Johann Gautsch
Johann Gautsch (* 1931?; † 21. November 1997), ein arbeitsloser Mechaniker, war der Täter des Amoklaufs von Mauterndorf (1997).
Aus seinem Leben
Johann Gautsch arbeitete als Mechaniker in Hallein, bis im Jahr 1994 sein Arbeitgeber in Konkurs ging. Er fand keine neue Stelle und sah sich genötigt, sein Elternhaus in Mauterndorf, das er zuvor nur am Wochenende bewohnt hatte und nun ständig bewohnte, zu verkaufen, blieb aber in ständiger Geldnot. Er nahm das spätere Mordopfer Harald Moser auf. Moser sollte Gautsch bei der Sanierung des desolaten Hauses helfen und dafür keine Miete bezahlen. Später kaufte er das Haus; Gautsch, der nun kümmerlich im zweiten Stock des Hauses hauste, sollte mit Ende des Jahres 1997 ausziehen.
Viele seiner Mitbürger, die ihn hauptsächlich "vom Sehen" kannten, beschrieben den Mann als Einzelgänger, als einen, der sich zurückzog, der nicht viel redete, der seit dem Tod der Eltern so gut wie keine gesellschaftlichen und sozialen Kontakte hatte. Er soll bereits als Kind ein Außenseiter gewesen sein. Wer ihn auf der Straße traf, wurde von ihm freundlich gegrüßt.
Gautschs Leidenschaften waren Jagd (auch Wilderei) und Schießen. Er besaß seit seinem 20. Lebensjahr eine Waffenbesitzkarte und war ein begeisterter Sportschütze.[1] In einem Steinbruch, der ihm als inoffizieller Schießstand diente, übte er. Er galt als einer der besten Schützen.
Der Amoklauf
Auslöser der Bluttaten war ein Schreiben der Gemeinde Mauterndorf, wonach Gautsch mit gerichtlicher Eintreibung rückständiger Gemeindegebühren rechnen müsse, wenn er diese nicht bezahle.[2]
In der Nacht vom 20. auf den 21. November 1997 schritt der damals 36 Jahre alte Gautsch zur Tat:
- Zuerst erschoss er mit einer Pistole Harald Moser (39), dann dessen Lebensgefährtin Gabriele Aigner (40) und deren gemeinsames Kind Elisabeth (3), während das weitere (schlafende) Kind Magdalena (15 Monate) unbehelligt blieb. Der Täter verwendete einen selbstgefertigten Schalldämpfer.
- 10 Minuten später läutete er beim Haus des 55‑jährigen Wernfried Gappmayer. Vor dessen Haustüre tötete er, diesmal mit einem Revolver, seinen ehemaligen Lehrer; dieser war auch der für den Ortsbildschutz zuständige Vizebürgermeister, mit dem Gautsch einmal wegen eines Umbaus im Haus Streit gehabt hatte.
- Nach weiteren 10 Minuten kam er zum Haus der Ehegatten Schitter, in deren Autofirma er als Mechaniker gearbeitet hatte. Diese waren verreist, doch die Tochter Irene Schitter kannte ihn, und er wurde eingelassen. Er erschoss im Wohnzimmer die 22‑Jährige und deren 19‑jährigen Freund Stefan Bader, einen Bundesheeranhörigen.
- Mit Baders Auto verließ Gautsch den Tatort und begab sich zu einem Verwandten ins Thomatal, dem er die Tat gestand.
- Bereits am folgenden Morgen fuhr er nach St. Margarethen im Lungau, um auch den 56‑jährigen[2] Lebensgefährten seiner früheren Freundin und Vater eines der Opfer zu töten, den er schon seit Monaten verfolgt und bedroht hatte. Er gab aus dem Fahrzeug fünf Schüsse ab, die jedoch ihr Ziel verfehlten. Dass es Gautsch um die Frau ging, bestätigte später ein von ihm verfasster Abschiedsbrief.[1]
Mittlerweile waren die ersten Taten entdeckt worden. Der Mörder wurde in der Nähe des Flugplatzes Mauterndorf von zwei Gendarmeriepatrouillen eingekreist und gestellt, worauf er sich erschoss. Die Obduktion ergab einen Blutalkoholgehalt von 2,2 Promille.
Neben den Tatwaffen (einer Pistole und einem Revolver) wurden bei einer Hausdurchsuchung weitere vier Pistolen, fünf Gewehre, zehn Kilogramm Schwarzpulver und 1000 Schuss Munition gefunden.
Die Geschichte des Johann Gautsch – vor allem aus der Sicht eines Freundes
- Bernhard Mosers Freundschaft mit Johann Gautsch beginnt 1988.
- Gautsch arbeitet in Hallein als Mechaniker. In Mauterndorf besitzt er das Haus seiner Eltern, das ihm viel bedeutet. Am Wochenende wohnt er darin. Zur selben Zeit sucht der später ermordete Harald Moser, der sich selbständig machen will, Haus oder Geschäftslokal. "Ich hab' dem Hans gesagt, er soll meinen Bruder einquartieren." Harald Moser soll Gautsch bei der Sanierung des desolaten Hauses helfen und dafür keine Miete bezahlen. Als 1994 der Halleiner Arbeitgeber in Konkurs geht und Gautsch seine Stelle verliert, muss er das Haus verkaufen. "Er wollte wieder als Maschinenbauer arbeiten. Aber er fand nichts. Geld war nicht in Aussicht, er sollte den Restpreis des Hauses erst bekommen, sobald er ausgezogen war." Gautsch beginnt mehr zu hausen als zu leben. "Er hatte keine Bettwäsche, fast kein Geschirr. Verköstigt hat er sich mit Wurstsemmeln und Suppen. Das Telefon wurde ihm abgezwickt." Oft ruft er Bernhard aus einer Telefonzelle an: "Bitte hol' mich". Sozialhilfe will er nicht: "Ich brauch' vom Staat nix." Zu Schießveranstaltungen, die er zusammen mit Bernhard Moser besucht hat, fährt er nicht mehr mit. "Wenn er Geld gebraucht hat, hat er Waffen verkauft. Da war vieles vom Vater da." Den Schalldämpfer, der auf der Tatwaffe montiert war, baute er selbst. Ursprünglich, um heimlich auf Jagd gehen zu können. "Das war seine ganze Leidenschaft."
- Johann Gautsch braucht immer dringender Geld, will aber das Haus nicht verlassen. "Vor einem Monat bekam er Neurodermitis-Anfälle. Es ging ihm schlecht."
- Donnerstag abend beginnt die blutige Katastrophe. Gautsch ermordet Harald Moser und seine Familie. Dann erschießt er Wernfried Gappmayer. "Gappmayer war beim Ortsbildschutz. Wegen eines Umbaus im Haus hatten die beiden einmal Streit. Hans war furchtbar verärgert."
- Irene Schitter und Stefan Bader müssen als nächstes sterben. Danach fährt Gautsch zu einem Verwandten ins Thomatal und fällt ihm weinend in die Arme: "Ich hab einen umgebracht, jetzt kann ich nicht mehr zurück." Er fährt nach St. Margarethen, wo er versucht, den Lebensgefährten seiner früheren Freundin umzubringen. Beim Mauterndorfer Flugplatz erschießt sich Gautsch.
Quellen
- Salzburger Nachrichten, 22. November 1997, Lokalteil, S. 6: Die Todesschüsse fielen fast lautlos. Nur ein kleines Mädchen überlebte
- Salzburger Nachrichten, 26. November 1997, S 7: "Damit die Wahrheit zutage kommt" – Die Geschichte des Johann Gautsch
- Salzburger Nachrichten, 27. November 1997, S. 8: Mörder hauste in Bruchbude
- Salzburger Nachrichten, 29. November 1997, Lokalteil, S. 2: Die Gesichter des Massenmörders: Der Gewalttäter mit dem Lächeln
- Salzburger Nachrichten, 21. November 1998: Lokalteil, S. 2: Chronik einer Wahnsinnstat
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Salzburger Nachrichten, 22. November 1997, Lokalteil, S. 6: Richter hatte Vorladung fertig
- ↑ 2,0 2,1 Artikel "Amoklauf in Mauterndorf", gestützt auf die "Lungauer Nachrichten" vom 21. November 2012