Werkschulheim Felbertal Privatgymnasium: Unterschied zwischen den Versionen

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==Geschichte==
==Geschichte==
Die Schule wurde [[1951]] von [[Alexej Stachowitsch]] im [[Felbertal]] bei [[Mittersill]] im [[Pinzgau]] gegründet und befindet sich seit [[1964]] in [[Ebenau]] bei [[Salzburg]].
Im August [[1951]] fand in [[Bad Ischl]] das 7. Weltjamboree (Internationales Pfadfinderlager) statt. Dabei entstand unter einigen führenden Pfadfindern die Idee, nach bayerischem Vorbild – in [[Berchtesgaden]] gab es zu diesem Zeitpunkt bereits ein Werkschulheim – auch in [[Österreich]] eine solche Schule zu gründen.
Einen Monat später wurde durch die Bildung des Vereins zur Förderung von Werkschulheimen als Schulerhalter der Grundstein für das Werkschulheim im Felbertal bei [[Mittersill]] im Salzburger [[Pinzgau]] gelegt.
Das erste Schuljahr des Werkschulheims begann am 14.September 1951 in zwei Holzblockhäusern mit 10 kaum deutsch sprechenden Flüchtlingskindern, 15 österreichischen Schülern und sechs Erwachsenen, darunter die Gründungsväter [[Walter Katstaller]], [[Josef Löw]], [[Alexej Stachowitsch]] und [[Rupert Staudinger]].
Schon die ersten Jahre verliefen erfolgreich. Das Werkschulheim erhielt viel Anerkennung und fand im In- und Ausland immer mehr Beachtung. Wenige Jahre nach der Gründung war es in Österreich zur „Modellschule“ aufgestiegen.
Im Juli [[1954]] wurde dem Werkschulheim das Öffentlichkeitsrecht verliehen. Ab diesem Zeitpunkt konnte das Werkschulheim staatsgültige Zeugnisse ausstellen. Vorher mussten alle Prüfungen vor externen Kommissionen abgehalten werden.
Im Handwerk gab es damals die Wahl zwischen Tischlerei und Metallbearbeitung. Erst ab dem Schuljahr 1955/56 wurde Radiomechanik als 3. Möglichkeit eingeführt.
Große Schwierigkeiten bereitete aber zunehmend die Raumnot, sodass in den Jahren 1956 und 1957 keine neuen ersten Klassen aufgenommen werden konnten. Auch die Abgeschiedenheit und die Entfernung von Salzburg wurden vor allem im Winter zu einem großen Problem.
So entschloss man sich zum Standortwechsel. Ideale Voraussetzungen fand man in der Nähe des Ortes Ebenau auf einem ausgedehnten Plateau mit Blick über den darunter liegenden [[Wiestalstausee]]. [[1961]] begann man mit dem Neubau des Werkschulheims und [[1964]] konnten die neuen Gebäude bezogen werden.


Beflügelt von der Idee, beide Ausbildungsrichtungen − eine gute Allgemeinbildung, um gezielte und rationale Entscheidungen treffen zu können, und eine kompakte Handwerksausbildung, welche dann auch bis zu einem Abschluss verfolgt wird − sowie eine von dem Pfadfindertum geprägte soziale und persönliche Bildung auf Basis des christlichen Glaubens zu verbinden, wurde 1951 das Werkschulheim Felbertal in [[Mittersill]] gegründet.
Von Anfang an setzte sich die Schule zum Ziel, gymnasiale Bildung mit handwerklicher Ausbildung zu verbinden, sodass jeder Absolvent mit Maturazeugnis und Gesellenbrief für sein Leben bestens vorbereitet ist. Pfadfinderideen, wie die kleine Gruppe als Einheit und das außerschulische Lernen in Projekt- und Erlebniswochen, werden auch heute noch aktiv gelebt.
 
Im Werkschulheim erinnert das Original-Lagertor vom Weltjamboree in Bad Ischl an das Gründungsjahr 1951. Außerdem gibt es im Werkschulheim eine eigene Pfadfindergruppe, die sich regelmäßig zu Heimstunden trifft.  
=== Der Gründer===
Wesentlich für die Entwicklung dieser Idee war das Leben Alexej Stachowitschs, der an seiner eigenen Ausbildung folgendes erkannt hatte: „''Vier Faktoren glaubte ich zu erkennen, die alle zusammen in mir zu einer Einheit wurden: Eine brauchbare Allgemeinbildung, die einem das Ineinandergreifen aller Wissenschaften näherbringt und damit auch Gewissensentscheidungen ermöglicht. Ein Handwerk, nicht nur als „gehobenes Basteln“, sondern bis zu einem Abschluss. Eine Aus dem jugendbewegt-pfadfinderischen Erleben resultierende Haltung, vor allem in der Menschenbehandlung. Der christliche Glaube, in meinem Falle in der russisch-orthodoxen Prägung.''“<ref>Quelle: Stachowitsch, Alexej M.: Schule ein Abenteuer, 2001 Verlag für Kommunikation Helmut Guggenberger</ref>
 
Als Sohn russischer [[Asylwerber in Salzburg|Flüchtlinge]] kam er mit seiner Familie Anfang der [[1920er]]-Jahre nach Salzburg, wo er in seiner Jugend neben dem Gymnasium auch eine Radiomechanikerlehre erfuhr und Pfadfinderführer wurde. Im [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]] kam er als Offizier in diverse Ausbildungsstätten, wo er seine fachlichen Kenntnisse im Handwerk und im sozialen Bereich vertiefte. 1950 hatte er einen einjährigen Studienaufenthalt in den USA, der durch ein Stipendium ermöglicht wurde, wobei er hauptsächlich Social Work studierte und praktizierte.<ref>vgl: Plankensteiner, Christian: Das Werkschulheim Felbertal. Entstehungsgeschichte – Konzeption – Bewertungsversuch</ref> Dabei versuchte Stachowitsch, sich Klarheit über die Werkschulheimidee zu verschaffen, konnte aber keine geeigneten Schulen als Vorbild ausfindig machen.


==Ausbildung==
==Ausbildung==

Version vom 16. Dezember 2015, 17:35 Uhr

Aktuelles Werkschulheim Logo
Werkschulheim Felbertal, südliche Ansicht vom Ochsenberg aus
Blick vom Dürrnberg zum Werkschulheim Felbertal

Das Werkschulheim Felbertal ist ein Privatgymnasium mit Öffentlichkeitsrecht und bietet eine Kombination aus einer allgemein bildenden höheren Schule und einer Handwerksausbildung an. Das Werkschulheim ist das Vorzeigemodell für die duale Ausbildung in Österreich (allgemein bildenden höheren Schule und Handwerksabschluss bis zum Meisterbrief). Angeschlossen ist ein Internat für Mädchen und Burschen. Die Schule befindet sich im Bundesland Salzburg, in Ebenau im Flachgau; der Schulerhalter ist der Verein zur Förderung von Werkschulheimen.

Geschichte

Im August 1951 fand in Bad Ischl das 7. Weltjamboree (Internationales Pfadfinderlager) statt. Dabei entstand unter einigen führenden Pfadfindern die Idee, nach bayerischem Vorbild – in Berchtesgaden gab es zu diesem Zeitpunkt bereits ein Werkschulheim – auch in Österreich eine solche Schule zu gründen. Einen Monat später wurde durch die Bildung des Vereins zur Förderung von Werkschulheimen als Schulerhalter der Grundstein für das Werkschulheim im Felbertal bei Mittersill im Salzburger Pinzgau gelegt. Das erste Schuljahr des Werkschulheims begann am 14.September 1951 in zwei Holzblockhäusern mit 10 kaum deutsch sprechenden Flüchtlingskindern, 15 österreichischen Schülern und sechs Erwachsenen, darunter die Gründungsväter Walter Katstaller, Josef Löw, Alexej Stachowitsch und Rupert Staudinger. Schon die ersten Jahre verliefen erfolgreich. Das Werkschulheim erhielt viel Anerkennung und fand im In- und Ausland immer mehr Beachtung. Wenige Jahre nach der Gründung war es in Österreich zur „Modellschule“ aufgestiegen. Im Juli 1954 wurde dem Werkschulheim das Öffentlichkeitsrecht verliehen. Ab diesem Zeitpunkt konnte das Werkschulheim staatsgültige Zeugnisse ausstellen. Vorher mussten alle Prüfungen vor externen Kommissionen abgehalten werden. Im Handwerk gab es damals die Wahl zwischen Tischlerei und Metallbearbeitung. Erst ab dem Schuljahr 1955/56 wurde Radiomechanik als 3. Möglichkeit eingeführt. Große Schwierigkeiten bereitete aber zunehmend die Raumnot, sodass in den Jahren 1956 und 1957 keine neuen ersten Klassen aufgenommen werden konnten. Auch die Abgeschiedenheit und die Entfernung von Salzburg wurden vor allem im Winter zu einem großen Problem. So entschloss man sich zum Standortwechsel. Ideale Voraussetzungen fand man in der Nähe des Ortes Ebenau auf einem ausgedehnten Plateau mit Blick über den darunter liegenden Wiestalstausee. 1961 begann man mit dem Neubau des Werkschulheims und 1964 konnten die neuen Gebäude bezogen werden.

Von Anfang an setzte sich die Schule zum Ziel, gymnasiale Bildung mit handwerklicher Ausbildung zu verbinden, sodass jeder Absolvent mit Maturazeugnis und Gesellenbrief für sein Leben bestens vorbereitet ist. Pfadfinderideen, wie die kleine Gruppe als Einheit und das außerschulische Lernen in Projekt- und Erlebniswochen, werden auch heute noch aktiv gelebt. Im Werkschulheim erinnert das Original-Lagertor vom Weltjamboree in Bad Ischl an das Gründungsjahr 1951. Außerdem gibt es im Werkschulheim eine eigene Pfadfindergruppe, die sich regelmäßig zu Heimstunden trifft.

Ausbildung

Das Werkschulheim Felbertal, das heute (2012) von 320 Schülerinnen und Schülern besucht wird, ist eine private Internatsschule mit Öffentlichkeitsrecht und bietet zusätzlich zur gymnasialen Bildung auch eine handwerkliche Ausbildung in den Berufen Mechatronik, Maschinenbautechnik und Tischlereitechnik, was in Österreich einzigartig ist. Die Absolventinnen und Absolventen schließen ihre neunjährige Ausbildung mit einer Lehrabschlussprüfung (Gesellenprüfung) und der AHS-Matura ab. Diese attraktive Doppelqualifikation berechtigt einerseits zu jedem Universitätsstudium und schafft andererseits die Voraussetzung für die Ablegung der Meisterprüfung. Essentiell ist auch die Ausbildung, die im Rahmen des Internats erfolgt und nach der Pfadfindermethode den Schüler lehren soll, mit Menschen zu arbeiten.

Maritta Hintzsche ist Erziehungsleiterin im Werkschulheim Felbertal.

Internat

Das Werkschulheim wird als Voll- und Halbinternat geführt. Der Schule ist ein Internat angegliedert, in dem die Schüler und seit heuer auch Schülerinnen in Kleingruppen von maximal zwölf Jugendlichen betreut werden. Für jede Kleingruppe stehen Drei- oder Zweibettzimmer sowie Gemeinschaftsräume mit Teeküche sowie TV- und Computerraum zur Verfügung. Schüler aus den Umlandgemeinden werden im Halbinternat in Gruppen mit rund 20 Schüler/innen ähnlich einer Tagesbetreuung täglich bis 17:00 Uhr betreut.

Sanierung

Von 2008 bis 2010 wurden mehr als sechs Millionen Euro in eine umfassende Sanierung und Neubau in den Schulkomplex in Ebenau investiert. Weitere sechs Millionen Euro sollen noch folgen. Das Werkschulheim ist der größte Arbeitgeber in der Gemeinde Ebenau.

2012: 60 Jahre Werkschulheim Felbertal

Salzburger Landeskorrespondenz: "Das Werkschulheim Felbertal zählt zu den besten Schulen in Österreich, denn seit Anbeginn setzt man auf ein umfassendes Angebot mit einer qualitativ hochwertigen und zukunftsweisenden Ausbildung für die Schülerinnen und Schüler", erklärte Salzburgs Bildungsreferentin Landeshauptfrau Gabriele Burgstaller heute, Freitag, 1. Juni 2012, bei einem Informationsgespräch anlässlich der 60-Jahr-Feier der Schule. "Wo engagiert unterrichtet und gelernt wird, dort soll auch die räumliche Ausstattung stimmen", sagte Burgstaller mit Verweis auf die Sanierung und Erweiterung des Werkschulheims in den vergangenen Jahren, die das Land mit rund drei Millionen Euro unterstützt hat.

"Das Werkschulheim Felbertal kann stolz auf seine Absolventen und Absolventinnen sein, die dank der praxisorientierten Ausbildung auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt sind und in vielen Fällen große berufliche Karrieren gemacht haben. Das Bundesland Salzburg wiederum ist stolz, das Werkschulheim Felbertal in seiner Schullandschaft zu haben", so die Landeshauptfrau weiter.

Die gute Entwicklung der Schule wurde vor allem durch das Engagement von vielen Unterstützern, das Wirken des Vereins zur Förderung von Werkschulheimen, die Republik Österreich und das Land Salzburg möglich. Der Obmann des Fördervereines des Werkschulheimes, Wolfgang Saliger, dankte in diesem Zusammenhang Landeshauptfrau Burgstaller dafür, dass auch in jüngster Zeit trotz aller Einsparungsnotwendigkeiten die öffentliche Hand immer ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Schule gehabt habe.

"Die Ideen der Gründer des Werkschulheimes haben sechs Jahrzehnt überlebt, weil die Verbindung von AHS mit einer fundierten handwerklichen Ausbildung den Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes heute mehr denn je entspricht", sagte der Direktor des Werkschulheimes Felbertal, Mag. Winfried Kogelnik.

Adresse und Anfahrtsplan

Anfahrtsplan
Werkschulheim Felbertal
Hinterebenau 30
5323 Ebenau, Österreich
Telefon: 0 62 21 - 72 81-0
Fax: 0 62 21 - 72 81 - 30

Weblinks

Quellen

Fußnoten