Von Hier. Und Dort.

Aus SALZBURGWIKI
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Josef Neulinger, Johann Sinnhuber in chinesischer Nationaltracht, elf Jahre Flucht
Arbeitsbuch des Johann Jahn, 1865, einem Arbeitsmigranten aus Freistadt
Der älteste und jüngste sudetendeutsche Flüchtling 1939, Bild aus der Schulchronik Neumarkt
Aus der Ausstellungseröffnungseinladung: das ehemalige Hotel am Wallersee, Arbeitsbuch eines Wanderarbeiters und Fürsterzbischof Paris Graf Lodron

Von Hier. Und Dort. Geschichte(n) von Migration und Integration im Salzburger Land ist eine Ausstellung im Museum in der Fronfeste in der Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee vom 19. Mai bis 31. Oktober 2016.

Die Eröffnung

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Donnerstag, den 19. Mai 2016 um 19 Uhr durch Landtagspräsidentin Dr. Brigitta Pallauf und Landesrätin Mag.a[1] Martina Berthold statt. Allerdings nicht im Museum, sondern schräg gegenüber im Gebäude der ehemaligen Hauptfeuerwache (Details siehe unter Weblink-Fußnote[2])

Präsentation der Publikation zur Ausstellung

„Von Hier. Und Dort. Geschichte(n) von Migration und Integration im Salzburger Land“ am 10. Juni 2016 um 17:30 Uhr mit Landesrat Dr. Heinrich Schellhorn.

Die Ausstellung

Das Land Salzburg erinnerte sich 2016 an 200 Jahre bei Österreich. Neben der in der Stadt Salzburg stattfindenden Landesausstellung "Bischof Kaiser Jedermann" gibt es auch in Neumarkt am Wallersee eine Ausstellung zum Thema "Salzburg 200 Jahre bei Österreich".

Die Ausstellung „Von hier. Und dort“ im Museum Fronfeste nutzt das Erinnern an die Zugehörigkeit Salzburgs zum Kaisertum Österreich um der Frage nach Zugehörigkeiten und Identitäten von Menschen nachzugehen. Der Untertitel „Geschichten von Migration und Integration aus dem Salzburger Land“ weist vor allem auf das Schicksal von Einwanderern und Auswanderern, von Flüchtlingen und Vertriebenen, im Raum Neumarkt am Wallersee hin. Aber auch auf jene Menschen, die hier, in der neuen Heimat, ihr Glück und einen Neuanfang fanden.

Neumarkt am Wallersee - als ehemals vorgelagerter Grenzposten gegen Bayern und Österreich - hatte in der Vergangenheit einen hohen Grad an Wanderungs- und Fluchtbewegungen zu verzeichnen. Heute fördert die Stadtgemeinde eine beispielgebende Willkommenskultur für Asylwerber aus aller Welt. Die Gemeinde sucht aktiv Wege um mit ihnen zu leben. Das Museum Fronfeste nimmt heute als Plattform der Begegnung eine ganz besondere Rolle ein.

Die dort gezeigte Ausstellung erzählt, dass Wanderbewegungen keineswegs neue Erscheinungen sind. Sie gehören prägend aber auch bereichernd zu unserer Geschichte. So ruft die Ausstellung zunächst einmal die Besiedelungsgeschichte unserer Region durch die Römer in Erinnerung. Sie importierten vor 2 000 Jahren nicht nur bahnbrechende Ideen und Waren in unser Land. Auch ein „Asyl“ kannten die Römer bereits, und in späteren Jahrhunderten begegnen wir dem Kirchenasyl in unseren Dorfkirchen wieder. Die Ausstellung beleuchtet in einer historischen Rückschau auch das harte Leben der Wander- und Landarbeiter, der Gastarbeiter, das In-Dienst-Gehen der Knechte und Mägde, das schwere Los der Heimatvertriebenen und der Kriegsflüchtlinge. Sie alle haben in unserer Region ihre Spuren und ihre Geschichten hinterlassen. Bis heute. Eingeladene Künstler begleiten innerhalb der Ausstellung diese historischen Bewegungen, befragen und kommentieren sie mit hochkarätigen bildnerischen und filmischen Werken.

Wenn es gelingt, was sich Ingrid Weydemann und ihr engagiertes Team vorgenommen haben, dann sollen Migranten immer wieder selbst zu Wort kommen. Und damit auch ihre Geschichten aus ihrer Sicht erzählen können. Ausstellungsbesucher und -Besucherinnen sollten so auf vielstimmige Weise in einem „Korridor des Fortgehens“ den Gedanken und Hoffnungen der Aus- und Einwanderer begegnen können. Begegnung ist denn auch das zentrale Motiv der mutig angelegten Ausstellung.[3]

Themen der Ausstellung

Erdgeschoß

Eisenhutgalerie: Integration

Begegnungscafé, Diversität und Integration auf kommunaler Ebene

Untergeschoß

Flur zu den Zellen:

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen

Im unteren Zellentrakt – Kunst und Migration

Farshido Larimian: „Pocket Memories“
Der persische Künstler installiert Erinnerungsstücke, die Menschen auf der Flucht aus ihrer alten Heimat mitnahmen
Jakob Brossmann: „Lampedusa im Winter“
Ein preisgekrönter Film zur Situation auf der Insel Lampedusa. Von Menschlichkeit, Solidarität und dem Versagen der Politik
Gabriele Neudecker: „Deserteur!“
Der vielfach ausgezeichnete Film der Köstendorfer Filmemacherin zum Schicksal von einheimischen Deserteuren im Zweiten Weltkrieg
Pupak: Film über eine ehemalige Asylwerberin aus Neumarkt, die den Sprung in die Selbstständigkeit schaffte
Ina Fasching „Spuren hinterlassen“
Fußabdrücke von Menschen aus Neumarkt an der Fassade des Museums Fronfeste

Obergeschoß

Vorraum und Korridor

Migrationsgeschichte im Zeitraffer

Die Ausstellungsräume:

Asylon – die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Asyl. Antike Heiligtümer und christliche Kirchen als Ort des Schutzes und der Unantastbarkeit
Brain Gain – Errungenschaften in Kunst und Kultur, Technik, Bauwesen, Kulinarik etc. durch die Einwanderung der Römer vor 2 000 Jahren
Einwanderungsland Salzburg - Arbeitsmigration
Zuwanderung im Zeichen des Glaubens: Die Erzbischöfe Salzburgs
Migrationsfaktor Armut, Stör- und Wanderarbeit, Dienstbotenwanderung

Zellentrakt

Vorraum Flüchtling. Die Genfer Flüchtlingskonvention

In den Zellen

Johann Sinnhubers Erlebnisse 1914 – 1925
Die Flucht als prägendes biografisches Ereignis
„Unerwünscht“: Antisemitismus am Wallersee
Die politische Radikalisierung rund um den Wallersee
Verfolgung, Abschiebung, Zwangsarbeit
Die Verfolgung von ethnischen Minderheiten
Heimatvertriebene und Umsiedler
Flucht infolge des Kriegsgeschehens

Gestaltungskonzept

Gestaltungskonzept, Beispiel (Grafik: Elke Bauer)
aus dem Ausstellungsbegleitbuch "Identitätsbuch"

Vom Wiener Unternehmen toikoi_erzählende räume, das Lösungen für die Vermittlung von Kultur konzipiert und realisiert, stammt das Gestaltunsgkonzept.

Wie gestaltet man eine Ausstellung, in der die BesucherInnen sich persönlich auf die Thematik einlassen und ihr näher kommen?

Die Ausstellung geht der Frage der (eigenen) Zugehörigkeiten und Identitäten nach. Das Gestaltungskonzept übersetzt diesen roten Faden in symbolische Bilder, die sich perfekt ergänzen. Diese Bilder sind allgemein bekannt und niederschwellig, wodurch der Bezug zur eigenen Person leicht herstellbar ist.

Der Kreis: Ein Kreis schafft Grenzen, man ist drinnen oder draußen.

Zwei Kreise, die sich überlappen, schaffen einen gemeinsamen Zwischenraum, Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede. Überlappende Kreise stehen auch für Verbundenheit und ergeben neue Farben.

Das Haus: Bedeutet ein Haus einfach „zuhause sein“? Das Konzept nutzt die einfache schmematische Form des Hauses.
Wie definiere ich das: Ab wann kann ich sagen, ich bin zu Hause, ich fühle mich zu Hause?
Der Chamäleon-Farbeffekt

Das Konzept spielt mit einer Art „Chamäleon-Farbeffekt“, das heißt, dass einzelne Elemente sich farblich der Umgebung anpassen oder umgekehrt Farbe oder unterschiedliche Muster an die Umgebung weitergegeben, übertragen werden. Dahinter sehen wir das Bild der Übertragung: Was bleibt Tradition, was gebe ich weiter, kann ich Familie/Freunde/Bekannte „anstecken“? Oder muss ich mich anpassen?

Zum Ausstellungsbegleitbuch

Wie schaffen wir eine Stimmung, durch die sich die BesucherInnen mit den erzählten Geschichten auseinandersetzen und gleichzeitig identifizieren können?

Jedem Besucher wird ein Booklet in der Form und Größe eines Passes mitgegeben. Darin befinden sind mehrere „Übungen“ als Einladung zur Selbstreflexion über das Thema der eigenen Identität. Was macht meine Identität aus? Besitze ich wirklich nur eine Identität oder doch mehrere? Mit wie vielen Menschen teile ich diese Identität(en)? Würde sich die Antwort ändern, wenn ich dieselbe Frage ein paar Jahre zuvor gestellt hätte?

Anekdote

Während der Pressekonferenz am 12. April 2016 hatte eine Mitarbeiterin des Museums in der örtlichen Bäckerei etwas abzuholen. Als sie zurück zur Pressekonferenz kam, hatte sie nicht nur das bestellte Brot dabei, sondern auch Tillmann, einen Störhanderwerker - passend zum Thema der Ausstellung, die sich ja auch mit Störgehern beschäftigt. Tillmann gab bereitwillig Auskunft über woher und wohin, über Sitten und Gebräuche von Störgehern und über die Bedeutung seiner Kleidung. So war einst der goldene (heute nicht mehr aus Gold) Ohrring dafür gedacht die Begräbniskosten zu bezahlen, falls ein Bursche auf der Stör verstarb. Die verschiedenen Knöpfe und deren Anzahl stehen für die drei Wanderjahre und die Tage einer Arbeitswoche usw. Anschließend verließ Tillmann wieder die Pressekonferenz, wie es Brauch bei den Störgehern ist, zu Fuß in Richtung Wien, auf der Wiener Straße (B 1).

Bildergalerie

Von der Pressekonferenz

Weblinks

Quelle

  • Pressekonferenz am 12. April 2016 im Museum in der Fronfeste

Fußnoten

  1. Bis 2006 war "Magister" (männlich) bzw. (seit 1993) "Magistra" (weiblich) der übliche akademische Grad für die meisten Studien auf Master-Niveau. "Mag." ist die gesetzliche (§55 Universitätsgesetz 2002) Abkürzung sowohl für "Magister" als auch für "Magistra", wohingegen aber auch (aus gleichstellungspolitischen Motiven) die Abkürzung "Mag.a" für "Magistra" propagiert und verwendet wird.
  2. Neumarkter Stadtschreiber
  3. Text: Michael Weese, Ingrid Weydemann