Sommerfrische in Mattsee
Die Sommerfrische in Mattsee der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist eng mit antisemtischen Strömungen und der Politik der ersten Republik Österreichs verbunden.
Einleitung
Mit dem Bau der Kaiserin-Elisabeth-Bahn erhielt das nicht weit von Mattsee entfernte Seekirchen am Wallersee einen Bahnhof, an dem Schnellzüge von Wien hielten. Ab 1898 hieß der Bahnhof dann "Seekirchen-Mattsee". Die Sommerfrische-Gäste konnten so in rund neun Stunden von Wien an den Mattsee gelangen, wo sie durchschnittlich vier Wochen im Sommer verbrachten.
Unter dem Mattseeer Fremdenverkehrspionier Dr. Heinrich Wallmann begann mit der Gründung der Badegesellschaft und des Saison-Vereins der Fremdenverkehr in Mattsee einen Aufschwung.
Für das Wiener Bürgertum, das weder einen Urlaub am Meer in Abbazia (Opatija) oder in Bad Ischl in Betracht zogen, wurde Mattsee mit seinen drei Seen zum beliebten Sommerfrische-Ziel. Zu den ersten Sommerfrischlern zählte auch Anton Breitner.
Unter diesem Wiener Bürgertum befanden sich natürlich auch viele jüdische Persönlichkeiten mit ihren Familien. Diese hatte nach der im Dezember 1867 verkündeten Verfassung die uneingeschränkte Gleichberechtigung mit allen anderen Staatsbürgern der Habsburgermonarchie.
Damit setzte auch ein Deutschnationalismus ein, der starke antisemtische Züge aufwies. Auch Mattsee blieb seit seinen Fremdenverkehrsanfängen nicht von derartigen Einflüssen verschont. Bereits 1889 musste der Vorstand des Mattseers Saison-Vereins in einer Stellungnahme in Anlehnung an dieses Staatsgrundgesetz der Gleichstellung darauf hinweisen "jeder Sommergast - ob Jude oder Christ, der anständig lebt, ist gleich zu achten." Mit der Ernennung des jüdischen Schriftstellers Adalbert Goldschneider zum Ehrenmitglied des Saison-Vereins wollte dieser ein deutliches politisches Signal setzen.
"Mattsee ist Judenrein"
Quelle
- Wo Dollfuß baden ging, Mattsee erinnert sich: Schönberg - Seyß-Inquart - Stephanskrone, Seite 24ff