Pumpspeicherkraftwerk Limberg III

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Version vom 8. November 2025, 11:35 Uhr von Peter Krackowizer (Diskussion | Beiträge) (Text überarbeitet, etwas gekürzt, kl. Erg.)
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Bau der Turbine des Pumpspeicherkraftwerks Limberg III im Berg, in dem im Herbst 2024 der Rotor eingesetzt wurde.

Das Pumpspeicherkraftwerk Limberg III ist das modernste Pumpspeicherkraftwerk Österreichs. Es wurde von der Verbund AG in Kaprun errichtet.

Geschichte

Am 6. April 2021 wurde mit den Arbeiten an Limberg III begonnen. 2025 sollte es Strom erzeugen, zwei Jahre früher als ursprünglich geplant. Das Kavernenkraftwerk hat - wie Limberg II - eine Leistung von insgesamt 480 Megawatt haben. Errichtet wurde es tief in einem Berginneren. Der Verbund investierte 525 Millionen Euro in das Kraftwerk.[1]

Pumpspeicherkraftwerk Limberg III Baufortschritt Ende 2022.

100 Kilometer umfasst das Netzwerk aus Tunneln rund um die Speicherseen Mooserboden und Wasserfallboden, viele davon aus den 1950er-Jahren, die Hälfte davon ist befahrbar. Andere Tunnels dienen dazu, Wasser von den Speicherseen mit hohem Druck hinunter durch die beiden hochleistungsfähigen Turbinen zu jagen oder wieder hinaufzupumpen. Die Rohre, von denen jeder Teil vier Tonnen wiegt, mussten beim Transport hydraulisch ovalisiert werden, um durch Tunnel oder unter Straßenbrücken durchzupassen.

Das Herzstück des Kraftwerks sind zwei Kavernen. Die größere ist 62 Meter lang, 42 Meter hoch, 25 Meter breit, groß genug, um das Mittelschiff des Stephansdoms zu fassen, erzählt der Projektleiter Christian Rieder. Widerstand gegen das Großprojekt, wie etwa bei großen Wind- oder Solarparks, gab es hier nicht. Der Kraftwerksbau hat in Kaprun Tradition. Schon sein Großvater habe beim Bau des Speichers mitgearbeitet, erzählt Rieder, und sei sogar Statist in der 1950er-Jahre-Schmonzette "Das Lied von Kaprun" gewesen.

Die Baustelle im Kapruner Tal für die Errichtung des Pumpspeicherkraftwerks Limberg III im Berg.

12. September 2024: Der 355 Tonnen schwere Rotor von Maschine 1 wurde im Spätsommer eingebaut. Mit einem speziell ausgerichteten Deckenkran wurde der gigantische Bauteil millimetergenau in den Stator eingefügt. Dieser Rotor ist der schwerste Teil auf der Baustelle und wurde direkt in der 17 Meter hohen Kaverne gefertigt. Fast ein Jahr dauerte die Herstellung im Berg. Beim Einsetzen war dann das Zusammenspiel zwischen Kranfahrer und Einweiser entscheidend. Der Rotor wurde mit nur vier bis fünf Millimeter Spielraum auf den Stator gesetzt, ein Prozess, der Fingerspitzengefühl, Nervenstärke und Präzision erforderte. Nach drei Stunden war der schwierigste Hub des gesamten Projekts abgeschlossen.​

Nach vier Jahren Bauzeit eröffnete der Verbund am 12. September 2025 das neue Pumpspeicherkraftwerk Limberg III.[2]

Die Einfahrt zur unterirdischen Baustelle des Pumpspeicherkraftwerks Limberg III im Berg unterhalb der Limbergsperre des Stausees Wasserfallboden.

Donnerstagmittag, den 6. November 2025, teilte der Verbund mit, dass in der Werksgruppe Kaprun im Kraftwerk Limberg III (480 MW) beide Maschinen aufgrund eines Isolationsfehlers beim Generator ausgefallen. Das heißt, laienhaft ausgedrückt, es kann zu ungewollten Stromflüssen und Kurzschlüssen kommen. Ob dafür ein Material-, ein Konstruktions- oder ein anderer Fehler verantwortlich sei, wisse man noch nicht. Aufgrund der Größe der Anlagenteile ist eine Inspektion aufwendig und zeitintensiv und wird mehrere Monate in Anspruch nehmen. Allein die Generatoren für die Reparatur aus ihrer Position zu heben, dauere mehrere Tage. Das steirische Unternehmen Andritz, das die Generatoren hergestellt hat, will sie möglichst rasch reparieren.[3]

Weiters trat im Zuge der Schwarzstartversuche mit der Kaprun Oberstufe (160 MW) ein Fehler im Einspeisetransformators auf, womit auch die gesamte Oberstufe voraussichtlich für mehrere Monate nicht zur Verfügung stehen wird. Als Schwarzstartversuche werden bei Kraftwerken jene Abläufe bezeichnet, bei denen das Werk ohne Zufuhr externer Stromquellen wieder hochgefahren werden soll. Die notwendige Energie liefern Batteriespeicher oder Hilfsaggregate. Oder wie in diesem Fall die Kaprun Oberstufe.[1]

Das Pumpspeicherkraftwerk Limberg III galt zu diesem Zeitpunkt als Österreichs modernste und größte Batterie mit bis zu 480 Megawatt Leistung, die jederzeit abgerufen werden können. Seit Donnerstag ist dies vorerst Geschichte. Und mit dem zusätzlichen Ausfall der Kaprun Oberstufe stehen nun 640 Megawatt nicht zur Verfügung.[1]

Daten des Rotors

  • Masse Rippenwelle: ca. 90 t
  • Masse Blechpaket: ca. 185 t
  • Masse Rotor zum Einheben: 372 t
  • Nennwirkleistung 240 MW
Beschreibung

Die Drehbewegung des Rotors macht aus Wasserkraft elektrischen Strom im Ausmaß von 240 Megawatt (MW) Leistung. Der Rotor muss erst fertig geschichtet werden und hat dann eine Masse von 355 Tonnen, was dem schwersten Einzelhub der gesamten Baustelle entspricht. Entsprechend robust muss die Welle gebaut sein, um diese gigantischen Belastungen standhalten zu können. Diese leistet 450 bis 550 Umdrehungen pro Minute. Das muss sie auch, denn das Pumpspeicherkraftwerk soll nicht nur überschüssigen Strom für den Winter speichern, sondern bei Netzschwankungen in minutenschnelle zum Ausgleich von Spannungsschwankungen einspringen.

Die Grundkonstruktion des Rotors ist die sogenannte Rippenwelle. Diese zehn Meter lange Schmiedewelle mit aufgeschweißten Stahlrippen, wurde bereits im Oktober auf einem Spezialtransporter zur Baustelle in den Berg transportiert und anschließend rückwärts bergauf in die Kraftwerkskaverne gefahren. Dabei wurden 5,5 Kilometer an Tunneln zurückgelegt. Danach wurde die Generatorwelle mit einer speziell dafür konstruierten und angefertigten Kipp- und Hebevorrichtung mithilfe von zwei Hallenkränen millimetergenau aufgerichtet und am Rotor-Montageplatz positioniert.

Auf diese Rippenwelle wird das sogenannte Blechpaket aus unzähligen 0,5 mm dicken Dynamoblechen überlappt geschichtet. Nach mehrmaligen Zwischenpressungen und kontinuierlicher Qualitätsüberwachung wird das Blechpaket abschließend auf 150 °C erhitzt um eine Voralterung/Setzvorgang zu erreichen. Nach abschließender finaler Pressung gemeinsam mit beidseitigen Endplatten, wird das fertige Blechpaket auf die Rippenwelle geschrumpft. Dabei wird das Blechpaket auf bis zu 180 °C erwärmt, somit radial aufgeweitet und über Schrumpfleisten auf die Rippenwelle fixiert. Nach diesem Vorgang werden die Wicklungsstäbe in die Rotornuten eingebaut und miteinander hart verlötet. Abschließend werden die beiden äußeren Kappenringe, welche die beiden axialen Enden der Rotorwicklung abstützen, montiert bzw. aufgeschrumpft. Nach einer genauen elektrischen Prüfung ist der Rotor bereit zum Einheben.

Weblinks

  • www.verbund.com, Bilder und Videos über den Bau des Kraftwerks
  • Lage des Kraftwerks auf AMap, aktualisierter Datenlink 24. September 2024

Quellen

  • www.sn.at, 16. Jänner 2023: "Kathedralen bauen für die Wasserkraft", ein Beitrag von Monika Graf
  • facebook Verbund AG, September 2024, Video: Einhebung: 355 Tonnen Rotor im Pumpspeicherkraftwerk
  • www.verbund.com, Presse, 13. September 2024: "355 Tonnen schwerer Rotor in Limberg 3 wurde erfolgreich eingehoben"

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 sn.at, 6. November 2025: Kraftwerksgruppe Kaprun fällt nach technischem Defekt monatelang aus
  2. www.sn.at, 10. September 2025
  3. sn.at, 7. November 2025: Totalschaden nicht ausgeschlossen: Wie lang die Kapruner Kraftwerke ausfallen, ist noch nicht absehbar
Tauernkraftwerke Kaprun