1889 fuhr der Schah von Persien mit der Gaisbergbahn

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Das Bild aus dem Stadtarchiv Salzburg, Sammlung Friedrich Würthle – was aber unrichtig ist (siehe Beschreibung des Besuches des Gaisbergs weiter unten).

Am 22. August 1889 fuhr der Schah von Persien, Nāser ad-Din Schah Qadschar, mit der Gaisbergbahn.

Der Schah von Persien in Salzburg

Ein Beitrag aus dem "Salzburger Volksblatt" vom 22. August 1889:[1]

Gestern abends 6 Uhr 48 Min. ist der Schah von Persien in Salzburg eingetroffen. Anlässlich dieses Ereignisses hatte sich ein nach Tausenden zäh­lendes Publikum vor dem Bahnhofe eingefunden und hielt die breite Straße bis zum Hotel de l’Europe dicht besetzt; ja jeder Einspänner, jeder Fiaker, der sich vor dem Bahnhofe befand, wurde von Schau­lustigen gemietet, und selbst ein Tramwayzug musste sich eine Invasion Neugieriger gefallen lassen. Wäh­rend so die Straße vor und zum Bahnhofe ein sehr bewegtes Leben und Treiben zeigte, bot der Perron[2] des Bahnhofes ein anderes, weit farbenprächtigeres und glänzendes Bild. Hier hatte die vom heimischen Regimente Erzherzog Rainer beigestellte Ehrenkom­panie mit der Regimentskapelle Aufstellung genommen, und hier versammelten sich die zahlreichen Würden­träger und Honoratioren zum Empfange des Königs der Könige. Im Hofvestibül, durch das der Schah den Weg zum Wagen nehmen musste, hatte sich die hiesige Aristokratie sehr zahlreich eingefunden.

Zum Empfange des Schah waren auf dem Per­ron erschienen: Seine Exzellenz der Obersthofküchen­meister Graf Wolkenstein; Seine Exzellenz Feld­zeugmeister Baron Döpfner, der zur Begrüßung Nassr-ed-dins designierte Stellvertreter des Kaisers; Seine Exzellenz Generalmajor Freiherr v. Thömel, früherer österreichisch-ungarischer Gesandter in Tehe­ran; die zum Ehrendienste beim Schah befohlenen Offiziere Oberstlieutenant Baron Goumoln und Hauptmann v. Giesl; Seine Exzellenz Statthalter Graf Thun; Landeshauptmann Graf Chorinsky; Bürgermeister Dr. Schumacher; Hofrat von Klaudy; Regierungsrat v. Rauch; Betriebs­direktor der k. k. Staatsbahnen Scala von Inns­bruck; Inspektor R. v. Ruß; verschiedene Hof­beamte u. a. Von persischen Würdenträgern hatten sich der persische Gesandte Neriman Khan in goldstrotzender Uniform, Oberpostdirektor v. Nie­derer, der das persische Postwesen nach österreichi­schem Muster eingerichtet hat, und Dr. Pollak, der frühere langjährige Leibarzt des Schah, eingefunden.

Die interessanteste Persönlichkeit unter all diesen Dignitären war ohne Zweifel Neriman Khan, dessen imponierende Erscheinung nahezu alle überragte; dabei repräsentierte sich dieser Perser als vollendeter Hofmann, konversierte lebhaft und in tadellosem Französisch und bot der Schaulust eine mit Orden reich bedeckte Brust, unter welchen der von Brillan­ten strotzende höchste persische Orden mit dem Bild­nisse des Schah wohl der sehenswerteste war.

Mit dem Münchener Courierzug um 6 Uhr 32 Minuten traf ein Teil des Gefolges ein, darunter die Pagen des Schah, kleine dunkelhäutige Bürschchen, und unter diesen der Lieblingsknabe Nassr-ed-din, der immer um den Schah weilt und von diesem auf allen seinen Reisen mitgenommen wird.

Wenige Minuten nach 7 Uhr verkündigte das Glockensignal das Einfahren des Hofesparadezuges. Der Prinzregent von Bayern hatte dem Schah auch für die Fahrt nach Salzburg den Königszug des ver­storbenen Ludwig II. zur Verfügung gestellt, dessen prunkvolle, jeder Beschreibung spottende innere Aus­stattung allgemeines Aufsehen hervorrief. Die Re­gimentskapelle intonierte die persische Hymne, die Ehrenkompanie präsentierte das Gewehr. Als der Zug stille hielt, entstieg dem Königswagen als Erster Schah Nassr-ed-din, ihm nach seine Minister und Generale, alle in goldstrotzenden Uniformen.

Neriman Khan verbeugte sich tief vor dem Schah und übernahm sodann die Vorstellung der österreichischen Würdenträger. Der Schah sprach fast ausschließlich persisch und warf nur ab und zu ein französisches Wort dazwischen. Neriman Khan machte den Dolmetsch. Besonders lange sprach der Schah mit dem Grafen Wolkenstein und Baron Döpfner; sehr freundlich nahm er die Begrüßung Baron Thömel’s und des Statthalters auf und nicht minder erfreut schien er von der Anwesenheit des Oberpostdirektors v. Niederer und Dr. Pollak’s, welchen beiden er die Hand reichte.

Nach erfolgter Vorstellung und dem Abschreiten der Ehrenkompanie, deren stattliches und schmuckes Aus­sehen sein sichtliches Interesse erregte, verfügte sich Seine Majestät durch das Hofvestibül zum Wagen. Er bestieg mit Feldzeugmeister Baron Döpfner die Hofequipage und fuhr unter den lebhaften Hoch­ rufen der tausendköpfigen Menge nach dem Hotel de l’Europe. Seine Exzellenz Graf Wolkenstein hatte sich bereits früher dorthin begeben und empfing nun Seine Majestät am Hoteleingang und schritt dem Schah voran nach dessen in der ersten Etage ge­legenen Appartements. Zahlreiche Equipagen brachten das Gefolge des Königs der Könige zum Hotel.

Der Schah nahm das Souper auf seinem Zimmer; für sein Gefolge war in zwei Speisesälen des Hoch­parterres gedeckt. Schah Nassr-ed-din speiste allein; während des Diners musste ihm ein Würdenträger das Neueste aus den Journalen vorlesen, wobei er denselben häu­fig unterbrach und seinem Sekretär kurze Notizen dik­tierte. Außerdem befanden sich im Gemach noch fünf persische Hofleute, welche in leisem Gespräche ver­harrten.

Heute gegen 9 Uhr machte Seine Majestät Toilette und nahm sodann den Vortrag über das Programm des heutigen Tages entgegen, das seine Genehmigung fand. Mittags 12 Uhr wurde im Hotel das Déjeuner genommen. Nach demselben erfolgte um 2 Uhr nach­ mittags die Abfahrt des Schah und seines Gefolges zu Wagen nach Hellbrunn. Nach Besichtigung der Spritzwerke, wobei es an heiteren Szenen nicht fehlte, wurde das Goul(t?)er im Hofgarten eingenommen, wo­ selbst für Seine Majestät ein prachtvolles Zelt errichtet worden war. Um 4 Uhr Fahrt über Stanzinghof, Aigen zur Gaisbergbahn nach Parsch, wo zwei Son­derzüge für den Schah und sein Gefolge zur Fahrt auf den Gaisberg bereit standen.

Über alle Einzelheiten dieses Programmes be­richten wir morgen ausführlicher.

Abends 8 Uhr findet im Hotel de l’Europe das Diner statt. Während desselben konzertiert die Regi­mentskapelle im Garten des Hotels.

Am nächsten Tag berichtete das "Salzburger Volksblatt" ausführlich über den Aufenthalt in Salzburg, der hier auszugsweise wiedergegeben wird.[3]

Die Gaisbergfahrt.

Wie wohl manche des schlechten Wetters wegen gezweifelt hatten, dass der Schah die Fahrt auf den Gaisberg unternehmen werde, blieb es trotzdem auch bei diesem Programmpunkte. Schah Nassr-ed-din war bei bester Laune und ließ sich dieselbe durch die Ungunst der Witterung nicht im mindesten trüben. So wurde denn um 4 Uhr die Fahrt nach Parsch angetreten.

Ein Hofcourier war bereits voraus dorthin ge­fahren, um sich zu überzeugen, ob auch alle Vorbe­reitungen getroffen. Das war der Fall. Als der Schah mit Gefolge am Bahnhofe eintraf, wurde er im Namen der Gaisbergbahn-Gesellschaft vom Vize­präsidenten des Verwaltungsrates Herrn kaiserlichen Rat Carl Spängler[4], dem Verwaltungsrats­mitgliede Herrn Cathrein und Herrn Direktor Schroeder ehrfurchtsvoll empfangen und auf den Perron geleitet. Hier fragte Seine Majestät in fran­zösischer Sprache Herrn Direktor Schroeder, indem er auf den Gaisberg zeigte, ob dies der Berg sei, auf welchen die Zahnradbahn führe. Auf die Be­jahung dieser Frage schüttelte er erstaunt das Haupt und begab sich sodann zu dem für ihn reservierten, mit Samtpolstern und Teppichen ausgestatteten Coupé und bestieg den Sonderzug.

Wenige Minuten vor dreiviertel fünf Uhr erfolgte die Abfahrt. Bei der ersten starken Steigung überkam den Schah, wie es schien, ein gewisses Bangen; denn er sprang plötzlich auf und wies auf die kühn aufstrebende Bahntrasse, es nicht für mög­lich haltend, dass der Zug dahinaufkommen könne. Er wurde indes darüber aufgeklärt, dass volle Sicher­heit vorhanden sei, und beruhigte sich bald.

Auf der Gaisbergspitze angekommen, erhielt der Schah von der Gattin des Herrn Dir. Schroeder, Frau Valy Schroeder, ein prächtiges Rosen­bouquet überreicht, das er huldvoll dankend entgegen­ nahm. Der Glockenverkäufer, Herr Franzky jun., überreichte dem Beherrscher der Perser ein großes Edelweißbouquet, das dieser gleichfalls dankend ent­gegennahm. Dann eilte er auf den Tisch zu, auf welchem die kunstbemalten Alpenglocken standen, und nahm die größte derselben, sie ein paar Male schwin­gend; ein Gleiches tat der kleine Liebling des Schah. Indes schien der Glockenton nicht den Beifall Seiner Majestät gefunden zu haben, denn der Schah stellte sie wieder hin, ohne eine zu kaufen.

Da das Wetter auf dem Berge ziemlich stürmisch war, so verfügte sich die ganze Gesellschaft in das Hotel. Der Schah besuchte alle Wohnräume, ja selbst die Küche, und bestieg sodann den Aussichtsturm, den er aber, da jede Fernsicht benommen war, bald wieder verließ. Sodann ließ er sich von dem Hotelier Herrn Lautz eine Tasse Tee und später ein Poulard mit einer Flasche Château Latour servieren und sprach über das Gebotene sein Lob aus. Die Herren des Gefolges tranken zumeist Tee.

Wiederholt nahm der Schah Veranlassung, seiner besonderen Befriedigung über die Bergfahrt und die ganze Bahnanlage Ausdruck zu geben, und noch im Hotel eröffnete der persische Gesandte Neriman Khan Herrn Dir. Schröder, dass Seine Majestät der Schah ihm als dem Erbauer der Bahn eine Ordensauszeichnung verliehen habe. Nach anderthalb­ stündigem Verweilen im Hotel wurde aufgebrochen.

Der kleine Lieblingsknabe des Schah hatte inzwischen schon die sämtlichen Verkaufsläden nächst dem Hotel besucht und zahlreiche Einkäufe gemacht. Nunmehr musste aber auch der Schah dieselben über sein Andringen besuchen. Der Kleine sprang voran und ihm nach eiligen Schrittes der Schah. Zuerst wurde in Pflauder’s Salon, dann in allen nebenliegenden Ge­schäften Einkäufe gemacht, und zwar in großer Menge. Die persischen Diener hatten genug zu tragen.

Vor der Abfahrt wurde Herrn Photographen Pflauder noch die Ehre zuteil, den Schah und sein Gefolge dreimal aufnehmen zu dürfen, wobei der Schah für jede Aufnahme die Stellung wechselte. Nicht weniger als sechs Dutzend Bilder von jeder Aufnahme wurden bestellt. Ohne Störung, wie die Bergfahrt, verlief auch die Talfahrt, und unten angekommen, nahm Seine Majestät nochmals die Gelegenheit wahr, seinen lebhaften Beifall über die gelungene Fahrt kundzugeben.

Abends 8 Uhr fand im Hotel Europe ein Gala­ Diner statt, zu welchem die österreichischen Würden­träger und die ersten Dignitäre[5] des Schah geladen waren. Nach dem Diner hatte ein persischer Presti­digitateur,[6] Ghulam Hussein, die Ehre, sich vor dem Schah und der hohen Gesellschaft produzieren zu dürfen. Die Leistungen des Zauberkünstlers fanden so sehr den Beifall des Schah, dass Ghulam Hussein außer einem ansehnlichen Honorare auch noch eine persische silberne Medaille erhielt. Während des Diners konzertierte die Regimentskapelle im Parke.

Die Abreise.

Heute morgens 8 Uhr 10 Minuten hat der Schah Salzburg wieder verlassen. Wenige Minuten vor 8 Uhr verließ der Schah das Hotel. Im Vesti­bül beehrte er die Gattin des Hoteliers, Frau Jung, mit einem äußerst freundlichen Gruße.

Am Bahnhofe hatten sich schon früher Seine Ex­zellenz Statthalter Graf Thun, Landeshauptmann Graf Chorinsky, Bürgermeister Dr. Schu­macher und andere Dignitäre eingefunden, ebenso hatte wieder die Ehrenkompanie mit Fahne und die Regimentskapelle daselbst Aufstellung genommen. Zur Fahrt nach Wien wurde dem Schah der neu pracht­voll ausgestattete kais. Hofzug zur Disposition gestellt.

Als der Schah auf dem Perron erschien, intonierte die Regimentskapelle die persische Hymne. Seine Maje­stät schritt rasch die Ehrenkompanie ab und bestieg sodann den Hof-Salonwagen. Das Gefolge sowie die österreichischen Würdenträger bestiegen desgleichen den Zug, der sich unter den Klängen der persischen Hymne in Bewegung setzte. Der Schah erschien am Fenster und grüßte nochmals den Statthalter und die übrigen zurückgebliebenen Dignitäre. Im nächsten Augenblicke war der Hofzug den Blicken entschwunden.

Wenn man aus dem reichlich niedergegangenen Ordensregen auf den Eindruck schließen darf, welchen der Schah von Salzburg mitgenommen, dann war derselbe auch diesmal wieder ein überaus günstiger. Wie wir erfuhren, wurden persische Sonnen- und Löwenorden verliehen an: Seine Exzellenz den Statt­halter Grafen Thun, Landeshauptmann Grafen Chorinsky, Bürgermeister Dr. Schumacher, Oberstlieutenant Baron Goumoëus, Hauptmann Baron Giesl, Oberstlieutenant Scheidl, Haupt­mann Sax, Präsidialsekretär Dr. Weber, Gais­bergbahn-Direktor Schröder und Kapellmeister Mahr.

Ein Bild - zwei Fotografen

Das Bild vom Schah von Persien bei der Bergstation von der Gaisbergbahn ist in zwei nahezu identen Varianten überliefert, denen unterschiedliche Fotografen zugeschrieben werden.

In einem Artikel der "Salzburger Nachrichten" am 2. Februar 2021[7] – "Der Zug brachte die Gäste: Als Salzburg Touristenstadt wurde" – war folgendes Bild zu sehen, das 2026 nicht mehr beim Artikel zu sehen war. Laut den damaligen Bilddaten handelte es sich um ein Bild aus dem Stadtarchiv Salzburg aus der Sammlung Würthle. Es ist das Bild am Anfang dieses Artikels.

Das Bild von Pflauder aus der digitalen Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek.

2026 wurde dieselbe Aufnahme in der digitalen Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek gefunden – siehe Bild unten. Auf dieser Postkartenansicht ist Friedrich Pflauder richtigerweise als Fotograf vermerkt. Pflauder hatte sein Atelier auf der Gaisberg-Plateau in der Villa Pflauder (heute Gasthaus Kohlmayr’s Gaisbergspitz), die direkt neben der Bergstation der Gaisbergbahn stand.

Quelle

  • viewer.onb.ac.at, Daten zum Bild in der digitalen Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek

Einzelnachweise und Fußnoten

  1. ↑ ANNO, "Salzburger Volksblatt", Ausgabe vom 22. August 1889, Seite 2
  2. ↑ Bahnsteig
  3. ↑ ANNO, "Salzburger Volksblatt", Ausgabe vom 23. August 1889, Seite 2
  4. ↑ in diesem Artikel des "Salzburger Volksblatts" fälschlicherweise als "kaiserlicher Rat" tituliert - das war aber sein Bruder Alois II. Spängler
  5. ↑ hohe Würdenträger
  6. ↑ Zauberkünstler
  7. ↑ sn.at, 2. Februar 2021