Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße

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Franz Wallack (links) bei seiner Eröffnungsrede beim Hochtor-Südportal, ganz rechts Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl.
Eröffnungsfeierlichkeiten beim Hochtor, Südportal.
Eröffnungsfeierlichkeiten beim Gendenkzeichen Fuscher Törl, Südportal.
Hier weht die Hakenkreuzfahne.
Zeitungsbericht im "Das interessante Blatt" über die Feierlichkeiten.

Die Eröffnung der Großglockner Hochalpenstraße fand nach fünfjähriger Bauzeit am 3. August 1935 statt.

Der Verlauf der Eröffnungsfeierlichkeiten

Wirkl. Hofrat Dipl.-Ing. Franz Friedrich Wallack schreibt in seinem Buch Die Großglockner Hochalpenstraße - die Geschichte ihres Baues über den Eröffnungstag. Nachdem er am Morgen des 3. August über den Straßenfernsprecher die letzten Meldungen seiner Ingenieure erhalten hatte, ließ er das rot-weiß-rote Band über die Fahrbahn bei Ferleiten spannen. Zahlreiche Fahrzeuge waren bereits am Vortag in Ferleiten eingetroffen und parkten in den Wiesen. Dann kamen die ersten Wagen aus Zell am See, wo um 08 Uhr abgefahren wurde, an. Im ersten Fahrzeug saß der Salzburger Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl am Steuer, neben ihm Bundespräsident Dr. phil. Wilhelm Miklas.

Den beiden meldete Wallack die Fertigstellung der Straße und dass seit 2. August auch die Benutzungsbewilligung des Ministeriums dafür vorliege. Wallack stieg in den Wagen der beiden und das Auto durchriss das rot-weiß-rote Band. Von den östlichen Hängen des Ferleitentals krachten Böllerschüsse und bei strahlendem Sommerwetter setzte sich die Autokolonne in Bewegung.

Am Parkplatz Fuschertörl wurde dann zum ersten Mal angehalten. Hier warteten bereits die Kärntner Festgäste mit ihrem Landeshauptmann Beim ersten Festakt des Tages um 09:30 Uhr wurde die Gedenktafel an die 14 Todesopfer, die der Bau der Straße gefordert hatte, im Gedenkzeichen Fuscher Törl enthüllt. Damals hieß dieses Gedenkzeichen noch der Zeit entsprechend Gedenkmal für Bundeskanzler Dr. Dollfuß[1]. Bei der Enthüllung spielte das Bläserquartett des Salzburger Festspielhausorchesters die Dollfuß-Fanfare[1]. Im Anschluss hielt der Bundespräsident eine kurze Ansprache.

Dann ging die Fahrt der Festgäste weiter an die Südseite des Hochtortunnels, wo die Kolonne nach 10 Uhr eintraf. Wie Wallack berichtet, war das Innere des Tunnels durch viele elektrische Lampe hell erleuchtet und in der Mitte des Tunnels, an der Landesgrenze zwischen dem Bundesland Salzburg und Kärnten, war wieder ein rot-weiß-rotes Band gespannt. Die beiden Landeshauptleute stiegen aus ihren Autos aus und tauschten Begrüßungsansprachen aus (Zitat Wallack). Dr. Rehrl reichte seine Hand über das Band Dr. Arnold Sucher, dem Kärntner Landesstatthalter.[1] Nachdem der Bundespräsident das Band durchschnitten haben, verließen alle zu Fuß den Tunnel zum Südportal. Über dem Tunnelportal war eine große Festtribüne errichtet worden und darüber am Hang zum Hochtor hatten sich die Arbeiter versammelt.

Der Salzburger Fürsterzbischof Sigismund IV. von Waitz zelebrierte die Festmesse und oberhalb des Hochtors schoss eine Gebirgshaubenbatterie 101 Salut-Schüsse[1] Von Kärnten war Bischof von Gurk, Adam Hefter angereist. Nach der Messe hielten Wallack als Projektant und Bauleiter, Landeshauptmann Dr. Rehrl und der Rektor der Technischen Hochschule Wien Prof. Dr. August Kann Ansprachen. Dr. Kann übermittelte Dr. Rehrl und Hofrat (seit 1. August des Jahres) Wallack deren Ernennung zum Ehrenmitglied der Technischen Hochschule. Hochschulprofessor Dr. Ing. Oerlen überreichte die Ehrenurkunden[1]

Es erklang die Glocknerfanfare, gespielt von einem Waldhorn-Ensemble. Dann sprachen Handelsminister Fritz Stockinger als Ressortminister für den Bau zuständig, der stürmisch bejubelte Vizekanzler Ernst Rüdiger Fürst Starhemberg und schließlich der Bundespräsident, der die Straße für eröffnet erklärte.

Unter den Klängen der Bundeshymne nahm sodann nach einer kurzen Ansprache Fürsterzbischof Dr. Waitz die feierliche Weihe der Straße vor. Es folgten Ehrungen (siehe weiter unten).[1] Dann setzte sich der die Wagenkolonne wieder in Bewegung und fuhr nach Heiligenblut und später folgte dann die Auffahrt zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe über die Gletscherstraße, wo die Eröffnungsfeierlichkeiten ihr Ende fanden.

Eine Hakenkreuzfahne wehte bei der Eröffnung

In der damaligen Tagespresse wurde es vermieden, ein Bilder dieser Fahnen zu zeigen. Nur die österreichische "Allgemeine Automobil-Zeitung" setzte die Flagge überdeutlich ins Bild. Obwohl sie gesetzlich verboten war wehte die Fahne am 3. und 4. August beim Parkplatz Fuscher Törl I. Die Tolerierung dieser Fahne, schreibt Georg Rigele in seinem Buch "Großglockner Hochalpenstraße: Zur Geschichte eines österreichischen Monuments", Seite 190, war der Preis für die Teilnahme deutscher Gäste an den Eröffnungstagen. Für vier Tage war die 1000-Mark-Sperre außer Kraft gesetzt. Besonders krass war die Platzierung der Fahne unmittelbar unterhalb des Gedenkzeichens für Dollfuß, der ja erst vor einem Jahr bei einem erfolglosen Putschversuch der Nationalsozialisten erschossen worden war.

Für diese und andere taktische Ausnahmen von Hitlers Fremdenverkehrsboykott war in Deutschland der Gesandte Franz von Papen zuständig. Es gibt ein Bild von ihm bei Ankunft am 3. August 1935 in Fusch (siehe hier).

Die Salzburger Chronik schrieb dazu in ihrer Ausgabe vom 2. August 1935:[2]

Morgen und übermorgen werden wir Gelegenheit haben, auf österreichischem Boden das verpönte Hakenkreuz zu sehen. Wenn man weiß, worum es sich handelt, ist diese Tatsache für den Österreicher und für den Reichsdeutschen, für den vaterlandstreuen wie für den nationalsozialistisch angehauchten Österreicher eine sehr erfreuliche Tatsache: Die deutsche Regierung hat für insgesamt vier Tage den reichsdeutschen Automobilisten, selbstverständlich unter Einhaltung gewisser Modalitäten und Vorschriften, die Einfahrt nach Österreich gestattet. Die österreichische Regierung hat in durchaus logischer Weise gestattet, daß diese Autos demgemäß ihre Wimpel führen dürfen, was bekanntlich an sich überall ohne weiteres erlaubt ist. Die deutsche Nationalflagge zeigt nun das Hakenkreuz. Das Hakenkreuz zu zeigen, ist in Österreich aus Gründen, die aller Welt, daher auch dem Österreicher bekannt sind, verboten. Somit tritt der für befangene Menschen zunächst etwas sonderliche Tatbestand auf, daß sich das „verbotene“ Hakenkreuz plötzlich m Österreich öffentlich zeigt. Wer um den Zusammenhang weiß, wird das alles sehr selbstverständlich finden. Wenn ein türkisches Auto zum Glockner-Rennen kommt, wird es Halbmond und Stern zeigen und wir werden uns dadurch nicht in unseren religiösen Gefühlen verletzt finden; wenn ein russisches kommt, mit Sichel und Hammer und dem Sowjetstern, werden wir uns, da es sich doch nicht um eine Auseinandersetzung mit der Idee des Bolschewismus handelt, sondern lediglich um die Bekundung der Tatsache, daß ein russisches Auto startet, ebenfalls nicht in Erregung versetzen lassen. Warum also sollte dies eines Hakenkreuzes wegen geschehen, das vom Bord eines deutschen Kraftfahrzeuges weht? Wir werden also bei aller Festigkeit des vaterländischen Standpunktes die deutsche Flagge als vaterlandstreue Österreicher mit größter Höflichkeit zu respektieren wissen und freuen uns, daß zwar noch nicht der vielbesprochene Silberstreifen am Horizont sichtbar ist, aber doch ein kleines Verblassen am Himmel anzudeuten scheint, daß man möglicherweise schon zuweilen daran denkt, die Spaten zu schmieden, mit denen man zuletzt böse vergangene Dinge begraben könnte. Es könnte aber auch geschehen, daß es in unserer Bevölkerung Leute gibt, die den Anblick des Hakenkreuzes nicht zu ertragen vermögen, ohne ihre Selbstbeherrschung zu verlieren, nämlich aus Enthusiasmus. Es wäre sehr bedauerlich, wenn es solche Leute gäbe. Denn dann träte zweifellos der merkwürdige Fall ein, daß gerade die heimlichen Anhänger des Hakenkreuzes Dinge und Maßnahmen heraufbeschwören würden, die dazu angetan sein könnten, diesen leichten gegenseitigen Händedruck, den sich Deutschland und Österreich auf der Großglocknerstraße geben, wieder recht grausam zu zerreißen. Hoffen wir daher, daß die Besonnenheit das reichsdeutsche Hakenkreuz in ihre Hut nehme.

Ehrungen im Rahmen der Feierlichkeiten

Bundespräsident Dr. phil. Wilhelm Miklas verlieh im Rahmen der Feierlichkeiten beim Hochtor folgende Auszeichnungen:

  • Kompturkreuz 1. Klasse des österreichischen Verdienstordens:
Regierungsdirektor Dr. Franz Wallentin
  • Kompturkreuz des österreichischen Verdienstordens:
Hofrat Oberbaurat Ing. Franz Wallack
  • Ritterkreuz 1. Klasse:
Oberingenieur Richard Lumpp des Baukonsortiums Universale - Redlich & Berger Bau AG; Rechtsanwalt Dr. Karl Wagner
  • Ritterkreuz:
Pater Franz Stiletz, General-Superior der Kalasantinerkongregation, während der Bauzeit war er Arbeiterseelsorger; Ing. Hans Lanz, Ing. Josef Url;
  • Goldenes Verdienstzeichen:
Ing. Viktor Bogecz, Ing. Herbert Guggenbichler, Ing. Rudolf Oktabez, Ing. Theodor Winkler, Sekretärin Josefine Wallack (Gattin von Franz Wallack), Ing Josef Binder und Ing. Hans Weber;
  • Silbernes Verdienstzeichen:
Baulos-Führer Alois Au, Buchhalter Hans Trauner und Baumeister Johann Populorum;
  • Goldene Verdienstmedaille:
Felix Ennemoser, Techniker - er war für den Bau der Edelweißstraße verantwortlich (Baukonsortiums Universale - Redlich & Berger Bau AG)
  • Große Silberne Verdienstmedaille:
Franz Büchele, Beamter, Artur Sandri, Polier, Simon Scheifinger, Buchhalter und Josef Ostheimer, Polier;
  • Silberne Verdienstmedaille:
Otto Ahamer, Bauschlosser, Johann Gasselseder, Aufseher, Alois Gratl, Mineur, Georg Hauder, Mineur, Leopold Horak, Maschinist, Hugo Mick, Maurer, Anton Striednig, Maurer;
  • Bronzene Verdienstmedaille:
Gottlieb Bacher, Maurer, Jakob Darros, Steinmaurer, Johann Ferstl, Hilfsarbeiter, Johann Freund, Hilfsarbeiter, Johann Hasensteiner, Zimmerer, Matthäus Kainhofer, Mineur, Fritz Kasinger, Hilfsarbeiter, Josef Lang, Arbeiterkoch, Matthias Lepuschitz, Hilfsarbeiter, Josef Mondl, Zimmerer, Hermann Plöckinger, Elektriker, Franz Pucher, Mineur, Franz Riegler, Zimmerer, Balthasar Schranz, Hilfsarbeiter, Josef Tschernutter, Mineur, Franz Wagner, Mineur, Josef Wallern, Hilfsarbeiter und Franz Zraunig, Hilfsarbeiter.

Ehrungen der technischen Hochschule Wien

Professor Dr. Kann, Rektor der Wiener Technischen Hochschule, hob in einer Ansprache die Bedeutung des großen technischen Werkes hervor, das die Glocknerstraße darstellt. "Ich freue mich", schloss der Rektor, "dass es mir am Schluss meiner Amtsperiode als Rektor der Technischen Hochschule in Wien vergönnt ist, dem Landeshauptmann Dr. Franz Rehrl für seine Verdienste um die technische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes Salzburg und Landesoberbaurat Ing. Wallack für seine Verdienste um die Schaffung und den technischen Ausbau der Glocknerstraße den Titel eines akademischen Ehrenbürgers zu verleihen."[3]

Ehrenbürger-Ernennungen der Gemeinde Fusch

Die Gemeinde Fusch an der Großglocknerstraße hatte dem Landeshauptmann Fr. Franz Rehrl und dem Oberbaurat Ing. Franz Wallack für ihre Verdienste um den Bau der Großglocknerstraße das Ehrenbürgerrecht verliehen. Der Bürgermeister von Fusch hatte den Genannten nach den Feierlichkeiten anlässlich der Eröffnung der Großglocknerstrahe die bezüglichen Ehrenurkunden überreicht.[4]

Zum Nachlesen

Die Allgemeine Automobil-Zeitung brachte im Juli 1935 eine umfangreiche Nummer mit verschiedenen Geschichten über die Entstehung, die Eröffnung und das erste Automobil- und Motorradrennen heraus. Hier ein paar Themen mit den Direktlinks in dieser Nummer (digitalisierte Ausgabe der Österreichischen Nationalbibliothek):

  • ANNO: Die Großglockner-Hochalpenstraße und das neue Oesterreich. Von Dr. Franz Rehrl, Landeshauptmann in Salzburg, Präsident der Großglockner-Hochalpenstraßen AG.
  • ANNO: Wie entstand die Großglockner-Hochalpenstraße? Von Bauleiter Ziv.-Ing. Franz Wallack.
  • ANNO: Die Glocknerstraße und ihre automobilistische Bedeutung. Von Exzellenz Graf Alexander van der Straten-Ponthoz, Präsident des Oesterreichischen Automobil-Clubs.
  • ANNO: Die Großglockner-Hochalpenstraße als Rennstrecke. Ein Beitrag zum 1. Internationalen Großglockner-Rennen am 4. August 1935. Von Franz Freiherr v. Preuschen-Liebenstein, Präsident des Salzburger Automobil Clubs.

Das Club-Organ des Oesterreichischen Touring-Club brachte einen mehrseitigen Bericht über die Eröffnung:

  • ANNO: Eröffnung der Großglockner-Hochalpenstraße. 1. Internationales Glockner-Rennen und Zielfahrt. mit vielen Bildern

Die Kärntner Zeitung brachte in ihrer Ausgabe vom 6. August 1935 alle Reden und Ansprache der Feierlichkeiten:

  • ANNO: Höhenstraßen - Friedenswege. Feierliche Eröffnung der Glockner-Hochalpenstraße.

Bildergalerie

Bilder von den Eröffnungsfeierlichkeiten
Weitere Zeitungsseiten über die Eröffnung
Österreichische Auto-Rundschau, Ausgabe vom 16. August 1935
Allgemeine Automobil-Zeitung, Ausgabe vom August 1935

Quellen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 Quelle anno
  2. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 2. August 1935, Seite 6, mittlere Spalte unten und rechts
  3. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 5. August 1935, Seite 3
  4. ANNO, Salzburger Chronik, Ausgabe vom 5. August 1935, Seite 4
Baugeschichte der Großglockner Hochalpenstraße
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