Max Leibetseder
Max Leibetseder (* 20. September 1917; † 12. November 2006)[1] war Direktor der Volksschule Morzg.
Aus seinem Leben
Volksschuldirektor im Salzburger Stadtteil Morzg war Leibetseder von 1970 bis in die 1980er-Jahre.[2]
Porträt
(1980)
Die Brille sitzt auf der Denkerstirn, am Ansatz des schlohweißen Haares. Naturverbundenheit hat das braungebrannte, gütige Gesicht geprägt. Das in schweren Zeiten erworbene Wissen um den Wert jeden Bissen Brotes drückt sich in Bescheidenheit aus. Ich sage: "Hätte ich dich benoten dürfen damals, als du in der Volksschule Nonntal mein Lehrer warst, du hättest einen römischen Einser bekommen". Er lächelt. Die Fältchen, die strahlenförmig von seinen Augenwinkeln ausgehen, vertiefen sich. Max Leibetseder (80), Direktor im Ruhestand, war den Hunderten Schülern, die er in 34 Berufsjahren unterrichtet hat, ein Kamerad. Sie spürten, daß er Kinder gern hat.
Stilblüte im Aufsatz über das Schirennen
In der Stube des Buchholzhofes in Kleingmain, der früher die erste Landwirtschaftsschule Salzburgs beherbergte, sitzen einander mehr als 40 Jahre "danach" der Herr Lehrer und sein Schüler gegenüber. Plaudern über die Biber, die im Bach, der den Leibetsederischen Garten durchfließt, ihren Damm bauen. Über Bassano, den Esel, der den Reitversuch des Schülers am nächsten Baumast beendet. Erinnern sich an das Schirennen, über das ein Schüler in seinem Aufsatz schreibt: "Oben hat der Herr Lehrer alle zwei Minuten einen fahren lassen, und unten hat ihn der Herr Winkler aufgefangen".
Der Esel Bassano und das treue Dienstpferd Satan
Eigentlich möchte der Gendarmen-Sohn Max, geboren am 20. September 1917, aufgewachsen im Kaiviertel, ja Forstwirtschaft studieren. Doch der Vater befiehlt: "Du wirst Lehrer!". Mit dem Hintergedanken, doch einmal auf die Hochschule gehen zu können, wählt der Schüler der Lehrerbildungsanstalt Latein als Freigegenstand. Der Zweite Weltkrieg durchkreuzt alle Pläne.
An der Front lernt Max Leibetseder Europa von Murmansk bis zum Elsaß kennen. Treuer Begleiter ist ihm das Dienstpferd Satan, ein "Schläger", ein "Beißer", der ihm eine Reichsmark Gefahrenzulage einbringt und den er sich mit gedörrten Zwetschken gefügig macht. Den Meldehund Rex läßt Hauptmann Leibetseder von einem Soldaten heim nach Salzburg bringen, wo ihn der treue Vierbeiner nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft so stürmisch begrüßt, "daß ich fast in den Bach gefallen bin".
Auch Bassano ist ein Mitbringsel aus dem Krieg. Einem Bauern im italienischen Ort Bassano di Grappa um 70 Reichsmark abgekauft, schafft Gefreiter "Ollo" Funke aus Tamsweg das Grautier in die Heimat, um es dem Vater seines Vorgesetzten zu übergeben. 1950 erlangt der Esel auf der Bühne des Landestheaters in Lehars Operette "Giuditta" Berühmtheit.
Das Zuhause der Leibetseders ist inzwischen der Buchholzhof, der den Schwestern Gattinger gehört. Vater Leibetseder handelt mit einer der drei alten Damen, die allein in dem viel zu großen Haus wohnt, eine Leibrente aus. Im Vertrag ist auch "täglich eine Forelle" festgeschrieben, die Max aus dem Hellbrunner Bach fischt.
In der Volksschule Nonntal tritt Max Leibetseder nach dem Krieg seinen ersten Lehrerposten an. Er bleibt bis 1969, dann wird er Direktor der Volksschule Morzg. Turnen, Lesen und Singen findet vorzugsweise in Wald und Flur statt. In der Morzger Schulchronik ist nachzulesen: "Seine eigene Liebe zur Natur vermag der Direktor an die Schüler weiterzugeben, dazu gehört nicht nur der Unterricht im Freien, sondern auch die Sensibilisierung für die Belange des Umweltschutzes". Leibetseder bekennt: "Heute bin ich froh, daß ich nicht in den Forst gekommen bin, wenn ich sehe, wie der Wald in Geld verwandelt wird."
Vorkämpfer der Bürgerinitiativen in Salzburg-Süd
Aus Liebe zur Natur, aber auch aus "Eigennutz" hat Max Leibetseder stets ein wachsames Auge auf die Hellbrunner Allee und die Landschaft von Salzburg-Süd. Legt sich mit Martha Weiser und Johannes Voggenhuber an, wenn er Anschläge auf Bäume oder Wiesen befürchtet: "Die wären so weit gegangen, alle Kastanien herauszuschneiden, nur weil in der Allee ursprünglich nur Eichen, Linden und Buchen standen; ein 80 m breiter Bauverbotsstreifen entlang der Allee wäre zum Überleben der Bäume viel zu schmal gewesen".
Garten beschäftigt den Pensionisten voll und ganz
Max Leibetseder erzwingt eine fachmännische Ausbildung der städtischen Baumschutztrupps in Heidelberg und die Freihaltung der Flächen zwischen Allee und Hellbrunner Bach. Unter seinem eigenen Dach geht die Sanierung äußerst behutsam vonstatten, die alten Türen und Fenster dürfen bleiben, auch wenns ein bisserl zieht.
Mit dem Übertritt in den Ruhestand bricht 1980 für Max Leibetseder "die schönste Zeit in meinem Leben" an. Die Arbeit im Garten füllt den ganzen Tag aus. Viele Obstbäume und vier Bienenvölker sind sich eines Freundes gewiß.
Quellen
- Salzburger Nachrichten, 24. Dezember 1994, Lokalteil S. VIII: Ein Lehrer mit lauter Einsern
Einzelnachweise
- ↑ Friedhöfe der Stadt Salzburg > Gräbersuche
- ↑ Artikel "Volksschule Morzg"
| Vorgänger |
Direktor der Volksschule Morzg 1970–1980 |
Nachfolgerin |