Villa Ferch-Erggelet
Die Villa Ferch-Erggelet befindet sich in der Landeshauptstadt am Fuße des Kapuzinerberges am Äußeren Stein. Sie zählt zu den denkmalgeschützten Objekte in der Stadt Salzburg.

Name
Ursprünglich hieß das Gebäude Palais Neustein; aufgrund seiner späteren Nutzung auch Lederfabrik Zezi oder Lederfabrik Neustein. Erst seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist der Name Villa Ferch-Erggelet in Gebrauch. Seit etwa 2020 nennt der heutige Besitzer Christoph Ferch sich wieder Palais Neustein.
Geschichte
Die schlossartige Villa Ferch-Erggelet, ein herrschaftliches und ansehnliches Gebäude am Beginn der Arenbergstraße in der Stadt Salzburg, wurde 1596 das erste Mal urkundlich erwähnt und zum Gut Bürglstein gehörte. 1783 erwarb es Christian Ignaz Zezi, der Besitzer des Zezihauses im Haus Getreidegasse Nr. 5 und der chemischen Firma Jos.Ant.Zezi, gekauft. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Vital Schwendtner ließ er an der Stelle von Hofbaumeister Georg Laschensky eine Lederfabrik weitgehend neu erbauen und dabei auch erweitern.
Dieses schlossartige Gebäude war ganz anders, als man sich Fabriken heute und im 19. Jahrhundert vorstellte. Der Salzburger Historiker Lorenz Hübner schrieb dazu, dass es "vom jenseitigen Gestade des Salzachstroms einen sehr gefälligen Anblick" biete.[1]
Die Salzach reicht nach einer Regulierung im 19. Jahrhundert nicht mehr an die Liegenschaft heran. Das bedeutete auch das Aus für die Lederfabrik, in der um 1800 um die 1 200 Rind- und Kalbslederhäute verarbeitet wurden.
In den Folgejahren hatte das Anwesen wechselnde Besitzer, bis 1886 Max Freiherr von Erggelet das Gebäude kaufte und in ein Stadtpalais umbauen ließ. Er erwarb die Holztäfelungen aus einem Schloss nahe Nürnberg, die noch heute im Palais erstrahlen und für Hochzeiten genutzt werden. Die beiden holzvertäfelten Räume und ein Gewölbe zeigen den klassizistischen Stil. Es gibt 96 Außenfenster.
Das Gebäude mit knapp 900 Quadratmetern Fläche nicht mehr nur privates Wohngebäude für seinen aktuellen Besitzer. Große Teile im Erdgeschoß werden mitsamt dem herrschaftlichen Garten zu größeren Empfängen, Banketts oder Konzerten vermietet.
Der Garten mit dem romantischen Rosenbogen ist zu einer Außenstelle des Standesamtes der Stadt Salzburg geworden. Immer wieder wird der Besitz für Dreharbeiten gebucht, etwa für die Krimiserie "Die Toten von Salzburg". Zudem gehört auch die Geschäftszeile an der Imbergstraße zum Besitz, mit insgesamt 13 Geschäftslokalen.
Familie Ferch
Elisabeth Ferch, geborene Gräfin Coreth-Erggelet, war eine von zwei Adoptivtöchtern von Marianne Baronin Erggelet, der Tochter von Max Erggelet. Diese war kinderlos und hat darum die beiden Frauen adoptiert. Sie war die Mutter von Christoph Ferch, der noch drei Geschwister hat. Alle vier leben in der Villa.
Ferch und Karajan
Ferchs Großtante Marianne Erggelet hat der Villa Erggelet, wie sie damals hieß, übrigens den glamourösen Touch gegeben. Anfangs sei sie kaum in Salzburg gewesen, stattdessen habe sie Weltreisen unternommen. Später habe sie in dem Haus an der Arenbergstraße den legendären Tea Room eingeführt. Zu den Gästen zählten Max Reinhardt, Hugo von Hofmannsthal, Richard Strauss und Herbert von Karajan. Der war schon als Kind häufig bei "„Tante Marianne" zu Gast, kletterte mit seinem Bruder Wolfgang im 5&nbps;500 Quadratmeter großen Garten auf Bäume.
Bilder
- Villa Ferch-Erggelet – Sammlung von weiteren Bildern, Videos und Audiodateien im SALZBURGWIKI
Weblink
- Lage auf www.openstreetmap.org
Quellen
- Herbert Klein: 340 Jahre Jos. Ant. Zezi. (1610–1950); 125 Jahre Familie Arrigler-Haagn (1825–1950), hrsg. zum 10. Oktober 1950 von d. Firma Jos. Ant. Zezi. [Verf. d. histor. Teiles: Herbert Klein], Salzburg, 1950
- Lorenz Hübner: Beschreibung der hochfürstlich-erzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt Salzburg und ihrer Gegenden; verbunden mit ihrer ältesten Geschichte. Verlag des Verfassers. Salzburg 1792. (siehe hier)
- Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia zum Thema "Villa Ferch-Erggelet"
- www.neustein.at/palais-neustein/, abgefragt am 18. Juli 2021
- sn.at, 14. April 2026: Zu Gast in der schönsten "Fabrik" des Landes: Heute wird dort gerne geheiratet
Einzelnachweis
- ↑ zitiert nach Herbert Klein, 340 Jahre Jos. Ant. Zezi. (1610–1950); 125 Jahre Familie Arrigler-Haagn (1825–1950) / hrsg. zum 10. Oktober 1950 von d. Firma Jos. Ant. Zezi. [Verf. d. histor. Teiles: Herbert Klein], Salzburg, 1950 S 42) gewährt.