Windkraftanlage Lehmberg: Unterschied zwischen den Versionen
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Version vom 19. Dezember 2015, 10:11 Uhr
Windkraftanlage Lehmberg ist ein Windenergie-Projekt des Grödiger Großgrundbesitzers Maximilian Mayr-Melnhof am Lehmberg bei Thalgau im Flachgau.
Allgemeines
Nachdem die Kolowind GmbH von Franz Kok durch anhaltende Verwaltungswidrigkeiten den Konkurs anmelden musste, wandte sich im Mai 2011 Max Mayr-Melnhof mit seinem Projekt am selben Standort, dem Lehmberg, an die Öffentlichkeit. Er befand sich in der Gründungsphase einer neuen Gesellschaft, an der er mit 20 Prozent beteiligt ist und die ein neues Projekt einreichen wird. Die anderen Partner sind Wirtschaftstreibende aus der Region.
Der Grund, auf dem die bis zu acht jeweils 90 Meter hohen Windräder mit einem Rotationsdurchmesser von je 90 Metern aufgestellt werden sollen, ist in seinem Besitz. Im Vollausbau könnte die Anlage 16 Megawatt leisten, was unter der Grenze von 20 Megawatt läge, ab der eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgeschrieben wäre.
Jedes Windrad könnte dann 1 200 Haushalte mit Strom versorgen.
Das gescheiterte Kolo-Windpark-Projekt von Franz Kok wurde vom Naturschutz nicht genehmigt (drei Windräder) und der Verwaltungsgerichtshof gab dem Naturschutz recht. Energie- und Naturschutzlandesrat Josef Eisl (ÖVP) hatte aber nun eine Lücke in der Gesetzgebung entdeckt. Nach dem neuen Raumordnungsgesetz 2009 sind keine naturschutzrechtlichen Bewilligungen mehr notwendig, wenn die Gemeinde eine Sonderfläche ausweise. Von Sonderflächenausweisungen sind nur Flächen in Naturschutzgebieten ausgenommen, und wenn es um den Artenschutz geht, beispielsweise den Vogelzug.
Entscheidung in Thalgau ruft Nachbargemeinden auf den Plan
Der Thalgauer Bürgermeister Martin Greisberger (ÖVP) steht dieser Sache aufgeschlossen gegenüber. Mit der Flächenwidmung auf dem Lehmberg hat die Gemeinde Thalgau die Weichen für Salzburgs erstes Windrad gestellt. Das wollen die nördlichen Nachbargemeinden so nicht hinnehmen.
Am Montag hat die Gemeindevertretung von Thalgau einstimmig die Umwidmung von 9 500 Quadratmetern auf dem Lehmberg für die Errichtung einer Windkraftanlage beschlossen. Jetzt ist das Land mit der aufsichtsbehördlichen Genehmigung am Zug. Die Gemeinde Thalgau ließ sich in ihrem Beschluss nicht von den Protesten aus den Anrainergemeinden, weder von den Unterschriften einer Bürgerinitiative noch von den Einwendungen der Gemeinden des Regionalverbandes Salzburger Seenland, beeindrucken.
„Wir als Gemeinde arbeiten auf die Klimaziele hin und haben jetzt unsere Arbeit erledigt. Dazu stehe ich“, sagt Thalgaus Bürgermeister Martin Greisberger. Landeshauptmann-Stv. Astrid Rössler (Grüne), die für die Raumordnung zuständig ist, steht einer Testanlage positiv gegenüber.
Die Weichenstellung Thalgaus für das umstrittene Windrad auf dem Lehmberg hatte noch einmal die Bürgermeister der vier nördlichen Nachbargemeinden Henndorf am Wallersee, Neumarkt am Wallersee, Köstendorf und Straßwalchen auf den Plan gerufen. In einem gemeinsamen Brief an Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) führten sie ihre Gründe an, warum das Projekt in dieser Form nicht hingenommen werden könne.
Den Bürgermeistern stößt vor allem sauer auf, dass das Land die Entscheidung auf die Gemeinde abgewälzt habe. „Vor zwei Jahren hat das Land die Verantwortung an die Gemeinden übergeben. Von Thalgau wurde der negative Beschluss von Neumarkt und Henndorf und die Stellungnahme des Regionalverbandes negiert. Auf Argumente wird nicht gehört“, ärgert sich Neumarkts Bürgermeister Adi Rieger (ÖVP). Immerhin handle es sich bei einem Windrad auf einem Berg rücken um eine weit sichtbare Industrieanlage, so Rieger.
Köstendorfs Bürgermeister Wolfgang Wagner (ÖVP) betont, dass die Nachbargemeinden nicht in die Verhindererrolle gedrängt werden wollen: „Es geht aber um die Raumordnung. Hier ist das Land gefordert. Es sollen in einem Energiemasterplan mögliche geeignete Windstand orte im Land Salzburg festgelegt werden, die einer genauen Prüfung unterzogen werden.“ Dann müsse die Politik unter Berücksichtigung des Umweltschutzes eine Entscheidung treffen. Es dürfe aber nicht sein, dass jede Gemeinde für sich über ein derartiges Projekt entscheiden könne. „Das Land muss seine Verantwortung wahr nehmen“, bekräftigt Bgm. Rieger. Der bereits in Betrieb gegangene Windpark im oberösterreichischen Munderfing zeige, dass eigentlich auch eine länderübergreifende Zusammenarbeit nötig sei.
Im Schreiben an Landeshauptmann Haslauer betonten die Bürgermeister, dass Salzburg kein klassisches Windkraftland sei. Sie bezweifeln, dass der Standort am Lehmberg „energetisch, volkswirtschaftlich oder betriebswirtschaftlich“ sinnvoll ist. Zudem sei das Windrad in Thalgau selbst nicht sichtbar, jedoch in allen nördlichen Nachbargemeinden sehr wohl.
Thalgaus Bürgermeister Martin Greisberger geht davon aus, dass sich in absehbarer Zeit ein Windrad mit einer Höhe von 137 Metern auf dem Lehmberg drehen wird. „Wir haben 2005 ein Energieleitbild gemacht, an dem wir uns orientieren. Ein Windrad muss man dort aufstellen, wo der Wind weht. Jetzt muss das Land entscheiden“, so Greisberger. Er sehe das Ganze sehr entspannt: „Den Gegenwind halte ich aus.“ Als einziges Argument gegen das Windrad bleibe nach mehr als zehn Jahren der Bemühungen das Landschaftsbild übrig. Die Einwände würden sich im Kreis drehen. Greisberger macht keinen Hehl daraus, dass er gerne weitere Windräder auf dem Lehmberg sehen würde. „Wir stellen erst einmal eines auf, damit man sieht, dass es verträglich ist. Die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes ist auch bei zwei oder drei Windrädern marginal“, ist er überzeugt.
Damit die Windkraft einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der Energie- und Klimaziele des Landes leisten könnte, müssten sich allerdings 20, 30 oder gar 40 Windräder in Land Salzburg drehen, meint Greisberger.
Weblink
Quellen
- "Salzburger Nachrichten", 25. Mai 2011
- "Salzburger Woche", Ausgabe "Flachgauer Nachrichten", 26. Juni 2014