Stephan Schramm
Stephan Schramm (* 26. Dezember 1821 in St. Michael im Lungau; † 11.[1][2] oder 14. November 1874 in Ballincollig,[3] Cork, Irland) war um die Mitte des 19. Jahrhunderts Salzburger Militär(vize)kapellmeister.
Leben
Der Sohn eines Schuhmachermeisters erhielt die erste Unterweisung in der Musik durch seinen Schullehrer Jakob Ellmauthaler, der auch Kapellmeister der St. Michaeler Bürgermusik war. Im Übrigen blieb er Autodidakt, wobei er Lehr- und Musikwerke benutzte. Dann erhielt er vom musikalischen Franziskanerpater Peter Singer Unterricht im Generalbass (Jahrzehnte später überraschte er seinen Lehrmeister, indem er ihm als Ausdruck seines Dankes und seiner Verehrung mit seiner vollzähligen Kapelle im Kloster-Hofraum ein Ständchen darbrachte).[4]
Mit 20 Jahren zum Militär abgestellt, trat er in das k. u. k. Infanterie-Regiment Nr. 59, das Salzburger Hausregiment, als Hautboist ein und avancierte zum Regimentstambour und Vizekapellmeister. Hier stimmen die Quellen nicht überein, denn nach König[5] stand die Musik des Infanterie-Regiments Nr. 59 von 1845 bis 1851 unter der Leitung von Kapellmeister Stefan Schramm. Danach kam er im November 1851 als Kapellmeister zum 2. Bataillon des Tiroler-Jäger-Regiments, im Mai 1854 aber in gleicher Eigenschaft zum Radetzky-Husaren-Regiment Nr. 5 in Enns (OÖ). Dort richtete er sein Hauptaugenmerk neben der Heranbildung talentierter Soldaten auf die Pflege klassischer Musik und arrangierte Stücke von Mozart, Haydn, Beethoven, Mendelssohn-Bartholdy, Schubert, Chopin usw..[4]
Nach der Auflösung der Militärkapellen bei den Kavallerieregimentern lebte er in der Stadt Salzburg.[6]
Im September 1868 leistete er einem insbesondere finanziell verlockenden Ruf nach England Folge und übernahm die Leitung der Musikkapelle des 1. königlichen Dragoner-Garderegiments (1st King’s Dragoon Guards)[6] (dessen Oberstinhaber der österreichische Kaiser Franz Joseph I. war) in Sheffield, das mit ihm im Jahr 1870 nach Irland verlegt wurde. Dort starb er im 53. Lebensjahr.[1][2] Seinen Taktstock, von den Dragoneroffizieren gewidmet, vermachte er dem Museum seiner Heimatstadt.[7]
Über sein Begräbnis wurde berichtet:[3]
- Stefan Schramm.
- Wie wir vor einiger Zeit gemeldet, ist der Kapellmeister dieses Namens, welcher in unserer Stadt und in Oberösterreich überhaupt in seiner ehemaligen Eigenschaft als Kapellmeister der Radetzky-Husaren in besten Andenken steht, in Rodincollig [offenbar verschrieben aus Ballincollig] in Irland gestorben, woselbst er der Kapelle eines königl. Garde-Dragoner-Regimentes vorstand.
- Welch' großer Beliebtheit sich derselbe in seiner neuen Heimat erfreute, beweist die höchst ehrenvolle Begräbnißfeier, welche ihm, wie wir aus Privat-Nachrichten erfahren, die Garnison des obgenannten Ortes bereitete.
- Unter den Klängen eines von Schramm selbst komponirten Trauermarsches wurde sein Leichnam aus einem mit sechs Pferden bespannten Wagen auf den Friedhof geführt.
- Das gesammte Offizierkorps des Dragoner-Regiments und des im Orte stationirten Artillerie-Detachements begleiteten den Trauerzug, während die Unteroffiziere Spalier bildeten.
- Am Grabe wurden drei Salven abgefeuert, in deren Zwischenräumen die Musiker des Dragoner-Regiments. die ihre Instrumente mit Trauerflor behängt hatten, die österr. Volkshymne intonirten und schließlich eine Beethoven'sche Sonate spielten.
- Der Regiments-Kommandant, bei dem Schramm in besonderem Ansehen gestanden zu haben scheint, widmete demselben überdieß einen ehrenden Nachruf in englischen Blättern, und beschloß auch das Offizierkorps, ihm auf eigene Kosten ein Grabmonument errichten zu lassen.
- Nicht nur für die Freunde und Bekannten des verstorbenen allein, sondern für uns Oesterreicher überhaupt ist es gewiß ein erhebendes Bewußtsein, einen heimatlichen Künstler im Auslande derartig gewürdigt und geehrt zu wissen."
Schramm, der alle Blechblasinstrumente beherrschte und als sehr fähiger Musiker galt, komponierte außer Märschen auch Tanzmusik, namentlich Polkas[8].
Der noch heute bei seinem damaligen englischen Regiment als Regimentsmarsch in Verwendung stehende "Radetzkymarsch" von Johann Strauß Vater soll von Schramm eingeführt worden sein, ebenso der "Slow March" (nach Motiven von Saverio Mercadante) dieses Regiments.
Quellen
- ↑ 1,0 1,1 Salzburger Volksblatt, 19. November 1874, S. 3: Stefan Schramm
- ↑ 2,0 2,1 Salzburger Zeitung, 18. November 1874, S. 3
- ↑ 3,0 3,1 (Linzer) Tages-Post, 13. Dezember 1874, S. 3 f: Stimmen aus dem Publikum : Stefan Schramm.
- ↑ 4,0 4,1 Salzburger Zeitung, 19. November 1874, S. 2: Ueber Stephan Schramm (gestützt auf Engl's Liedertafel-Gedenkbuch)
- ↑ König, Manfred: Blasmusik in Salzburg = Luidold, Lucia und Ulrike Kammerhofer-Aggermann (Hrsg.): Bräuche im Salzburger Land. (Salzburger Beiträge zur Volkskunde 13–16.) Salzburg 2002–2005. HTML-Version, Abschnitt 9.11. Aktualisierter Wiederabdruck; erstveröffentlicht in: Birsak, Kurt und Manfred König: Das große Salzburger Blasmusikbuch – Mit Ehrentafel der Salzburger Blasmusikkappellen. Wien (Christian Brandstätter) 1983. S. 127–134.
- ↑ 6,0 6,1 Die Presse, 23. September 1868, S. 14
- ↑ Salzburger Volksblatt, 18. März 1875, S. 3
- ↑ ANNO-Suchabfragen "Stefan/Stephan Schramm" mit "Polka"/mit "Marsch"
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