Hotel Münchnerhof: Unterschied zwischen den Versionen
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Der Tod seiner Frau betraf Hofinger sehr. Sie hatte dreißig Jahre an seiner Seite mit ihm gearbeitet. Im Jahre 1929 wandte er sich an seinen Cousin, Michael Schwediauer in Wien, und bat, daß er seine jüngste Tochter Fini nach Salzburg schickt, um ihm beim Hotelbetrieb zu helfen. Fini hatte eine sehr gute Schulausbildung und absolvierte an der Wiener Handelsakademie. Sie konnte fließend Englisch und Französisch sprechen und schreiben, stenographieren, und mit der Schreibmaschine schreiben; auch konnte Sie andere Büromaschinen bedienen. Sie war gescheit, talentiert und hatte einen wunderbaren Frohsinn. Sie war sehr beliebt bei allen Gästen, wie auch beim Hotel Personal. | Der Tod seiner Frau betraf Hofinger sehr. Sie hatte dreißig Jahre an seiner Seite mit ihm gearbeitet. Im Jahre 1929 wandte er sich an seinen Cousin, Michael Schwediauer in Wien, und bat, daß er seine jüngste Tochter Fini nach Salzburg schickt, um ihm beim Hotelbetrieb zu helfen. Fini hatte eine sehr gute Schulausbildung und absolvierte an der Wiener Handelsakademie. Sie konnte fließend Englisch und Französisch sprechen und schreiben, stenographieren, und mit der Schreibmaschine schreiben; auch konnte Sie andere Büromaschinen bedienen. Sie war gescheit, talentiert und hatte einen wunderbaren Frohsinn. Sie war sehr beliebt bei allen Gästen, wie auch beim Hotel Personal. | ||
| − | Der New Yorker Börsensturtz im Oktober 1929 hatte sich auch in Europa bemerkt gemacht. Wenig Gäste stiegen ab, daher waren die Einkünfte gering und das Personal mußte eingeschränkt werden um Geld zu ersparen. Fini war überall am Mann: in der Rezeption, im Büro, sie übersah die Wäscherei und das Dienst Personal. Am meisten hat sie aber als Küchenkassiererin fungiert. Am 2. Oktober 1933 haben Fini und Rudolf geheirat. Fini arbeitete lange Stunden, manchmal bis 2 Uhr morgens, alles ohne Gehalt. Sie war unermüdlich und treu und hat nie geklagt. Sie hat sich nie Freizeit genommen, weil der Münchnerhof und ihr Schwiegervater sie brauchten. Mit wenig Geld hat sie die Fremdenzimmer geschmacklich | + | Der New Yorker Börsensturtz im Oktober 1929 hatte sich auch in Europa bemerkt gemacht. Wenig Gäste stiegen ab, daher waren die Einkünfte gering und das Personal mußte eingeschränkt werden um Geld zu ersparen. Fini war überall am Mann: in der Rezeption, im Büro, sie übersah die Wäscherei und das Dienst Personal. Am meisten hat sie aber als Küchenkassiererin fungiert. Am 2. Oktober 1933 haben Fini und Rudolf geheirat. Fini arbeitete lange Stunden, manchmal bis 2 Uhr morgens, alles ohne Gehalt. Sie war unermüdlich und treu und hat nie geklagt. Sie hat sich nie Freizeit genommen, weil der Münchnerhof und ihr Schwiegervater sie brauchten. Mit wenig Geld hat sie die Fremdenzimmer geschmacklich ausgestattet. Fini liebte die Kunst, speziell die Musik. Sie selbst konnte wunderbar Klavier spielen. Ihre charmante Gastfreundlichkeit brachte viele Gäste ins Haus, die oft als Stammgäste zurückkehrten. Jedes Jahr sind viele Festspiel Künstler abgestiegen, darunter war der bekannte Opernsänger Richard Mayer ein regelmäßiger Gast. Auch andere Persönlichkeiten von den Salzburger Festspielen sind abgestiegen, wie Dirigenten, Schauspieler, Opernsänger und Bühnenbildner. |
Im Jahre 1938 wurde sie mit Brustkrebs diagnosiert. Sie hatte mehrere Operationen in Wien, München und Salzburg, aber sie konnte nicht gerettet werden. Jedes Mal wenn sie vom Spital zurueckkam sah sie blässer aus, aber sie hat weiter an der Küchenkasse gearbeitet, so lange es möglich war. Mit großer Traurigkeit wurde sie am 30. Oktober 1940, an Ihrer Tochter Liselotte's 4. Geburtstag, zu Grabe getragen. Die halbe Stadt Salzburg nahm an ihrem Begräbnis teil. Sie war nur 39 Jahre alt. | Im Jahre 1938 wurde sie mit Brustkrebs diagnosiert. Sie hatte mehrere Operationen in Wien, München und Salzburg, aber sie konnte nicht gerettet werden. Jedes Mal wenn sie vom Spital zurueckkam sah sie blässer aus, aber sie hat weiter an der Küchenkasse gearbeitet, so lange es möglich war. Mit großer Traurigkeit wurde sie am 30. Oktober 1940, an Ihrer Tochter Liselotte's 4. Geburtstag, zu Grabe getragen. Die halbe Stadt Salzburg nahm an ihrem Begräbnis teil. Sie war nur 39 Jahre alt. | ||
Version vom 17. August 2011, 21:32 Uhr
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Der hier beschriebene Betrieb oder die Einrichtung existiert in dieser Form nicht mehr. Dieser Beitrag beschreibt die Geschichte. |
Das Hotel und Pension Münchnerhof ist ein nicht mehr existierendes Unternehmen in der Salzburger rechtsseitigen Altstadt.
Lage
Dieses Fremdenverkehrsunternehmen befand sich an der Dreifaltigkeitsgasse. Noch heute kann man allerdings den Namen Münchnerhof am Eingang zum Gebäude lesen.
Geschichte
1900 hatte Michael Hofinger bereits die Häuser Dreifaltigkeitsgasse 3 und Lederergasse 8, erworben. Diese hatte er mit großen geliehenen Geldsummen im Jahre 1912 renoviert. In 1917 ging das ehemalige Schlammbräu Lederergasse 10 bankrott und Hofinger kaufte dieses von der Stieglbrauerei. Dieses Haus wurde erstmals im Jahre 1431 urkundlich verzeichnet und wurde genannt 'Haus am Eck in der Ledrergassen'. Der spätere Besitzer Georg Payr Metzger (1722) nannte es Zum Roten Ochsen oder Bauernjodl Haus.
Zwischen diesen Gebäuden gab es einen Pferdestall, der abgerissen wurde, so dass die anderen Häuser mit dem Haus Lederergasse 10 verbunden werden konnten. Als letztes kaufte Hofinger das Haus Lederergasse 6 und im Jahre 1922 wurde wiederum eine Renovierung vorgenommen und die Küche wurde zentralisiert. Der verschachtelte Häuserblock hatte nur wenige Fenster, die auf ein oder zwei dunkle Innenhöfe gingen und nur wenig Tageslicht auf die unteren Stockwerke zuließ. Deswegen wurde die Küche mit einem Glasdach ausgestattet. Der Rest der Häuser blieb nach wie vor unattraktiv und dunkel.
Es war klar, dass eine radikale Renovierung vorgenommen werden mußte. Hofinger beauftragte einen Architekt neue Pläne zu zeichnen. Mit keinem Vorschlag war er zufrieden. "Man müsste die Mitte sprengen und von vorne anfangen" sagte Hofinger. Der Architekt erklärte, dass ein solcher Vorgang unmöglich sei, seinem Wunsch nachzukommen. Hofinger akzeptierte diese Antwort nicht. Er wollte das beste und modernste Hotel in ganz Salzburg bauen. Es sollte das höchste Niveau der Hotellerie darstellen. Die unüberwindlichen Schwierigkeiten sollten seinen Arbeitseifer und Unternehmungsgeist nicht hemmen. Hofinger war ein Pionier und sein neues Hotel wurde ein Beispiel der Innovation.
Die Bauarbeiten begannen im Herbst 1927. Von einem Anbau konnte keine Rede sein, denn der bestehende Grundriss diktierte, dass nur eine Änderung innerhalb des bestehenden Gebäudes möglich war. Vom Keller bis zum Dach wurde die Mitte des Hauses mit Dynamit teilweise implodiert. Mühsam wurden die restlichen Wände von vielen Arbeitern mit der Hand abgerissen und die Trümmer mit Schubkarren entfernt. Manchmal waren da 80 bis 130 Arbeiter mit den Arbeiten beschäftigt, die fast durchwegs von Salzburger Firmen ausgeführt wurden.
Hofinger's Idee war, einen Lichtschacht zu bauen, der vier Stockwerke, mit einem aus schwerer dunkler Eiche gezimmerten Treppenhaus und Gelände auf vorspringenden Trägern rundum jeden Stock, hundert neue Hotelzimmer zugänglich machen sollte. Von jedem Stock hatte man einen fantastischen Blick auf das elegante Foyer mit dessen eichengetafelten Wänden und verzierten Fries. Oben wurde eine riesiges Glasdach installiert, wovon ein prächtiger Kristallluster herunter hing. Jedoch war dieser Luster nie elektrisch verbunden.
AB 1928 hießen die vier Gebäude nun Hotel Münchnerhof, zuvor nannten sich die beiden Häuser, die Hofinger 1900 erworben hatte Gasthof Münchnerhof. Wobei das Stammhaus das Haus an der Lederergasse Nr. 10 war.
Michael Hofinger war sehr beliebt bei seinen Gästen und Freunden. Täglich um 10 Uhr vormittags gab es 'a Jausn', wozu er den feinsten Speck aus Oberösterreich und Wein aus Südtirol servierte. Darum haben ihn seine Freunde dann liebevoll 'Speckmichl' genannt.
Auf alten Bildern in einer Broschüre, die in Französisch geschrieben ist, die vermutlich erst aus dem Jahre 1928 stammen, erkennt man verschiedene Räume: das Lesezimmer, das große Speisezimmer, ein Badezimmer, ein Zweibettzimmer und das Vestibül. Zu erkennen ist auch ein elegantes Bad mit Dusche, Waschbecken und Klo.
Das Hotel Münchnerhof war eines der ersten Häuser in Salzburg, das einen elektrischen Aufzug hatte. Dieser lief auf Magnetspulen und musste händisch mit einen Hebel in Bewegung gesetzt werden. Das Innere der Kabine war elegant mit Eichentäfelung ausgestattet, hatte eine Sitzbank und einen Spiegel über die rückwärtige Wand. Das ganze Haus wurde durch Zentralheizung gewärmt. Hofinger ließ eine teure Entlüftungsanlage mit Delbag-Filtern einbauen, so da alle Gesellschaftsräme und Speisesäle stets gefilterte reine Luft ohne Zugluft zuführte, und den Rauch und Speisedämpfe absaugte. Jedes Zimmer hatte fließendes kaltes und warmes Wasser. Jedes Zimmer hatte ein Telefon und Lichtsignal. Dieses verständigte das Servier Personal, daß der Gast Bedienung wünscht.
Die Gästezimmer im ersten Stock waren besonders elegant. Um jeglichen Lärm zu dämpfen waren die Türen ledergepolstert, besteckt mit Messingnagelköpfen. Innen gab es eine kleine Waschanlage und eingebauten Kleiderschrank. Einige Zimmer hatten Vollbad. Es gab auf jedem Stock gemeinsame Badezimmer für jene Zimmer, die kein Vollbad hatten.
Um das schöne Stadtpanorama zu genießen konnte man im Sommer mit dem Lift auf die Dachterrasse kommen und dort speisen. Es gab Tische mit Sonnenschirmen und getöpfte kleine Bäume, sowie Spalier mit Efeu bedeckt und blühende Kletterpflanzen, die einen Garten darstellten.
Die Wäscherei befand sich auf dem fünften Stock. Zwei massive Heizkessel besorgten heißes Wasser für die beiden Waschmaschinen. Nach dem Waschen wurde die Bettwäsche und Handtücher in eine Schleudermaschine (Zentrifuge) gegeben um das meiste Wasser zu entfernen, denn es gab keine Trockenmaschine. Alles mußte auf Stricke zum Trocknen aufgehängt werden. In einem anderen Raum befand sich die Bügelmaschine. Zwei riesige gepolsterte Rollen liefen gegeneinander um die Wäsche zu glätten.
Um mehr Speisegäste anzulocken, stellte Hofinger intrigante kulinarische Menüs zusammen. Er hat sich eine Druckmaschine angeschaft, womit er die täglich erneuerte Speisekarte druckte und in ein beleuchtetes Fensterkasterl am Hoteleingang ausstellte. Es gab gebackenen Ungarischen Fogos, Bachforelle blau, Filet Mignon, Chateaubriand, Herrenpilze, Champignons, das all-beliebte Wiener Schnitzerl, Schweinebraten mit Sauerkraut und Semmelknödeln, Leberknödelsuppe und Fridattensuppe. Als Nachspeise gab es eine 7-stöckige Dobostorte, Sachertorte mit Schlag, Linzertorte oder Walderbeeren mit Schlag. Für die weniger anspruchsvollen einheimischen Bürger gab es billige Hausgerichte, wie Hirn mit Ei, Beuschl mit Knödel oder heißen Leberkäse mit Kartoffelsalat.
Nach sieben Monaten Umbau, der das Eröffnen um ein Monat verzögerte wegen eines Arbeiterstreikes, wurde am 30. Juni 1928 die große Wiedereröffnung des Hotel Münchnerhof's gefeiert. Alle Besucher waren sehr beeindruckt über Hofinger's neuen Betrieb, so sehr, daß mehrere Salzburger Hotelbesitzer ihre Häuser ebenfalls erneuerten.
Traurigerweise ist Maria, Hofinger's Frau das Opfer eines Autounfalles geworden und sie verstarb am 15. September 1928.
Fini, die Seele des Münchnerhof's
Der Tod seiner Frau betraf Hofinger sehr. Sie hatte dreißig Jahre an seiner Seite mit ihm gearbeitet. Im Jahre 1929 wandte er sich an seinen Cousin, Michael Schwediauer in Wien, und bat, daß er seine jüngste Tochter Fini nach Salzburg schickt, um ihm beim Hotelbetrieb zu helfen. Fini hatte eine sehr gute Schulausbildung und absolvierte an der Wiener Handelsakademie. Sie konnte fließend Englisch und Französisch sprechen und schreiben, stenographieren, und mit der Schreibmaschine schreiben; auch konnte Sie andere Büromaschinen bedienen. Sie war gescheit, talentiert und hatte einen wunderbaren Frohsinn. Sie war sehr beliebt bei allen Gästen, wie auch beim Hotel Personal.
Der New Yorker Börsensturtz im Oktober 1929 hatte sich auch in Europa bemerkt gemacht. Wenig Gäste stiegen ab, daher waren die Einkünfte gering und das Personal mußte eingeschränkt werden um Geld zu ersparen. Fini war überall am Mann: in der Rezeption, im Büro, sie übersah die Wäscherei und das Dienst Personal. Am meisten hat sie aber als Küchenkassiererin fungiert. Am 2. Oktober 1933 haben Fini und Rudolf geheirat. Fini arbeitete lange Stunden, manchmal bis 2 Uhr morgens, alles ohne Gehalt. Sie war unermüdlich und treu und hat nie geklagt. Sie hat sich nie Freizeit genommen, weil der Münchnerhof und ihr Schwiegervater sie brauchten. Mit wenig Geld hat sie die Fremdenzimmer geschmacklich ausgestattet. Fini liebte die Kunst, speziell die Musik. Sie selbst konnte wunderbar Klavier spielen. Ihre charmante Gastfreundlichkeit brachte viele Gäste ins Haus, die oft als Stammgäste zurückkehrten. Jedes Jahr sind viele Festspiel Künstler abgestiegen, darunter war der bekannte Opernsänger Richard Mayer ein regelmäßiger Gast. Auch andere Persönlichkeiten von den Salzburger Festspielen sind abgestiegen, wie Dirigenten, Schauspieler, Opernsänger und Bühnenbildner.
Im Jahre 1938 wurde sie mit Brustkrebs diagnosiert. Sie hatte mehrere Operationen in Wien, München und Salzburg, aber sie konnte nicht gerettet werden. Jedes Mal wenn sie vom Spital zurueckkam sah sie blässer aus, aber sie hat weiter an der Küchenkasse gearbeitet, so lange es möglich war. Mit großer Traurigkeit wurde sie am 30. Oktober 1940, an Ihrer Tochter Liselotte's 4. Geburtstag, zu Grabe getragen. Die halbe Stadt Salzburg nahm an ihrem Begräbnis teil. Sie war nur 39 Jahre alt.
Bildergalerie
Quellen und Fußnoten
- Bericht von Frau Michelle Krohn über den Münchnerhof als ihr Heimathaus
- Foto aus 1904 in Salzburg, der Bezirk in alten Ansichtskarten, Carl Ueberreuter Verlag, 2006
