pfiff Kohl 122 Bundesligaspiele in Österreichs 1. Division[1]. Hinzu kamen zahlreiche internationale Einsätze beginnend mit einem Spiel in der 2. Runde des Europacups zwischen Hamrun Spartans und Dinamo Moskau am 7. November 1984. Weitere Highlights waren zwei UEFA-Cup Halbfinale zwischen Espanyol Barcelona und Club Brügge (20. April 1988) sowie Juventus Turin und dem 1. FC Köln (4. April 1990). Im selben Jahr durfte er am 23. Mai 1990 in Wien als dritter und bislang letzter Österreicher auch das Finale im Europacup der Meister zwischen AC Milan und Benfica Lissabon (1:0) leiteten[2].

Bei der Fußball-EM 1988 in Deutschland stand er im Schiedsrichter-Team von Horst Brummeier als Linienrichter am Platz, bei der WM 1990 in Italien leitete er drei Spiele souverän und galt lange Zeit sogar als Kandidat für das Endspiel. Nach dem Viertelfinale zwischen Deutschland und der CSSR am 1. Juli 1990 kam es aber zu keinem weiteren Einsatz.

Schatztruhe

Am 9. Dezember 2020 jährt sich der Tag, an dem einer der besten österreichischen Fußballschiedsrichter aller Zeiten zum allerletzten Mal die Pfeife in die Hand nahm, zum 30. Mal: Es war der Tag, als der aus Nußdorf am Haunsberg gebürtige Helmut Kohl eingeladen wurde, in München ein Freundschaftsspiel zwischen dem FC Bayern und der Auswahl der UdSSR zugunsten der Russlandhilfe zu leiten - einen schon gebuchten Urlaub ließ er dieses Spieles wegen sogar sausen. Ein paar Wochen später erhielt Kohl die niederschmetternde Diagnose Krebs und starb am 26. September 1991, nur 48 Jahre alt geworden.

Erlernt hat Helmut Kohl den Beruf des Fleischers (wer erinnert sich nicht der köstlichen Blutwürste, die er damals im Gasthaus Krimpelstätter für die dortige Küche zubereitete?), gearbeitet hat er bei den Salzburger Stadtwerken, seine Leidenschaft war aber der Fußball und hier die "Schiedsrichterei" – sie wurde gleichsam sein dritter Beruf. Steil war der Aufstieg aus dem lokalen Geschehen zum Bundesliga-Referee mit dem Debüt im September 1981, dem raschen Erwerb des begehrten FIFA-Abzeichens und dem internationalen Einstand 1984. Ein paar Jahre später kamen die großen Matches. 1989 das zweite Finale im europäischen Supercup zwischen dem AC Mailand und Barcelona (1:0), am 23. Mai 1990 das Endspiel im Europacup der Meister zwischen dem AC Mailand und Benfica Lissabon (1:0) in Wien (bis heute ist er der letzte Österreicher, der ein Finale pfiff), Wochen später die WM-Endrunde in Italien mit den drei Partien Uruguay – Spanien, Brasilien – Schottland und Deutschland – Tschechoslowakei. Seine Eigenschaften brachten stets beste Beurteilungen: korrekt, geradlinig, ehrlich, kein Buckerl vor dem Star.

Es war auch das Jahr mit Schlagzeilen abseits des Spielfeldes. Die Namensgleichheit mit dem deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl führte in der TV-Sendung "Talk im Turm" bei Sat.1 zu einer herrlichen Anekdote. Moderator Erich Böhme fragte den deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher: "Herr Vizekanzler, waren Sie heute mit Helmut Kohl zufrieden?" Genscher: "Er war schon besser." Darauf Böhme: "Sie meinen den Schiedsrichter?" Bei dem Benefizspiel in München gab es in der Kabine sogar einen Handschlag zwischen Kohl und Kohl.

Quellen

Einzelnachweise