Wolf Dietrich von Raitenau

Aus SALZBURGWIKI
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Wolf Dietrich von Raitenau (* 26. März 1559 auf Schloss Hofen bei Lochau, Nähe Bregenz, Vorarlberg, † 16. Jänner 1617 in Salzburg auf der Festung Hohensalzburg), war einer der bedeutesten Erzbischöfe von Salzburg von 1587 - 1612.

Sein Leben

Er stammte aus einer im Bodenseeraum beheimateten begüterten Familie. Sein Vater, Hans Werner, war Kriegsoberst, seine Mutter Helene Gräfin Hohenems war die Schwester des Vaters des Kardinals Markus Sittikus von Hohenems.

Wolf Dietrich studierte in Pavia, Italien und Rom am Collegium Germanicum. Bereits mit 28 Jahren wurde er zum Erzbischof gewählt, trat für die katholische Erneuerung ein, berief Kapuziner und Augustiner-Eremiten nach Salzburg und verbesserte das Schulwesen. Er war hoch gebildet, von scharfem Verstand, doch unberechenbar, sprunghaft und jähzornig.

Er begann 1588 die Umgestaltung von Salzburg zur Barockstadt und erweiterte durch Abbruch von Bürgerhäusern die Fürstenstadt durch Anlage der großen Gebäude und Plätze rund um den Dom. Während seiner Regierungszeit wurde 1595 der Umbau der Residenz und um 1606 der Bau von Schloss Altenau, von seinem Nachfolger in Schloss Mirabell umbenannt, in Angriff genommen. Das Schloss war der Wohnsitz für seine Lebensgefährtin Salome Alt, die ihm 15 Kinder gebar.

Im Jahr 1599 verlegte er die Hinrichtungsstätte der Stadt Salzburg von Schallmoos in den Süden der Stadt. Seither erinnern die drei Kreuze in Schallmoos an den Ort des letzten Gebetes der Delinquenten vor der Hinrichtung.‎‎

Nach dem Brand des Doms (1598) legte er 1611 den Grundstein für einen neuen Dombau nach Plänen des berühmtesten italienischen Architekten der damaligen Zeit, Vincenzo Scamozzi. Wolf Dietrich wollte eine Kirche wie den Petersdom in Salzburg errichten und ließ dazu Teile des Domklosters am Kapitelplatz abreißen und den Friedhof (Residenzplatz) in die Neustadt verlegen (Sebastiansfriedhof). Seine Gefangennahme verhinderte den Dombau, den erst sein Nachfolger Markus Sittikus von Hohenems nach völlig neuen Plänen begann.

Erst in jüngster Zeit fanden der Salzburger Historiker Gerhard Ammerer und die Projektgruppe zur Erforschung der Salzburger Residenz heraus, dass Wolf Dietrich ein prunkvolles Hofleben führte, die Verwaltung vergrößerte, aber sie zu ökonomisieren versuchte, und als absoluter Herrscher regierte. Er rechercherierte in Besoldungslisten, die auf einen großen Hofstaat schließen lassen, wie er zu dieser Zeit im europäischen Bereich üblich war. Tanz- und Fechtmeister kamen aus Frankreich, Musiker und Sänger aus Italien. Die Livreen der Bediensteten entsprachen der neuesten Mode und wurde von Frankreich beeinflusst. Auch das Hofzeremoniell war streng geregelt. So war etwa festgelegt, wer wohin gehen durfte, wer sitzen durfte und auf welchem Polstermöbel.

Neuere Forschungen (2009) haben aber ergeben, dass er nicht mehr oder weniger Geld für Repräsentationen ausgab, als andere Fürsten der 89 geistlich-weltlichen Fürstentümer seinerzeit. Auch seine Umbaupläne für die Stadt Salzburg, der Abriss (mittelalterlicher) Häuser im Stadtkern (für den Domneubau) fielen nicht aus der Rolle im Vergleich zu den Vorgangsweisen anderen Fürst(erz)bischöfe von damals[1]

Er hatte wegen seines unnachgiebigen Auftretens viele Konflikte, wurde wegen des Salzbergbaus in eine bewaffnete Auseinandersetzung mit Bayern (Salzkrieg, 1611) verwickelt. Trotz eines wohl ausgebildeten Heeres verließ den Erzbischof in letzten Minute der Mut und er floh nach Kärnten. Bereits auf Kärntner Boden wurde er von den bayerischen Truppen jedoch gefangen genommen und resignierte am 7. März 1612. Sein Nachfolger, Markus Sittikus von Hohenems, hielt ihn bis zu seinem Tod auf der Hohensalzburg gefangen. Er hatte sich zu Lebzeiten schon sein eigenes Mausoleum, die Gabrielskapelle (1597 - 1603) in dem von ihm 1595 - 1600 errichteten Sebastiansfriedhof gebaut.

Erinnerungstafel an Wolf Dietrich beim Eingang zum Sebastiansfriedhof

Seine Bauwerke

Weblinks

Fußnote

  1. Quelle Beitrag Salzburg heute am 21. Februar 2009

Quellen

Zeitfolge