Ischlerbahn
Die Ischlerbahn fuhr zwischen 1891 und 1957 zwischen Salzburg und Bad Ischl im Salzkammergut.
"Zwischen Salzburg und Bad Ischl foahrt a kloane liabe Eisenbahn...", wie es in einem damals beliebten Lied hieß, heizte am 30. September 1957 zum letzten Mal ihre Dampfkessel an.
Geschichte
Im Jänner 1890 erhielt eine Salzkammergut-Lokalbahn-Aktiengesellschaft die erste Konzession. Das erste Teilstück Bad Ischl - Strobl wurde bereits am 5. August 1890 eröffnet. Im Juli 1894 war die gesamte Strecke bis Salzburg befahrbar. Insgesamt war die Bahn 66,9 Kilometer lang und die Trasse berührte nach Bad Ischl Strobl, St. Gilgen, Scharfling, Sankt Lorenz (nach Mondsee führte eine Stichbahn), Thalgau, Eugendorf und Salzburg.
Dass die Ischlerbahn eine Schmalspurbahn (760 mm Spurweite) wurde, ist auf das massive Drängen der damaligen Militärbehörde zurückzuführen, die die Spurweite der Heeresfeldbahn durchdrückte.
1917 erfolgte dann prompt der Zugriff des Militärs und es mussten fünf Lokomotiven für den Heeresbedarf abgegeben werden, 1918 noch eine sechste, so dass der Fuhrpark in der Republik schon arg zusammengeschmolzen war.
Wenn auch die junge Republik bescheidene Zuschüsse für den Betrieb der Bahn gewährte, viele Jahre lang blieb das Bähnle doch ein Gegenstand wilder Spekulation. Von 1919 bis 1925 waren eine bayerische Kapitalgruppe, dann sogar eine rumänische Bankengruppe Herren der Ischlerbahn. 1931 ging sie schließlich in den Besitz des Engländers Bennet über. Keiner dieser Betreiber hatte Interesse an längst nötigen Ausbauarbeiten.
Die Gründer der Bahn gingen davon aus, dass die romantische Trasse auf jeden Fall eine starke Bereicherung des Fremdenverkehrs im Salzkammergut darstellen würde. Zunächst ging auch diese Rechnung auf, denn die Bahn führte durch eine herrliche Landschaft. Sechs Tunnels und 24, zum Teil recht kühne Brücken unterstrichen den teils gebirgigen Charakter der Trasse.
Mit der Zunahme der Motorisierung wurde die Frequenz der Bahn, soweit es den Fremdenverkehr betraf, geringer. Inzwischen aber hatte sich die Ischlerbahn zu einem wichtigen sozialen Faktor entwickelt. Sie wurde für Schüler und Pendler ungemein wichtig. Aber auch wirtschaftlich war sie zum Holztransport und zur Versorgung der Landwirtschaft und er Kurgemeinden interessant geworden. Im letzten Jahr des Vollbetriebs, 1956, beförderte die Bahn über 800.000 Personen zu wesentlich günstigeren Tarifen als die Autobusse.
1945 ging die Bahn in den Besitz der Bundesländer Oberösterreich (ein Drittel) und Salzburg (zwei Drittel) über. Die Bevölkerung hoffte, dass damit die Jahrzehnte lange Verlotterung der kleinen, aber wichtigen Bahn ein Ende habe. 1946 wurde auch bei einer Pressekonferenz in Salzburg stolz verkündet, dass nun die Bahn ausgebaut würde. Material sei schon beschafft worden und die Elektrifizierung werde großzügig bald in Angriff genommen.
Später war auch schon von einem Millionen ERP-Kredit die Rede. Der Kredit tauchte aber nie auf und von einer Erneuerung war später nicht mehr die Rede. Dafür wurde schon 1950 von einer möglichen Stilllegung gesprochen. Die Straßen- und Auto-Lobby begann sich allmählich durchzusetzen, begünstigt durch die Landesregierungen und Landtage von Oberösterreich und Salzburg.
Die Modernisierung der Lokalbahn hätte rund 30 Millionen Schilling (rund 2,2 Mio Euro) gekostet. Die beiden Bundesländer aber wollten diese relativ kleine Investitionen nicht tragen. Dabei musste man 1957 schon genau wissen, dass die Zeit herankommt, in der es notwendig ist, die Straßen mit allen Mitteln zu entlasten.
Die Bevölkerung im Einzugsbereich der Bahn hat sich mit großer Zähigkeit gegen die Schließung der Bahn gewehrt. Es wurden über 70.000 Unterschriften gegen die Schließung gesammelt. Aber im September 1957 kam dann das endgültige Aus.
In jüngster Zeit gibt es wieder Projekt, die eine Revitalisierung der Bahn im Auge haben.
Weblinks
- OÖ KPÖ, Franz Kain, der seinerseits als Quelle angibt: Mostschädelzeitung 1996