Gérard Mortier

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Gérard Alfons August Mortier (* 25. November 1943 in Gent, Belgien; † 8. März 2014) war ein belgischer Opern- und Theaterintendant und ehemaliger künstlerischer Leiter der Salzburger Festspiele.

Gérard Mortier

Mortier und Salzburg

1991 wurde Mortier zum Intendanten und künstlerischen Leiter der Salzburger Festspiele berufen. Das Amt bekleidete er von 1992 bis 2001. Eine Findungskommission unter der Leitung des späteren Finanz- und Konzertchefs Hans Landesmann hatte ihn als Intendant für die Spitze der Salzburger Festspiele vorgeschlagen, weitblickendere, wagemutigere Politiker als heute (2014) haben ihn berufen und ihm vertraut.

Er sollte die Festspiele einem jüngeren Publikum erschließen und das Festival programmatisch auf das 21. Jahrhundert vorbereiten. Was er auch tat, denn unter seiner Ära erlebten 25 Opern des 20. Jahrhunderts, z. B. Ulisse von Luigi Dallapiccola (* 1904; † 1975), ihre Aufführung in der Stadt Salzburg.

Mortier musste und wollte Reformeifer entwickeln, um diese Festspiele aus der mehr und mehr versteinernden Epoche Herbert von Karajans in die Gegenwart zu führen - wobei dieses Bestreben gerne missverstanden wurde. Nicht von ungefähr rückte er, beispielsweise, von Anfang an das Schauspiel durch die Verpflichtung von Peter Stein ins Zentrum, verhalf ihm eine Aufmerksamkeit, die dieses nie zuvor hatte. Selbst die späteren Verwerfungen können diesem Rang in der Rückschau nichts anhaben.

Er galt als streitbar, unbequem und bewusst provozierend.

Auszeichnungen

u. a.

Rückblick

Der ehemalige Intendant der Salzburger Festspiele, Gerard Mortier, der an Krebs erkrankt war, war Anfang März 2014 im Alter von 70 Jahren gestorben.

Der quirlige Mortier, der vier Sprachen beherrschte, hat über Jahrzehnte die europäische Opern- und Konzertlandschaft entscheidend geprägt und war dabei nie ein Mann der Kompromisse. Schon in seiner Intendanz der Salzburger Festspiele hatte er das Festival vom Staub des alten Karajan befreit und dabei einen Teil des konservativen Publikums vor den Kopf gestoßen. Immer zu verbalen Bissigkeiten bereit, legte sich das enfant terrible der europäischen Kulturszene mit der Salzburger Kulturprominenz ebenso an wie mit der österreichischen Politik.

Und auch an seiner letzten Wirkungsstätte, dem Teatro Real in Madrid (Spanien), endete das Engagement nicht friktionsfrei: Mortier bestand darauf, bei der Auswahl seines Nachfolgers im Amt des künstlerischen Direktors mitzureden. Die Verantwortlichen setzten den Belgier jedoch ab, obwohl dessen Vertrag noch lief. Letztlich arrangierte man sich jedoch, und Mortier diente dem Haus unter dem neuen Chef Joan Matabosch forthin als Berater, auch wenn er da aufgrund seines Krebsleidens bereits sichtlich abgemagert war.

Zur Welt gekommen war Mortier am 25. November 1943 im belgischen Gent als Sohn eines Bäckers. Er besuchte die Jesuitenschule und studierte dann Jus an der Genter Universität, wo er 1967 promovierte. Von 1968 bis 1972 war er persönlicher Referent des Direktors des Flandern-Festivals. Mortier lud damals auch zum ersten Mal die Wiener Philharmoniker nach Flandern ein. Von 1973 bis 1977 war er stellvertretender Operndirektor der Städtischen Bühnen in Frankfurt am Main, wo er eng mit Christoph von Dohnanyi zusammenarbeitete.

Von 1977 bis 1979 war der Belgier künstlerischer Betriebsdirektor der Staatsoper Hamburg, von 1979 bis 1981 hatte er dieselbe Funktion am Theatre national de l'Opera Paris inne. Von 1981 bis 1985 war Mortier Direktor der Brüsseler Oper Theatre royal de la Monnaie. Nach seiner Salzburger Intendanz übernahm er 2002 die Leitung der Ruhr-Triennale, 2004 zog er als Chef in die Pariser Opernhäuser Bastille und Garnier ein.

Nach Madrid kam Mortier 2010 eigentlich per Zufall. Er hatte damals von Paris nach New York wechseln wollen, verzichtete dann aber auf den Posten in den USA, weil die City Opera ihr Budget drastisch kürzen musste - und wohl auch, weil er mit seinem geplanten Programm beim Aufsichtsrat der Oper auf Kritik stieß.

Kurioserweise musste bald auch sein Teatro Real Abstriche machen - und doch gelang es Mortier, ein einstmals verschlafenes Haus mit spannenden Produktionen wie der Philip-Glass-Uraufführung The perfect American, der Michael-Haneke-Regie Cosi fan tutte oder mit der Opernversion der schwulen Liebesgeschichte Brokeback Mountain in die vordere Reihe der europäischen Opernhäuser zu hieven.

Weiterführend

Für Informationen zum Thema Gérard Mortier, die über den Bezug zu Salzburg hinausgehen, siehe zum Beispiel den Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum selben Thema.

Weblink

Quellen

Zeitfolge
Vorgänger

Herbert von Karajan

Intendant der Salzburger Festspiele
1991–2001
Nachfolger

Peter Ruzicka