Städtisches Gaswerk
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Der hier beschriebene Betrieb oder die Einrichtung existiert in dieser Form nicht mehr. Dieser Beitrag beschreibt die Geschichte. |
Das Städtische Gaswerk befand sich in Salzburg-Lehen an der Gaswerkgasse.
Geschichte
Das Gaswerk war 1858/1859 durch private Investoren errichtet worden.
Am 3. Mai 1859 schloss die Stadtgemeinde Salzburg mit Ludwig August Riedinger in Augsburg einen ersten Vertrag über die Einführung der Gasbeleuchtung in der Stadt Salzburg ab, der auch von den Besitznachfolgern Ludwig Negbaur und Emma Mackenrodt erneuert wurde. Von diesen erwarb das Gaswerk die Gesellschaft für Gasindustrie in Augsburg, mit welcher 1875 ein neuer Vertrag mit Gültigkeit bis zum 1. Oktober 1904 zu Stande kam. Das Gaswerk war 1858/1859 errichtet worden. Vor Ablauf dieses Vertrages war die Stadtgemeinde bestrebt, das Gaswerk in ihren Besitz zu bringen. Es kam zu längeren Verhandlungen und der Vertrag vom 31. Mai 1902 zu Stande, nach welchem die Stadtgemeinde das Werk samt allem Zubehör und Rechten mit dem Übergabestage vom 1. Jänner 1905 um einen Kaufpreis von 525 000 Kronen. Dieser Kaufpreis erhöhte sich noch auf 612 000 Kronen, weil die Gesellschaft noch verschiedene Ergänzungsbauten mit Zustimmung der Stadtgemeinde als neuen Eigentümer bis zum Übergabetag durchführte.
Im Gaswerk vorhanden waren vier Retortenöfen mit je sechs Retorten, ein Rostofen mit drei Retorten, ein Dampfkessel von 8 m2 Heizfläche, Apparate, drei kleine Gasbehälter und 309 Kandelaber.
In der Stadt Salzburg waren 478 Laternen in Betrieb, davon 173 mit Glühlicht, die anderen mit offenen Flammen. Das Rohrnetz wies eine Länge von 29 218 m auf und bestand zumeist aus 80 und 50 mm Lichtweiten.
Nach dem Erwerb durch die Stadtgemeinde wurde ein neuer Gasbehälter von 4 000 m3 Inhalt und neue Halbgeneratoren errichtet, sowie die Apparature und Maschinen erneuert. Auch das Rohrnetz fand eine durchgreifende Umgestaltung.
Der Gaskonsum entwickelte stark nach oben, bis der 1. Weltkrieg infolge Kohlemangel und behördlicher Einschränkung des Gasverbrauches eine bedeutende Absenkung brachte.
1923 wurde der alte Horizontal-Retortenofen aufgelassen und ein Vertikal-Kammerofen mit bewegter Ladung, System Koppers, erbaut. Die Gasausbeute beträgt dadurch durchschnittlich 610 m3 je Tonne Kohle.
Etwa Ende 1930 hat das Rohrnetz eine Länge von 84 569 m und es waren 5618 Gasmesser aufgestellt. Der Gaspreis betruf 33 Groschen pro Kubikmeter.
Mit der steigenden Beliebtheit des Gases als Wärmequelle nahm auch die Installation von Kochapparaten in den Haushalten fortwährend zu.
1960 kam es dann zur Umstellung in der Gasversorgung der Stadt Salzburg auf Flüssig- bzw. Erdgas.
Quelle
- Das Buch der Stadt Salzburg, 1932, Das Städtische Gaswerk (Direktor August Roßkothen), Seite 191 f
- Foto in Salzburg Vorstädte Album 1860 - 1930, Verlag für Photografie, Wien, 1998
