Besuch im Kapuzinerkloster Salzburg

Aus SALZBURGWIKI
Version vom 31. August 2008, 17:52 Uhr von Peter Krackowizer (Diskussion | Beiträge) (Die Seite wurde neu angelegt)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Salzburgwiki-Autor Peter Krackowizer war in der Stadt Salzburg zu einer Fototour unterwegs und wurde dabei zu einem kleinen Rundgang durch das Kapuzinerkloster am Kapuzinerberg eingeladen:

Besuch im Kapuzinerkloster

Am Sonntag, den 31. August 2008, strahlte der Himmel über der Stadt Salzburg in seinem schönsten Blau, als ich [1] die Imbergstiege hinauf schnaufte, "bewaffnet" mit meinem Notizblock und meiner Fotokamera. Bei der Türe aus dem alten Salzburger Dom in der Klosterkirche stehend, sprach ich Bruder Gebhard an, ob ich denn in der Kirche mit Blitz fotografieren dürfe. Was dieser freundlich bejahte und wir in ein Gespräch über die Türflügel des alten Doms kamen. 1850 steht zwar eingemeiselt, aber der "8" wurde damals nur als "4" gelesen, also 1450. Und warum ich denn fotografiere, war die Frage, nach deren Erklärung er mich freundlich einlud, ihm zu folgen.

Wir kamen an einem der beiden Klosterinnenhöfe vorbei, der zwar klein, aber begrünt und mit Blumen ausgestattet, im Sonnenlicht lag. Am Ende des Kreuzganges wies er auf einen aus Konglomerat bestehenden Torbogen hin: ein Eingangstor aus dem Jahr 1070, das bei der großen Klosterrenovierung von 1980 bis 1983 entdeckt wurde. Bruder Gebhard, der seit 44 Jahren im Kapuzinerkloster in Salzburg lebt, beschäftigt sich schon seit einigen Jahren mit der Geschichte. Aber nicht nur vom Kloster. So erzählte er mir, dass schon die Kelten hier an diesem Punkt, an dem das Kloster errichtet wurde, siedelten. Er führte mich zu der ebenfalls bei den Renovierungsarbeiten entdeckten alten Zisterne. Sie läge an einer unsichtbaren Kraftlinie, die die Wallfahrtsbasilika Maria Plain mit dem Kapuzinerkloster und dem Dürrnberg bei Hallein verbindet, erläuterte Bruder Gebhard. Und dies wussten schon die Kelten, die sich vornehmlich an solchen Kraftorten niederließen.

Die Salzburger Altstadtkommission schrieb damals vor, anstelle einer einfachen Stiege über dieser Zisterne eine Wendeltreppe zu errichten, damit die Zisterne, zu der auch Wasserrinnen aus den Höfen führten, zur richtigen Geltung käme. Die Leuchtkörper in diesem "Stiegenhaus" stammen von Häftlingen aus der Strafanstalt Feldkirch in Vorarlberg, 1980 angefertigt. Material und Arbeit wurden natürlich von den Kapuzinern bezahlt. Doch das fertige Produkt überzeugte die Altstadtkommission noch nicht ganz. Auf der glatten Führung, auf der die Lampen montiert waren, mussten noch Kerben angebracht werden. Was bei einer neuerlichen Bearbeitung dann geschah.

Bruder Gebhard fragte mich nun, ob ich noch mehr sehen möchte. Und führte mich in das Refektorium, das an der südwestliche Ecke des Klosters liegt. "Vorsicht Stufe" mahnte mich Bruder Gebhard, als ich in den Sonnen durchfluteten Raum mit hellem Holzboden stolperte. Der Boden sei noch der originale Holzboden aus dem 16. Jahrhundert. Mein Staunen im Gesicht sehend klärte er mich auf: die Bohlen wurden umgedreht, da die Oberseite bereits sehr abgetreten und uneben war. Und die Unterseite, noch intakt, abgeschliffen und versiegelt, stellt nun die begehbare Oberseite dar.

An einer Längswand im Refektorium befindet sich ein Kachelofen mit grünen Kacheln. Diese Kacheln seien bei der Renovierung 1980/83 extra angefertigt worden. Denn man fand alte Kachel in exakt dieser Art in der Zisterne und so schrieb die Altstadtkommission deren neue Herstellung nach altem Muster vor.

Der Blick aus den Fenstern erlaubte einmalige Ausblicke auf die Neustadt und die Altstadt: die Edmundsburg etwa auf gleicher Höhe gegenüber auf dem Mönchsberg, Stift Nonnberg lag im Vormittagslicht des angehenden Herbstes, die Festung Hohensalzburg thront über allem und die Salzach glitzerte in ihrem Flussbett. Besonders den Blick auf die Salzach liebt Bruder Gebhard, wie er mir gestand. Ich muss ihm aber beipflichten. Wasser ist immer anziehend und auch beruhigend.

Aber schon wartete eine neue Entdeckung auf mich. Er führte mich in ein anderes Zimmer, in dem man an der Decke alte Holzbohlen erkennen konnte. Es ist ein original erhaltenen Holzboden, mindestens 400 Jahre alt und aus Lungauer Lärche.

Zum Abschluss dieses interessanten Rundganges durch das Kapuzinerkloster führte mich Bruder Gebhard noch auf die "Terrasse" und in den Klostergarten. Von der Terrasse aus, die sich in südöstliche Richtung an das Kloster anschließt, hatte ich einen faszinierenden Blick auf die Altstadt meiner Heimatstadt Salzburg. Gott-sei-Dank haben digitale Speicherkarten Platz für mehrere hundert Bilder.

Der Klostergarten erstreckt sich auf etwa 150 bis 200 Meter Länge oberhalb der Felskante zur Steingasse hin. In Terrassenform sanft ansteigend führt ein wie mir schien alter mit Steinplatten ausgelegter Weg, links und rechts abzweigend die Zutritte zu den einzelnen Terrassen. Die Farbenpracht der Blumen, der kleine Ententeich, der nun schon im stärkeren Blau leuchtende Himmel, das kräftige Gelb der Klosterwände im Hintergrund waren einzigartige Motive für mich als Fotograf.

Doch noch hatte ich nicht alle Geheimnisse für heute erfahren. Bruder Gebhard's Leidenschaft ist nicht nur die Geschichte, sondern er züchtet auch Blumen: eine Rosensorte mit dem Namen "Queen Elisabeth"[2] und die Passionsblume[3].

Was für ein Zufall, dass ich Bruder Gebhard angesprochen hatte, sagte ich mich verabschiedend zu ihm. Doch er meinte, es wäre die Vorhersehung gewesen, die uns an diesem wunderbaren Sonntagvormittag zu einem Spaziergang durch das Kapuzinerkloster unvorhergesehen zusammen gebracht hatte.

Bilder zu diesem Rundgang folgen in den nächsten Tagen 

Fußnote

  1. der Autor dieses Beitrags, Peter Krackowizer
  2. Königin Elisabeth von England war in den 1960er einmal in Salzburg zu Gast
  3. siehe Wikipedia Deutschland Passionsblumen

Quelle