Wohnhaus Molnarplatz 4 und 5 in Hallein

Das Wohnhaus Nr. 4 vor seiner Renovierung.

Das Wohnhaus Molnarplatz 4 in der Halleiner Altstadt zählt zu den denkmalgeschützten Objekten in der Stadt.

Allgemeines

Das Haus Nr. 4 wurde 2025 renovierte zusammen mit dem Anbau Haus Nr. 5, das nicht unter Denkmalschutz steht. Das Bild zeigt Haus Nr. 4 noch vor seiner Renovierung.

Geschichte

Das Haus am Edmund-Molnar-Platz diente entweder dem Salznebengewerbe oder war ein Wohnhaus für die Arbeiter.

Im frühen 13. Jahrhundert entwickelte sich Hallein rasch vom kleinen Dorf zu einer der bedeutendsten Salzproduktionsstätten Europas und erhielt 1218 das Stadtrecht. Eine Stadtmauer schützte den Süden der Stadt, reichte vom Bannwald am Dürrnberg bis zur Salzach und schloss auch den Molnarplatz ein, der zusammen mit dem Florianiplatz einen mittelalterlichen Dreiecksplatz bildet. Viele Häuser an der Ostseite wurden direkt an diese Mauer gebaut und stehen mit ihrer Rückseite noch heute über deren Resten – so auch dieses denkmalgeschützte Stadthaus.

Dieses Stadthaus ist ein eher kleines Gebäude mit L-förmigem Grundriss. Der schmale, nur einzimmertiefe Trakt reicht bis zum Molnarplatz, während der breitere hintere Teil zu einem kleinen Garten geöffnet ist, an den früher der große Halleiner Holzrechen anschloss. Das Erdgeschoss wurde überwiegend gemauert, die beiden Obergeschosse in Holzblockbauweise errichtet.

Eine dendrochronologische Untersuchung – also die Datierung anhand von Jahresringen im Holz – ergab durch 32 Bohrkerne und Proben aus den Tramen, dass das Haus in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstand. Vermutlich wurde damals auch der gemauerte Bau zum Platz hin errichtet und an die Stadtmauer ein hölzerner Ständerbau mit einem Blockbau im zweiten Obergeschoss angefügt. Dieses Blockzimmer stand wohl auf kräftigen Holzpfeilern und Unterzügen. Etwa 100 Jahre später wurde darunter ein weiteres Zimmer aus Holztramen eingebaut. So entwickelte sich das Gebäude über die Jahrhunderte zu einem immer kleinteiligeren, verschachtelten Bau, der zuletzt wenig sorgfältig behandelt wurde.

Sanierung mit Hindernissen

Als die Familie Helminger 2014 die beiden Gebäudeteile übernahm, befanden sie sich in schlechtem Zustand. Ein Jahr später begann die Sanierung mit der Einreichplanung, doch es dauerte insgesamt sechs Jahre, bis das Haus vollständig erneuert und vor allem statisch gesichert war.

Sanierung – Technische Zusammenfassung

Gebäudekauf und Planung

Erwerb der beiden Gebäudeteile durch Familie Helminger im Jahr 2014. Beginn der Sanierungsplanung 2015, Fertigstellung nach sechs Jahren.

 
Der Anbau Haus 5 vor seiner Renovierung.
Statik und Bauzustand

Grundsanierung mit Schwerpunkt auf statischer Ertüchtigung. Die gemeinsame Mauer zum Nachbarhaus war durch Feuchtigkeit stark geschädigt, wurde erneuert und verstärkt. Umsetzung nur mit Zustimmung des Nachbarn möglich, da Brandschutz- und Schallschutzanforderungen erfüllt werden mussten.

Materialeinsatz

Schwerpunkt auf Kalkbaustoffen: neun verschiedene Kalkmörtel (u. a. Kalkporenputz, reiner Kalkputz) wurden je nach Bedarf eingesetzt. Ziel war eine bauhistorisch verträgliche Lösung, da Industrieprodukte für historische Bausubstanz oft ungeeignet sind und zu dichten Oberflächen führen können.

Platzseitiger Gebäudetrakt

Reinigung sämtlicher Holzwände, Verstärkung mit Hohlblockziegeln, Stabilisierung durch Schließrost.

Keller

Sanierung des historischen Kellerraums. Beim letzten Hochwasser stieg das Grundwasser bis zu 0,5 m an, ohne Schäden zu hinterlassen. Ursache: neuer Kalkestrich mit Schaumglasschotter und Ziegelboden, der Wasseraufnahme und -abfluss schadlos ermöglichte.

Erschließung und Wohnraumgestaltung

Eingang im Gartentrakt führt in ein neues Stiegenhaus. Bodenniveau wurde abgesenkt, um Raumhöhen zu vergrößern. In Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt wurde eine neue Treppenanlage genehmigt, die vorderen und hinteren Trakt verbindet und getrennte Eingänge zu insgesamt vier Wohneinheiten schafft.

Wohnungen und Ausbau
Gartentrakt
zwei Wohnungen, eine davon mit zwei Zimmern.
Obergeschoss
Maisonettewohnung über zwei Etagen, geplant und technisch umgesetzt von Florian Helminger. Außenwand versetzt, ehemaliger Wehrgang durch Vollholzwand integriert.
Schmaler Trakt
zwei weitere Wohnungen, darunter eine kompakte Einzimmer-Wohnung mit Klappbettlösung.
Handwerkliche Details

Wiederverwendung alter Steinstufen, handwerklich ausgeführtes Geländer. Innenausbau geprägt von Stein, Ziegel und Holz. Holztreppe erschließt die Maisonette bis ins Dachgeschoss, genutzt als Büro und Leseecke.

Gartenseite und Außenbau

Substanzaufbau mit Aufstockung bestehender Holzwände, sichtbare Veränderung der Raumhöhe. Neuer Balkon mit Holzbrüstung, Blick in Stadtgarten und Grünflächen. Historischer Bezug: Fläche entstand durch Zuschütten des Halleiner Holzrechens, einst größte Anlage Europas zur Holzlagerung für die Salzproduktion.

Weblink

Quelle

  • sn.at, 18. Dezember 2025: Molnarplatz: Wo Halleins Geschichte begann. Ein Beitrag von Andrea Rosenberger