Tauern-Tunnel (Tauern Autobahn)
Der Tauerntunnel ist ein Straßentunnel auf der Tauernautobahn (A 10), der die Radstädter Tauern auf einer Länge von 6.765m (inkl. Vorportal) durchquert.
Geschichte
Anfang der 1970er Jahre wurde mit dem Bau des Tauerntunnels zwischen Flachauwinkl (Pongau) und Zederhaus (Lungau) begonnen. Am 19. Jänner 1974 erfolgte der Durchschlag und am 21. Juni 1975 die Verkehrsfreigabe für den rund 44 km langen Abschnitt von Eben im Pongau bis St. Michael im Lungau, in dessen Bereich der Tunnel fällt. Zwar wurden auf beiden Seiten des Tunnels auch Portale für eine zweite Tunnelröhre bis zu 60m in den Fels vorangetrieben, der Tauerntunnel blieb aber, vor allem auch aus Angst vor dem hohen Verkehrsaufkommen, vorerst eine Sparvariante mit Gegenverkehr und wechselweisen Anhaltungen (Blockabfertigung) an verkehrsreichen Tagen.
Am 29. Mai 1999 ereignete sich im Tauerntunnel ein folgenschwerer Auffahrunfall. Um 4.50 Uhr Nachts prallt ein LKW, der Stückgut aus Italien nach Norden bringen soll, 800 Meter vor dem Nordportal mit mindestens 50 km/h auf eine vor der Baustellenampel stehende Kolonne von 13 Fahrzeugen. Ein PKW wird 25 Meter mitgeschliffen, der Tank aufgerissen, ein Brand entsteht. Drei weitere Autos werden zermalmt und unter einen mit 24.000 Dosen Spraylack beladenen Laster geschoben, eines bis auf 40 Zentimeter zusammengequetscht.
Ausfließender Treibstoff führt zu Explosionen. Eine bis zu 1200 Grad heiße Feuerwalze rollt durch die Betonröhre. Die zehneinhalb Tonnen Spraydosen sind in ihrer Hitzeentwicklung dem Jahresbedarf von drei Einfamilienhäusern gleichzusetzen, aber nicht über sechs Monate verteilt, sondern in Sekundenschnelle. Der Brand breitet sich auf eine Länge von 400 m Richtung Norden und 700 m Richtung Süden aus.
Die Zwischendecke stürzt teilweise ein. Dutzende Menschen rennen um ihr Leben. Das Rote Kreuz setzt 181 Sanitäter und Ärzte ein. Die Feuerwehr Zederhaus rettet drei Menschen kilometerweit bis zum Südportal. Beim Nordportal werden weitere 46 Verletzte abtransportiert. 21 Menschen gelangen dort unverletzt ins Freie.
Um 21.45 Uhr heißt es "Brand aus". 248 Feuerwehrleute von 15 Freiwilligen Wehren leisteten 2432 Einsatzstunden. Zuerst geht man von einem Toten aus, fünf Tage später ist aber klar, dass der Unfall 12 Tote gefordert hat: Acht Menschen sterben in den Wracks direkt nach dem Aufprall des LKWs - ein Kärntner, zwei Bosnier und eine fünfköpfige Familie aus Reutlingen in Deutschland. Vier Leute begingen in Panik tödliche Fehler. Ein Ehepaar aus Belgien bleibt im Auto sitzen, ein Grieche steigt zu ihnen in den Mercedes. Ein Deutscher erstickt auf der Flucht vor dem Feuer. 49 weitere Menschen werden verletzt.
Am 4. Juni sind alle Wracks, 16 LKW und 24 PKW, geborgen. Vier Wochen nach dem Inferno schließen Gerichtsmediziner am 23. Juni die Identifizierung der Opfer ab.
Unmittelbar nach dem Unfall verspricht die Politik wieder einmal den Bau einer zweiten Tunnelröhre, Lungauer Bürgerinitiativen warnen weiter vor der zu erwartenden Verkehrslawine. Diesmal setzt sich die Politik durch. Am 15. September 2006 erfolgt der Anstich für die zweite Tunnelröhre. Den betroffenen Gemeinden im Lungau wird ein umfassender Lärmschutz entlang der gesamten Strecke der A 10 durch das Zederhaustal versprochen.
Zahlen
| 1.Tunnel | 2. Tunnel | |
| Länge (inkl. vorportal) | 6.765m | 6.546m |
| Fahrbahnbreite | 7,50m | 7,50m |
| Fahrbahnbelag | Betondecke | Betondecke |
| Lichte Höhe | 4,70m | 4,70m |
| Gesamtausbruch | ca. 1.000.000 m³ |
Die beiden Tunnel werden mit 3 befahrbaren und 17 begehbaren Querschlägen, sowie mit 6 Einsatzquerschlägen verbunden, um im Notfall eine Flucht aus der einen in die andere Tunnelröhre zu ermöglichen.
Der Durchschlag der zweiten Tunnelröhre ist für das Frühjahr 2009 geplant, im Herbst 2010 soll sie für den Verkehr freigegeben werden, gleichzeitig beginnt aber die Sanierung der ersten Tunnelröhre. Nach Abschluss dieser Bauarbeiten soll der Tauerntunnel ab Juni 2011 ohne Gegenverkehr befahrbar sein.
In der Arbeitsbeschreibung schreibt die ASFINAG zum Thema Kosten: Die geschätzten Netto-Gesamtkosten für die "2. Röhre Tauerntunnel – Talröhre" inklusive notwendiger Grundeinlösen, Planung, Bau und Projektmanagement betragen ca. 195 Mio. Euro. Die Sanierungskosten für die "1. Röhre – Bergröhre" betragen aus heutiger Sicht ca. 21 Mio. Euro. Insgesamt kann somit von ca. 216 Mio. Euro Netto-Gesamtkosten ausgegangen werden. (Stand Oktober 2006).[1]
Weitere 300 Mio Euro werden bis 2020 zwischen Hüttau (Pongau) und Seeboden (Kärnten) in den Bau von Umweltentlastungsmaßnahmen wie Einhausungen und Einschüttungen, eine Autobahnverlegung im Bereich Zederhaus oder die Anschüttung von Lärmschutzdämmen fließen.
Baufortschritt
Auf der nördlichen Seite in Flachauwinkel mussten sich die Bagger zu Beginn der Arbeiten etwa 430 Meter weit durch die so genannte Hangschuttstrecke plagen: Über Millionen von Jahren hat die Erosion dafür gesorgt, dass sich am Fuß des Berges Material angesammelt hat. Mehr als 400 Meter dick ist diese Schicht. Das lockere Material zu durchwühlen, gleichzeitig dahinter Tunneldecke und Tunnelwand zu fixieren, das ist viel Arbeit und kostet vor allem aus Sicherheitsgründen viel Zeit. Nur 1 bis 2,7 Meter pro Tag waren dabei möglich. Das hat zu einer Verzögerung von etwa 50 Tagen gesorgt.
Ende Februar 2007 wurde aber der Fels erreicht. Seither geht es gut voran, so gut, dass die verlorene Zeit langsam wieder aufgeholt wird. 7 bis 7,5 Meter Vortrieb pro Tag schaffen die Arbeiter nun. Die täglich anfallenden 500 bis 600 Kubikmeter Material (etwa 60 Lkw-Fuhren) werden zur Deponie in den Talboden von Flachauwinkel gebracht.
Das Material wird später wieder verwendet: Etwa 250.000 Kubikmeter für die Aufschüttung im Bereich der Raststation, die völlig neu gebaut wird, 150.000 Kubikmeter für Dammschüttungen in diesem Bereich sowie etwa 100.000 Kubikmeter für Lärmschutzmaßnahmen im Pongau-Teil der Tauernautobahn-Scheitelstrecke.
Im Süden der Baustelle im Gemeindegebiet von Zederhaus sind die Mineure bereits 900 Meter im Berg. Die gute Geologie des Berges erlaubt es hier, dass pro Abschlag 1,70 Meter tief vorangetrieben werden kann. Das sind 8,5 bis 9 Meter pro 24 Stunden.
Sämtliches Material - 60 bis 70 Lkw-Fuhren pro Tag - wird auf einer Deponie im hinteren Zederhaustal zwischengelagert. In Summe werden das 400.000 Kubikmeter sein. Das Material wird später für den Bau der Umweltschutzmaßnahmen in und rund um Zederhaus benötigt.
100 Arbeiter sind derzeit für diesen Tunnelbau beschäftigt, 70 davon direkt im Vortrieb auf beiden Seiten.
Quelle
- Salzburger Nachrichten
- Pongauer Nachrichten
- Lungauer Nachrichten
- ASFINAG