Dr. Fritz Gruber Weg

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Quarz Ödenkar

Der Dr. Fritz Gruber Weg ist ein montanistisch-naturkundlicher Wanderweg zum Kreuzkogelgipfel im Naßfeldtal in Sportgastein in der Pongauer Gemeinde Bad Gastein.

Allgemeines

Der Dr. Fritz Gruber Weg führt vom Parkplatz in Sportgastein über die Mittelstation Goldbergbahn und über das Schiedeck zum Knappenbäuelsee und weiter zum Gipfel des Kreuzkogels, der an bestimmten Tagen auch im Sommer mit der Goldbergbahn erreichbar ist. Im Winter ist der gesamte Weg für Fußgänger gesperrt, um Kollisionen mit Skifahrern von vornherein auszuschließen. Die Höhendifferenz beträgt rund 1 000 Meter, und man braucht ca. 3 bis 3,5 Stunden an Gehzeit bis zum Gipfel. Der Weg wurde 2010 nach Dr. Fritz Gruber benannt, der sich seit seiner Jugend und dann als Montanistoriker mit dem Berg beschäftigte. Die Erhaltung des Weges hat das Montanmuseum Altböckstein übernommen.

Wegbeschreibung

1. Etappe: Zum Knappenbäuelsee (Knappenbeudelsee, laut ARGIS Knappenbeutelsee)

Über das Gasteinertal, Bad Gastein und Böckstein erreichen wir das Wintersportzentrum Sportgastein, früher unter dem Namen "Naßfeld" bekannt. Im folgenden ist die neue Rechtschreibung angewandt: "Nassfeld". Am großen Gratis-Parkplatz gehen wir zum südöstlichen Eck und starten da unsere Wanderung. Nach ein paar Metern überqueren wir die Siglitzbach-Brücke und gleich darauf eine zweite Brücke, die jenen Bach überspannt, der von Süden kommt. Manche nennen ihn Weißenbach oder Weißenbachtalbach, weil er in diesem Tal seinen Ursprung hat, doch besser passt der Name "Nassfeldbach".

Wir gehen ca. 100 m dem Bach entlang (Naturschau-Pfad der Nationalparkverwaltung) und zweigen dann nach links ab. Von nun an geht's bergauf. Wir folgen zuerst dem Sommersteig entlang der Skipiste (im Winter Familienabfahrt) über mehrere Kehren hinauf, bis wir auf ca. 1 860 m ü. A. auf die von rechts heraufkommende Werksstraße(für die Goldergbahn, nicht öffentlich) treffen. Bis zur Mittelstation sind es noch zwei Kehren.

An der Mittelstation der Goldbergbahn angelangt:

Mit der Mittelstation haben wir die Waldgrenze erreicht, obwohl darunter kein geschlossener Wald vorhanden ist, sondern nur einzelne Bäume und Baumgruppen aus Lärchen und Fichten, diese im Spätsommer oft mit dem auffallend gelben Fichtennadelrost "Chrysomyxa rhododendri", der die Alpenrosen als Zwischenwirt braucht, der aber wieder verschwindet und keinen bleibenden Schaden verursacht. Zirben fehlen hier weitgehend, wie überhaupt im ganzen Nassfeld. An einigen Stellen wurden im Südteil des Nassfelds Stroben (Weymouth-Kiefern) gepflanzt, die den Zirben sehr ähnlich sind. Nur das uns gegenüber, jenseits des Nassfelder Talbodens, nach Westen hin ansteigende Siglitztal hat sonnseitig noch originale, Jahrhunderte alte Zirben. Ansonsten ist am Aufstieg bis hierher die typische "Hochstaudenflur" dominierend, mit breitblättrigen Pflanzen von ca. 80 bis 120 cm Höhe, die nährstoffreiche und zugleich frische bis feuchte Standorte lieben. Zu nennen sind z. B. Weiß-Germer (giftig!), Geißbart, Alpen-Milchlattich, Grau-Alpendost und Österreich-Gamswurz. Es kommt aber auch die Rost-Alpenrose ("Almrausch") vor, die zum Teil mit einzelnen Exemplaren noch rund 400 m höher steigt. Was Farne betrifft, so findet sich der Männerfarn, der Frauenfarn (beide Arten), der Schildfarn und weitere. An Sträuchern kommt gelegentlich noch die Grau-Erle vor, aber ansonsten dominiert überall die höhenliebende Grün-Erle ab ca. 1300 m ü.A., und zwar so üppig, dass die Almbauern sie regelmäßig zurückschneiden müssen. Vereinzelt steigt ein Vogelbeerbaum bis in diese Höhe. Er ist der höchststeigende Laubbaum in unseren Gebirgsgegenden.

Von der Mittelstation zeigt ein Blick nach West über das Tal die Bockhartsee-Gegend. Hier ist rechts unten eine hohe Wand auffällig. Durch diese Wand zieht von rechts oben nach links unten eine deutlich erkennbare Linie. Sie markiert die frühere Druckwasserleitung, die zur Zeit der Zweiten Gewerkschaft Radhausberg das Wasser des Bockhart-Sees auf die Turbine des Kraftwerks unten im Nassfeld leitet, heute ein - sehr empfehlenswertes - Schaukraftwerk, das Schaukraftwerk Nassfeld.

Weiter geht's über das/die Schiedeck zum Knappenbäuelsee

Ab der Mittelstation gehen wir die Werksstraße nach Norden durch das "Mooskarl" hinauf weiter bis zu einem kleinen Felsgebilde, das die Einheimischen "Tatzelwurm" nennen. Es ist jene Stelle, wo man erstmals einen Tiefblick in das eigentliche Nassfeldtal hinunter und das Tal hinaus hat. Hier trug sich der Fall zu, dass Variantenfahrer den gesperrten, extrem steilen Hang ins Tal hinunterfuhren, und es gab dabei auch ein Todesopfer. Es ist der nördlichste Punkt unserer Wanderung und wir wenden uns wieder bergan nach Osten hinauf. Es lohnt sich bereits hier nach Alpenpflanzen der alpinen Region Ausschau zu halten, z. B. nach Zwerg-Seifenkraut und Krainer Grau-Greiskraut. Nach einigen Kehren erreichen wir die/das Schiedeck (an ihrer Südgrenze), hier mit einer Sonnenhütte. Nun dreht der Weg ungefähr nach Süden und führt, vorbei an der markanten Talstation des Kreuzkogel-Schleppliftes, mit mäßiger Steigung entlang einer talähnlichen Geländeverebnung hinauf zum Knappenbäuelsee, der meist unetymologisch, also falsch als Knappenbeudelsee oder Knappenbeutelsee geschrieben wird. Auf einer kleinen Kuppe angekommen, sehen wir direkt unter uns den wunderschönen Bergsee. Die Knappen des 16. Jahrhunderts nannten ihn noch "Unken-See" - ob es solche Tierchen wirklich einmal dort gegeben hat? Immerhin liegt der See auf 2 250 m ü. A.

Die Gegend ringsum ist alpine Weidefläche, auch mit ziemlich viel Bürstlingsrasen. Die Blütenpracht zeigt sich eher als recht bescheiden. Aber hier, am südlichsten Punkt unserer Wanderung, bei dem Pfosten mit Wegweisertafeln, oder unterhalb beim See, ist eine Rast angesagt. Immerhin liegen ca. 670 bereits bewältigte Höhenmeter schon hinter uns.

2. Etappe: Vom Knappenbäuelsee über das Ödenkar zur Bergstation und zum Gipfel

Der Weg wendet sich nun nach (Nord-)Osten hinauf, zum Teil der Trasse des Schlepplifts folgend. Nach ordentlichem Anstieg, aber noch unterhalb der Bergstation des Schlepplifts, lohnt sich ein Blick auf die Gegend, die sich von hier nach Norden hinüber zu den Wänden des Salesenkgogels erstreckt. Ins Auge stechen hier mehrere mächtige, bis ca. 0,5 m "dicke" Quarzadern (siehe Bild), deren Besonderheit darin besteht, dass sie sich isoliert bis zu ca. einem Meter vom Muttergestein freistehend abheben. Es sind die hier typischen "Neunerklüfte", so genannt, da sie ziemlich genau nach Osten, also nach "Stund neun", ihr "Streichen" haben. Ihr "Fallen" liegt annähernd bei 0°, das heißt, sie gehen senkrecht in die Tiefe. Wenn man sich die Entstehung dieser Gänge vorstellen will, so muss man sich in geologische Zeiträume von zigtausend Jahren zurück versetzen. Jahrtausende hindurch erodierten Frost, Wasser und Sturmwind das im Vergleich zum Quarz viel weichere Muttergestein (geschieferter Siglitzgneis) weg, und die senkrechte Außenfläche rückte Milimeter um Millimeter nach hinten, sodass der harte Quarz gewissermaßen immer weiter "herauszuwachsen" begann: Ein potentielles Musterbeispiel für ein Lehrbuch der Geomorphologie!

An die Wände des Salesenkogels sollte man sich nur mit allergrößter Vorsicht nähern, denn es besteht Steinschlaggefahr, besonders, wenn sich im Gipfelbereich Schafe aufhalten. Hier kommen etliche Pflanzen vor, etwa das Edelweiß, die auf den darunter liegenden Weideflächen fehlen. Aber es gibt hier auch etliche "normale" Blütenpflanzen, die man an den nach unten führenden Hang- und Weiderasenbereichen über rund 500 Höhenmeter nie antrifft! Die Weideflächen wurden ursprünglich von Gletschern abgeschliffen (Denudation) und mussten sich nach deren Rückzug mühsam, quasi zehntelmillimeterweise neue Erde aufbauen. Hingegen ist der ganze Gipfelbereich des Salesenkogels, der wegen seiner Höhe nie von einem Gletscher überdeckt wurde, ein ehemaliger Nunatak. Das Wort stammt übrigens aus dem Eskimoischen. Die wohl Millionen von Jahren alte Erde in den Ritzen und Spalten der Felsen und deren Südexposition bietet - seit Jahrtausenden ununterbrochen! - vielen seltenen und "normalen" Pflanzen eine ideale "Wohnung", wie die frühen Botaniker sagten. Aber wer heute gefahrlos die Pracht der alpinen bis nivalen Alpenpflanzen genießen will, kann das ganz oben am Gipfel tun, der ja ebenfalls ein ehemaliger Nunatak ist, damals umflossen vom Weißenbachtalgletscher und dem Hörkargletscher.

Der Name "Salesenkogel" ist karantanisch-altslowenischen Ursprungs und beweist, dass die hier heimischen Südslawen des 8. bis 10. nachchristlichen Jahrhunderts das bedeutende Erzvorkommen kannten. Zugrunde liegt dem Namen das Wort желѐзо = Eisen, Erz. Der kleinere Nebengipfel ist der Radhauskogel, eine junge Namensform, abgeleitet von viel älterem "Radhausberg". Dessen Schreibung mit >th< ist unetymologisch und sollte nicht verwendet werden.

Die Reste des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bergbaus

Noch ein Stück höher als die ins Auge fallenden Quarzadern kommen wir, direkt bei der Seilbahnstütze Nr. 8, an einen Haufen mit Schlacken und Sand, etwa in der Kubatur eines Einfamilienhauses. Es sind rund 500 Jahre alte Schmiedeschlacken, die entstanden, als die bergmännischen "Bergeisen" (quasi die Meißel) im Feuer immer wieder aufs Neue gehärtet wurden. Allein aus der Menge der Schlacken kann man erahnen, wie viele Knappen in den Stollen arbeiteten - es war ein großes wirtschaftliches Unternehmen, auf dessen Habenseite immer Gold und Silber standen. Im Jahr 1557 waren es 830 kg Gold und 2723 kg Silber.

Unweit gegen Süden stehen noch die Reste des St. Thomas Berghauses, insgesamt, mit Nebenanlagen, eine Fläche von knapp einem Hektar einnehmend. Von dort kann man auch einen Blick nach Süden hinunter machen in das Gräbmer Kar, wo ebenfalls mehrere Stollen in Betrieb standen. Bei zwei der Stollen ist noch ein "Schneekragen" erhalten; das war ein mit Holzbalken oder Steinplatten gedeckter Laufgang zwischen dem Stolleneingang und dem Berghaus. Er ersparte im Winter das Schneeschaufeln und schützte außerdem vor Lawinen.

Der Gipfel - ein aufgeschlagenes Buch der Alpenbotanik

Das letzte Stück des Aufstiegs führt nahe an der Bergstation des Schlepplifts links (nördlich) vorbei und in großem Rechtsbogen hinauf zur Bergstation der Goldbergbahn. Hier taucht, wie schon unten bei der Schiedeck-Hütte, wieder die halbkugelförmige Metallkonstuktion auf, die der renommierte Salzburger Architekt Gerhard Garstenauer vor ca. vier Jahrzehnten entworfen hat. Wir gehen aber noch ein Stückchen weiter nach Süden hinauf und erreichen endlich den Gipfel des Kreuzkogels in 2 686 m. A. Seehöhe. Es bietet sich ein gewaltiger Rundblick über die Dreitausender, vom Ankogel über Geiselkopf und Schareck zum Sonnblick und Hocharn. Nach einer wohlverdienten Rast widmen wir unser Augenmerk den Pflanzen. Es gibt in dieser Höhe sogar noch eine Weide, nämlich die winzige [[Kraut-Weide]. Je nach Jahreszeit blühen die Zwerg-Primel, die Kleb-Primel ("Blauer Speik"), der Gletscher-Hahnenfuß, der Frühlings-Enzian, der Alpen-Mannsschild, verschiedene Steinbrech-Arten, die Kriech-Nelkenwurz, der Eigentliche-Tauern-Eisenhut (sehr giftig!), der Alpen-Mauerpfeffer ("Fetthenne") und viele weitere. Aus der Gruppe der Flechten sind als Beispiele zu nennen die Landkartenflechte, die Totengerippe-Flechte, die alpine Strunkflechte.

Zurück bei der Bergstation-Garstenauer-Kugel haben wir für den Abstieg zwei Möglichkeiten. Entweder wie beim Heraufgehen den Weg zurück zum Parkplatz oder, für Leute mit guter Kondition, den Abstieg nach Osten zur Keuchenscharte und dann nach Norden über den Ing. Florentin Weg und die Haitzingalm-Forststraße über ca. 1 400 Höhenmeter zur Mautstelle der Gasteiner Alpenstraße. Von dort kann man in einen Bus zusteigen, der taleinwärts nach Sportgastein und zum Parkplatz fährt.

Quelle