Begriffsklärung
Dieser Artikel behandelt den Straßentunnel der Tauernautobahn. Der Eintrag für den gleich lautenden Eisenbahntunnel im Gasteinertal findet sich unter Tauerntunnel (Bahn)
Die zweite Röhre des Tauerntunnels unmittelbar nach ihrer Fertigstellung.

Der Tauerntunnel ist ein Straßentunnel auf der Tauernautobahn (A 10), der den Radstädter Tauern auf einer Länge von 6.765 m (inkl. Vorportal) durchquert.

Geschichte

Anfang der 1970er Jahre wurde mit dem Bau des Tauerntunnels zwischen Flachauwinkl (Pongau) und Zederhaus (Lungau) begonnen. Am 19. Jänner 1974 erfolgte der Durchschlag und am 21. Juni 1975 die Verkehrsfreigabe für den rund 44 km langen Abschnitt von Eben im Pongau bis St. Michael im Lungau, in dessen Bereich der Tunnel fällt. Zwar wurden auf beiden Seiten des Tunnels auch Portale für eine zweite Tunnelröhre bis zu 60m in den Fels vorangetrieben, der Tauerntunnel blieb aber, vor allem auch aus Angst vor dem hohen Verkehrsaufkommen, vorerst eine Sparvariante mit Gegenverkehr und wechselweisen Anhaltungen (Blockabfertigung) an verkehrsreichen Tagen.

Tunnelbrand 1999

Hauptartikel: Tauerntunnelbrand 1999

Am 29. Mai 1999 ereignete sich im Tauerntunnel ein folgenschwerer Auffahrunfall, der einen Tunnelbrand auslöste, der 12 Tote gefordert hat.

Zweite Tunnelröhre

Unmittelbar nach dem Unfall versprach die Politik einmal mehr den Bau einer zweiten Tunnelröhre. Lungauer Bürgerinitiativen warnten weiter vor der zu erwartenden Verkehrslawine. Diesmal setzte sich jedoch die Politik durch. Am 15. September 2006 erfolgte der Anstich für die zweite Tunnelröhre. Den betroffenen Gemeinden im Lungau wurde ein umfassender Lärmschutz entlang der gesamten Strecke der A 10 durch das Zederhaustal versprochen.

Zahlen

  1.Tunnel 2. Tunnel
Länge (inkl. Vorportal) 6.765m 6.546m
Fahrbahnbreite 7,50m 7,50m
Fahrbahnbelag Betondecke Betondecke
Lichte Höhe 4,70m 4,70m
Gesamtausbruch   ca. 1.000.000 m³

Die beiden Tunnel werden mit drei befahrbaren und 17 begehbaren Querschlägen, sowie mit sechs Einsatzquerschlägen verbunden, um im Notfall eine Flucht aus der einen in die andere Tunnelröhre zu ermöglichen. Nach Abschluss dieser Bauarbeiten soll der Tauerntunnel ab Juni 2011 ohne Gegenverkehr befahrbar sein.

In der Arbeitsbeschreibung schreibt die ASFINAG zum Thema Kosten: Die geschätzten Netto-Gesamtkosten für die "2. Röhre Tauerntunnel – Talröhre" inklusive notwendiger Grundeinlösen, Planung, Bau und Projektmanagement betragen ca. 195 Mio. Euro. Die Sanierungskosten für die "1. Röhre – Bergröhre" betragen aus heutiger Sicht ca. 21 Mio. Euro. Insgesamt kann somit von ca. 216 Mio. Euro Netto-Gesamtkosten ausgegangen werden. (Stand Oktober 2006)[1].

150 Mitarbeiter waren zu Spitzenzeiten im Tunnel tätig. Die Kosten inklusive Sanierung der alten Röhre betragen 212 Millionen Euro[2].

Weitere 300 Mill. Euro werden bis 2020 zwischen Hüttau (Pongau) und Seeboden (Kärnten) in den Bau von Umweltentlastungsmaßnahmen wie Einhausungen und Einschüttungen, eine Autobahnverlegung im Bereich Zederhaus oder die Anschüttung von Lärmschutzdämmen fließen.

Baufortschritt zweite Röhre

 
Baustelle 2. Röhre

Auf der nördlichen Seite in Flachauwinkel mussten sich die Bagger zu Beginn der Arbeiten etwa 430 Meter weit durch die so genannte Hangschuttstrecke plagen: Über Millionen von Jahren hat die Erosion dafür gesorgt, dass sich am Fuß des Berges Material angesammelt hat. Mehr als 400 Meter dick ist diese Schicht. Das lockere Material zu durchwühlen, gleichzeitig dahinter Tunneldecke und Tunnelwand zu fixieren, das ist viel Arbeit und kostet vor allem aus Sicherheitsgründen viel Zeit. Nur 1 bis 2,7 Meter pro Tag waren dabei möglich. Das hat zu einer Verzögerung von etwa 50 Tagen gesorgt.

Ende Februar 2007 wurde aber der Fels erreicht. Seither geht es gut voran, so gut, dass die verlorene Zeit langsam wieder aufgeholt wird. 7 bis 7,5 Meter Vortrieb pro Tag schaffen die Arbeiter nun. Die täglich anfallenden 500 bis 600 Kubikmeter Material (etwa 60 Lkw-Fuhren) werden zur Deponie in den Talboden von Flachauwinkel gebracht.

Das Material wird später wieder verwendet: Etwa 250.000 Kubikmeter für die Aufschüttung im Bereich der Raststation, die völlig neu gebaut wird, 150.000 Kubikmeter für Dammschüttungen in diesem Bereich sowie etwa 100.000 Kubikmeter für Lärmschutzmaßnahmen im Pongau-Teil der Tauernautobahn-Scheitelstrecke.

Im Süden der Baustelle im Gemeindegebiet von Zederhaus sind die Mineure bereits 900 Meter im Berg. Die gute Geologie des Berges erlaubt es hier, dass pro Abschlag 1,70 Meter tief vorangetrieben werden kann. Das sind 8,5 bis 9 Meter pro 24 Stunden.

Sämtliches Material - 60 bis 70 Lkw-Fuhren pro Tag - wird auf einer Deponie im hinteren Zederhaustal zwischengelagert. In Summe werden das 400.000 Kubikmeter sein. Das Material wird später für den Bau der Umweltschutzmaßnahmen in und rund um Zederhaus benötigt.

100 Arbeiter sind derzeit für diesen Tunnelbau beschäftigt, 70 davon direkt im Vortrieb auf beiden Seiten. (Stand: Februar 2007)

Am 8. Juli 2008 erfolgte der Durchstich der zweiten Tunnelröhre. Um 14.32 Uhr begrüßten sich dabei die Mineure des Nord- und Südtrupps mit Handschlag. Am 30. April 2010 konnte die 6.546 m lange zweite Röhre dem Verkehr übergeben werden. Dann wird die alte, erste Röhre ein Jahr lang saniert und ist bis Juni 2011 weiter nur einspurig befahrbar.

Weblinks

Fußnote und weitere Quellen

  1. siehe [1]
  2. Quelle www.news.at

Quelle