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'''Johann Oberreiter''' (* [[8. Mai]] [[1807]] in [[Dienten am Hochkönig]]<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/salzburg/dienten/TFBIII/?pg=141 Taufbuch der Pfarre Dienten, Band III, S. 87.]</ref>; † [[1865]] in der [[Stadt Salzburg]]) war Lebzelter von Beruf und von [[1843]] bis [[1848]] [[Bürgermeister der Marktgemeinde Werfen|Bürgermeister]] von [[Werfen]] im [[Pongau]].
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[[Datei:2025 09 27 Fensterpfad der Universitätsbibliothek Salzburg 13.jpg|thumb|Titelblatt der Rede des [[Franziskaner]]bruders P. Basilius Lintner bei der Hinrichtung von Oberreiter.]]
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'''Johann Oberreiter''' (* [[8. Mai]] [[1807]] in [[Dienten am Hochkönig]]<ref>[https://data.matricula-online.eu/de/oesterreich/salzburg/dienten/TFBIII/?pg=141 Taufbuch der Pfarre Dienten, Band III, S. 87.]</ref>; † [[1865]] in der [[Stadt Salzburg]]) war Lebzelter von Beruf und von [[1843]] bis [[1848]] [[Bürgermeister der Marktgemeinde Werfen|Oberbürgermeister]] von [[Markt-Werfen]] im [[Pongau]].
    
== Leben ==
 
== Leben ==
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=== Straftaten und Verurteilung ===
 
=== Straftaten und Verurteilung ===
Am [[26. April]] [[1864]] verstarb seine Stieftochter Eva Schintelmaißer und am [[17. Mai]] seine Tochter Barbara Oberreiter. Den im Ort aufkommenden Gerüchten, sie seien wie schon die erste Ehefrau von Oberreiter vergiftet worden, schenkte seine Frau Glauben und zeigte ihn bei der Polizei an. Sie berichtete der Polizei auch, dass sie schon länger beobachte, dass er seiner Stieftochter „etwas Schädliches beibrachte“. Als Motiv wurde im Dorf vermutet, das Johann Oberreiter sich überfordert sah, seinen Kindern die von seiner ersten Frau vermachten 500 [[Gulden]] sowie das mit einer Hypothek zugunsten der Kinder belastete Haus auszubezahlen. Seine Kinder waren fast alle mehr oder weniger schwer sowohl als auch körperlich eingeschränkt, womit der Vater wahrscheinlich selbst physisch und auch psychisch überlastet war. Eva litt seit 1862 an Durchfall und Erbrechen. Auch weil sie „durch gichtisches Leiden ganz verkrüppelt“ war, fand ihr behandelnder Arzt an ihrem frühen Tod nichts Auffälliges und sie wurde ohne weitere Untersuchungen bestattet. Nachdem dann aber nur drei Wochen später auch Barbara starb, die ähnliche Symptome von Durchfall und Erbrechen vor ihrem Tod gezeigt und nach deren Tod Oberreiter auffällig auf eine möglichst rasche Beerdigung gedrängt hatte, erstattete Anna Oberreiter Anzeige. In dieser äußerte sie die Vermutung, die zwei Töchter seien mit Grünspan vergiftet worden. In der folgenden Obduktion wurde eine [[Arsen]]-Vergiftung festgestellt.  
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Am [[26. April]] [[1864]] verstarb seine Stieftochter Eva Schintelmaißer und am [[17. Mai]] seine Tochter Barbara Oberreiter. Den im Ort aufkommenden Gerüchten, sie seien wie schon die erste Ehefrau von Oberreiter vergiftet worden, schenkte seine Frau Glauben und zeigte ihn bei der Polizei an. Sie berichtete der Polizei auch, dass sie schon länger beobachte, dass er seiner Stieftochter "etwas Schädliches beibrachte". Als Motiv wurde im Dorf vermutet, das Johann Oberreiter sich überfordert sah, seinen Kindern die von seiner ersten Frau vermachten 500 [[Gulden]] sowie das mit einer Hypothek zugunsten der Kinder belastete Haus auszubezahlen. Seine Kinder waren fast alle mehr oder weniger schwer sowohl als auch körperlich eingeschränkt, womit der Vater wahrscheinlich selbst physisch und auch psychisch überlastet war. Eva litt seit 1862 an Durchfall und Erbrechen. Auch weil sie "durch gichtisches Leiden ganz verkrüppelt" war, fand ihr behandelnder Arzt an ihrem frühen Tod nichts Auffälliges und sie wurde ohne weitere Untersuchungen bestattet. Nachdem dann aber nur drei Wochen später auch Barbara starb, die ähnliche Symptome von Durchfall und Erbrechen vor ihrem Tod gezeigt und nach deren Tod Oberreiter auffällig auf eine möglichst rasche Beerdigung gedrängt hatte, erstattete Anna Oberreiter Anzeige. In dieser äußerte sie die Vermutung, die zwei Töchter seien mit Grünspan vergiftet worden. In der folgenden Obduktion wurde eine [[Arsen]]-Vergiftung festgestellt.  
    
Oberreiter gestand anfangs seinen Töchtern das Arsen mit [[Met]] verabreicht zu haben. Das Gift habe er von einem wandernden Wachsziehergesellen als Wachsklärungsmittel erhalten. Er gab in den ersten Verhören an seinen Opfern nur eine kleine Menge verabreicht zu haben, um ihnen ihre Leiden abzukürzen, da sie auf alle Fälle gestorben wären. Im weiteren Verlauf des Verfahrens widerrief er diese Aussage und änderte sie auch mehrfach ab.  
 
Oberreiter gestand anfangs seinen Töchtern das Arsen mit [[Met]] verabreicht zu haben. Das Gift habe er von einem wandernden Wachsziehergesellen als Wachsklärungsmittel erhalten. Er gab in den ersten Verhören an seinen Opfern nur eine kleine Menge verabreicht zu haben, um ihnen ihre Leiden abzukürzen, da sie auf alle Fälle gestorben wären. Im weiteren Verlauf des Verfahrens widerrief er diese Aussage und änderte sie auch mehrfach ab.  
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== Zeitgenössische Berichte ==
 
== Zeitgenössische Berichte ==
Aimé Wouwermans veröffentlichte noch 1865 ein Buch zu dem Fall. In diesem meinte er, dass Oberreiter wegen seiner äußeren Erscheinung kaum wie jemand aussehe, dem man einen Mord zutraue. Er habe das schleichende, kriechende Wesen eines Reptils, welches seine Opfer erst mit dem Blick fixiere um dann ruckartig anzuschleichen zu einer Stelle, die ihm zu Angriff und Verteidigung am geeignetsten erscheine. Nur in wenigen Momenten habe man an undeutlichen Zeichen eine innere Erregung bei ihm bemerkt. Wie vor Gericht gezeigt, habe er wohl früher auf seine Mitbürger gewirkt: „Ruhig nach Außen (und) krankhaft aufgeregt im Innern“.  
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Aimé Wouwermans veröffentlichte noch 1865 ein Buch zu dem Fall. In diesem meinte er, dass Oberreiter wegen seiner äußeren Erscheinung kaum wie jemand aussehe, dem man einen Mord zutraue. Er habe das schleichende, kriechende Wesen eines Reptils, welches seine Opfer erst mit dem Blick fixiere um dann ruckartig anzuschleichen zu einer Stelle, die ihm zu Angriff und Verteidigung am geeignetsten erscheine. Nur in wenigen Momenten habe man an undeutlichen Zeichen eine innere Erregung bei ihm bemerkt. Wie vor Gericht gezeigt, habe er wohl früher auf seine Mitbürger gewirkt: "Ruhig nach Außen (und) krankhaft aufgeregt im Innern".  
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Der „Neue bayrische Kurier“ hatte umfangreich über den Prozess berichtet. Unter anderem steht dort geschrieben, dass Anna Oberreiter nicht mehr gegen ihren Mann ausgesagt hat, da ihr der Pfarrer davon abgeraten hatte, weil er doch „immer noch (ihr) Mann sei“. Von seinen Mitgefangenen wurde Oberreiter laut der Zeitung als Heuchler bezeichnet. Einem habe er gesagt, dass ihm vier oder fünf Jahre Zuchthaus nichts ausmachen würden. Zum Prozessabschluss wurde bemerkt, dass Oberreiter trotz erdrückender Indizienbeweise freigesprochen worden wäre, hätte er nur seine Frau ermordet. Und dies nur weil „eine liebende Hand“ den kontaminierten Blumenstrauß mit in den Sarg gelegt hätte.  
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Der "Neue bayrische Kurier" hatte umfangreich über den Prozess berichtet. Unter anderem steht dort geschrieben, dass Anna Oberreiter nicht mehr gegen ihren Mann ausgesagt hat, da ihr der Pfarrer davon abgeraten hatte, weil er doch "immer noch (ihr) Mann sei". Von seinen Mitgefangenen wurde Oberreiter laut der Zeitung als Heuchler bezeichnet. Einem habe er gesagt, dass ihm vier oder fünf Jahre Zuchthaus nichts ausmachen würden. Zum Prozessabschluss wurde bemerkt, dass Oberreiter trotz erdrückender Indizienbeweise freigesprochen worden wäre, hätte er nur seine Frau ermordet. Und dies nur weil "eine liebende Hand" den kontaminierten Blumenstrauß mit in den Sarg gelegt hätte.  
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Im „Augsburger Tagblatt“ wurde unter anderem berichtet, das Oberreiter seinen verschuldeten Betrieb sanieren wollte, indem sein Sohn eine reiche Braut heiraten sollte. Durch die älteren kränklichen ledigen Schwestern im Haus ließe sich aber keine solche finden. Dort wurde berichtet, das seine Mitgefangener ihn einen Betbruder nannten.  
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Im "Augsburger Tagblatt" wurde unter anderem berichtet, das Oberreiter seinen verschuldeten Betrieb sanieren wollte, indem sein Sohn eine reiche Braut heiraten sollte. Durch die älteren kränklichen ledigen Schwestern im Haus ließe sich aber keine solche finden. Dort wurde berichtet, das seine Mitgefangener ihn einen Betbruder nannten.  
    
Die Obduktionen und Untersuchungen der im Haushalt und in der Kleidung von Oberreiter beschlagnahmten Gegenstände auf Arsen und andere Gifte wurden intensiv mit mehreren mehrseitigen Artikeln in der Fachpublikation Wiener medizinische Presse: Organ für praktische Ärzte. geschildert.  
 
Die Obduktionen und Untersuchungen der im Haushalt und in der Kleidung von Oberreiter beschlagnahmten Gegenstände auf Arsen und andere Gifte wurden intensiv mit mehreren mehrseitigen Artikeln in der Fachpublikation Wiener medizinische Presse: Organ für praktische Ärzte. geschildert.  
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* ''Ein Ex-Bürgermeister als Seriengiftmörder.'' in: ''[http://www.bmi.gv.at/magazinfiles/2007/05_06/files/giftmorde.pdf Ein fast perfekter Mord.]'' Artikel in ''Öffentliche Sicherheit (Zeitschrift)'' 5-6/07 zu Giftmorden, S. 54 (pdf; 340 kB)
 
* ''Ein Ex-Bürgermeister als Seriengiftmörder.'' in: ''[http://www.bmi.gv.at/magazinfiles/2007/05_06/files/giftmorde.pdf Ein fast perfekter Mord.]'' Artikel in ''Öffentliche Sicherheit (Zeitschrift)'' 5-6/07 zu Giftmorden, S. 54 (pdf; 340 kB)
 
* Einträge in österreichischen Zeitungen, nachzulesen unter [https://anno.onb.ac.at/anno-suche#searchMode=simple&query=Johann+Oberreiter&from=1 anno.onb.ac.at]
 
* Einträge in österreichischen Zeitungen, nachzulesen unter [https://anno.onb.ac.at/anno-suche#searchMode=simple&query=Johann+Oberreiter&from=1 anno.onb.ac.at]
== Einzelnachweise ==
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== Einzelnachweis ==
 
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[[Kategorie:Bürgermeister (Pongau)]]
 
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[[Kategorie:Bürgermeister der Marktgemeinde Werfen]]
 
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[[Kategorie:Pongau]]
 
[[Kategorie:Werfen]]
 
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[[Kategorie:Salzburgs Töchter und Söhne]]
 
[[Kategorie:Justiz]]
 
[[Kategorie:Justiz]]
 
[[Kategorie:Gerichtsfall]]
 
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