Seuchenspital St. Rochus
Das Seuchenspital St. Rochus in Salzburg-Maxglan gehört zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt Salzburg. Es wurde als Pest- bzw. Seuchen-Spital (Lazareth) errichtet, nach 1735 als Arbeitshaus (Zuchthaus) und nach 1816 als Kaserne (Rochuskaserne) genutzt.
Lage
Es liegt am Ende der Rochusgasse und dem Beginn der Kendlerstraße direkt am Glanbach, was zur Zeit der Errichtung für die Hygiene von Bedeutung war. Das Grundstück gehörte damals zum Rochusmeierhof (fälschlich heute Rochushof genannt).
Geschichte
Pestlazarett
Fürsterzbischof Wolf Dietrich erwarb in der Riedenburg - die man schon weit aus der Stadt wähnte - das Haus des Schinders und verlegte das Pesthaus dorthin. Eine verheerende Seuche (Pest) war im Jahr 1626 der zwingende Anlass zu Errichtung eines Spitals außerhalb der Stadt. 1636 kaufte Fürsterzbischof Paris Lodron in Maxglan an der Glan eine Bauernkeusche und ließ diese als neues Pesthaus herrichten. 1637 wurde das Pestlazarett aus dem Bereich vor dem Linzertor an die Glan übersiedelt. Das neue Lazarett sollte etwa eine Stunde Fußmarsch vom Siedlungsraum der Stadt entfernt liegen und dadurch die Ansteckungsgefahr für die Bevölkerung vermindert werden. Das Pestlazarett besaß ein Lazarettbad an der Glan, seit 1640 einen Pestfriedhof. Inmitten dieses Friedhofes stand auf einem großen Stein ein Holzkreuz. 1649 wurde die den Pestheiligen Rochus und Sebastian geweihte Kapelle erbaut.
Rochuskapelle
- Hauptartikel Rochuskapelle (Seuchenspital St. Rochus)
Im Innenhof des einstigen Seuchenspitals befindet sich eine Kapelle, die den beiden Pestheiligen Rochus und Sebastian gewidmet ist.
Zucht- und Arbeitshaus
Nach 1735 wurde das Pesthaus zum Arbeitshaus (Zuchthaus) umfunktioniert.
Nach mehr als hundert Jahre keine Seuche mehr aufgetreten war und das Pestspital baufällig war, baute es Fürsterzbischof Schrattenbach zu einem Zucht- und Arbeitshaus um. Das Zucht- und Arbeitshaus wurde 1755 eingerichtet und hatte bis etwa 1815 Bestand. Hier wurden 'arbeitsscheue Leute', das waren Bettler, Unterstandslose und Kleinkriminelle, sowie auch 'liederlicher Leute' (Dirnen) eingesperrt und mussten sich ihre Verpflegung selbst erarbeiten. Oberhalb des Tores ließ der Fürsterzbischof eine ovale Steintafel mit der Inschrift "Abstine aut sustine" (Entbehre oder ertrage, genauer: "Meide [die Straftat] oder leide [die Folgen]") anbringen. Im Giebel befindet sich ein Wappen und die Jahreszahl 1758.
Auf der Schmitt'sche Karte von Südwestdeutschland aus 1797 ist das Arbeitshaus verzeichnet.[1]
Im Franciszäischen Kataster, etwa 1815, ist das Lazareth St. Rochus verzeichnet[2].
Rochuskaserne
Nach der Säkularisation kam das Gebäude an die österreichische Regierung. Nach 1816 wurde das Gebäude als Kaserne genutzt, kurzzeitig war es auch Notlazarett. 1861 ging es an in den Besitz des Herzogtum Salzburg über. 1859, 1864 und 1866 waren Invalide darin untergebracht. 1870 wurde die österreichische Landwehr errichtet und das Gebäude als Kaserne unter dem Namen Rochus-Kaserne verwandelt. Von 1887 bis 1898 diente es als Kaserne für die k.k. Landwehr. Damals waren etwa 100 bis 150 Soldaten stationiert.
Im Franziszäischen Kataster, etwa 1850 ist das Lazareth St. Rochus verzeichnet[3].
In der Zeit des Nationalsozialismus war in der Rochuskaserne die Hunde-Ersatz- und Ausbildungsstaffel 18 untergebracht.
Stieglbrauerei
1901 wurde das Gebäude an die Stieglbrauerei verkauft. Im heute sogenannten "Ökonomiegebäude" waren und sind die Stallungen für Ochsen und Rösser, sowie die Remisen für die Kutschen untergebracht, mit denen die Stieglbrauerei bis heute Bier in Holzfässern ausliefert.
Seit Ende des 20. Jahrhunderts ist dort auch ein Mitarbeiter- und Seminarbereich eingerichtet.
Quellen
- Reinhard Medicus
- Führung, 525 Jahr-Jubiläum der Stieglbrauerei, 18. Juni 2017
- * Josef Eder: Das Pestkreuz ANNO, Salzburger Volksblatt, 12. Dezember 1925, Seite 3