Johann Baptist Hagenauer (* 22. Juni 1732 in Ainring bei Salzburghofen (Freilassing), damals Erzbistum Salzburg, heute Oberbayern; † 10. September 1811 in Wien) war ein Salzburger Bildhauer und ein Sprössling der Hagenauer-Dynastie.

Leben und Wirken

Johann Baptist wurde als fünftes von elf Kindern am elterlichen Aman(n)gut bei Strass geboren. Er war der Bruder der beiden Architekten Wolfgang (V.) und Johann Georg von Hagenauer. Als 20jähriger wurde Johann Baptist von seinem Onkel, dem vermögenden Salzburger Gewürzhändler Johann Lorenz Hagenauer, als bildhauerisches Talent entdeckt. Johann Lorenz Hagenauer (1712-1792) war der Eigentümer des Geburtshauses von Wolfgang Amadeus Mozart und als Kunstsammler, Mäzen sowie enger Freund der Familie Mozart bekannt. 1752 sandte Johann Lorenz seinen Neffen Johann Baptist zu Johann Georg Itzlfeldner nach Tittmoning, der damals als einer der besten Bildhauer und Schnitzer des Erzbistums galt. 1754 wurde Johann Baptist durch ein Stipendium des Erzbischofs Schrattenbach zur weiteren Fortbildung an die Wiener Akademie gesandt, wo er die Bildhauerklasse des Professors Jakob Christoph Schletterer (Leiter) besuchte. Bald sollte Johann Baptist auch einige Preise an der Akademie gewinnen. Noch im ersten Jahr erhielt Johann Baptist als besondere Auszeichnung des Rektors Paul Troger, die Erlaubnis einen Degen in der Akademie tragen zu dürfen.

Nach Abschluss seiner Ausbildung in Wien zum akademischen Bildhauer kehrte Johann Baptist 1759 nach Salzburg zurück. Bald darauf wurde ihm eine mehrjährige Studienreise nach Italien ermöglicht, die ihn vorerst an die Akademie nach Bologna führen sollte. Dabei wurde er sowohl von seinem vermögenden Onkel Johann Lorenz, als auch vom Salzburger Fürsterzbischof Sigismund III. Christoph Graf Schrattenbach persönlich unterstützt. An der Akademie in Bologna gewann Johann Baptist mehrere Preise, die Ehrenmitgliedschaft der dortigen Accademia Clementina, sowie die Ehrenbürgerschaft der Stadt Bologna. Zu Gute kam ihm, dass er fließend Italienisch und Französisch sprach und auch Latein beherrschte. Weitere Studien führten ihn schließlich nach Florenz und Rom, wo er auch mit dem deutschen Archäologen Johann Joachim Winckelmann und seinen Theorien Bekanntschaft geschlossen hatte.

1764 kehrte Johann Baptist mit seiner zukünftigen Frau, der florentiner Malerin Rosa Barducci (1744-1786), vielen Auszeichnungen und einer großen Sammlung von Abgüssen antiker Statuen nach Salzburg zurück. Erzbischof Sigismund Graf Schrattenbach machte ihn nach seiner Rückkehr zum erzbischöflichen Galerieinspektor. Bald darauf heiratete Johann Baptist Rosa Barducci-Hagenauer und wurde vom Fürsterzbischof zum Hofstatuarius sowie 1767 zum Hoftruchsess erhoben. Durch seine Standesbestätigung (von Hagenauer) hatte er das Recht „an der der Tafel der Edelknaben“ zu sitzen. Bald arbeitete er mit seinem inzwischen an der Wiener Akademie zum Architekten ausgebildeten älteren Bruder Wolfgang bei mehreren Projekten zusammen. Wolfgang als Architekt, Johann Baptist als Bildhauer und bereits 1771 scheinen Zeichnungen des in Ausbildung zum Architekten stehenden jüngsten Bruders Johann Georg auf.

 
Neutor in Salzburg
 
Modell einer Pieta im Salzburger Barockmuseum

Vor seinem Italienaufenthalt hatte Johann Baptist ja viele Kleinplastiken im Stil des Rokoko hergestellt. Von Italien zurückgekommen wagte er sich nun an große Plastiken, die jedoch zunehmend klassizistisch wurden. Er arbeitete mit seinen Brüdern gleichzeitig an zwei seiner Hauptwerke in Salzburg, der bilhauerischen Gestaltung beider Seiten des Sigmundstores (1767), sowie der Maria Immaculata am Domplatz (1766 - 1771). Nach dem Tod seines Gönners Graf Schrattenbach und dem Bruch mit dessen Nachfolger Hieronymus Graf Colloredo verließ er Salzburg und arbeitete nun in München und Wien. 1774 wurde er Leiter der Bildhauerklasse der Wiener Akademie, 1779 übernahm er zudem die dortige "Erzverschneiderklasse". 1791 gab er das Werk "Unterricht von der Proportion des Menschen" heraus, sowie 40 Hefte mit Ornamentstichen.

Johann Baptist schuf zudem auch folgende Altäre:

für die Schottenfelder Kirche in Wien,
für die Kirche Böckstein bei Bad Gastein,
für die Pfarrkirche Köstendorf,
für Pfarrkirche Mülln,
für die Stiftskirche Nonnberg

Auch mehrere Brunnen und Statuen im Schlosspark von Schönbrunn in Wien stammen von ihm. Der Vetter und Förderer von Johann Baptist Hagenauer und dessen Brüdern Wolfgang und Johann Georg von Hagenauer war neben dem wohlhabende Salzburger Kaufmann Johann Lorenz Hagenauer auch dessen Sohn Abt Dominikus Hagenauer.

Johann Baptist von Hagenauer starb 1810 in Wien, sein Tod wurde in der Wiener Zeitung kurz erwähnt: "Den 10. September in der Stadt. Herr Joh. v. Hagenauer, d. k. k. Akad. der bild. Künste Rath. d. Dir. u. Prof. der Gravierschule, alt 79 J. i. d. Wollzeile Nr. 913."

Weitere Fotos

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Literatur

  • Benedikt Pillwein: Biographische Schilderungen oder Lexikon Salzburgischer theils verstorbener theils lebender Künstler, Salzburg 1821
  • E. Tietze - Conrat: Johann Baptist Hagenauer, Sonderdruck a. d. JB d. KHI; Dr. Benno Filser-Verlag, Augsburg 1920
  • Adolf Hahnl, Das Neutor, Schriftreihe des Stadtvereins Salzburg, Verlag: Kulturgut der Heimat, Bd. 6, Hrsg. Ernst Ziegenleder, Salzburg 1977
  • Beatrix Hajós, Schönbrunner Statuen, 1773-1780; Böhlau Verlag Wien, 2004
  • Adolf Hahnl: Der Gurker, Passauer beziehungsweise Salzburger Architekt Johann Georg Hagenauer (1748 - 1835) in: Barockberichte 44/45 (2006): Die Hagenauer – Künstler, Kaufleute, Kirchenmänner im Salzburg der Mozartzeit, Salzburg 2006
  • Haslinger, Adolf, Mittermayr, Peter (Hrsg.): "Salzburger Kulturlexikon", Residenz Verlag, Salzburg-Wien-Frankfurt/Main 2001, ISBN 3-7017-1129-1


Weblinks