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Die dem hl. Gabriel geweihte Kapelle wurde von [[1597]] bis [[1603]] - zu Lebzeiten des Fürsterzbischofs - in der Mitte des Sebastiansfriedhofs durch den italienischen Baumeister und Stukkateur [[Elia Castello]] erbaut. Die Kapelle wurde durch das Testament, das links und rechts der Altarnische auf Bronzetafeln angebracht ist, als Wolf-Dietrich-Grabmal (Mausoleum) bestimmt. Am [[19. Jänner]] [[1617]] wurde der nach langer Haft auf der [[Festung Hohensalzburg]] verstorbene Fürsterzbischof in einem Sarkophag in einer großen Trauerfeierlichkeit beigesetzt. | Die dem hl. Gabriel geweihte Kapelle wurde von [[1597]] bis [[1603]] - zu Lebzeiten des Fürsterzbischofs - in der Mitte des Sebastiansfriedhofs durch den italienischen Baumeister und Stukkateur [[Elia Castello]] erbaut. Die Kapelle wurde durch das Testament, das links und rechts der Altarnische auf Bronzetafeln angebracht ist, als Wolf-Dietrich-Grabmal (Mausoleum) bestimmt. Am [[19. Jänner]] [[1617]] wurde der nach langer Haft auf der [[Festung Hohensalzburg]] verstorbene Fürsterzbischof in einem Sarkophag in einer großen Trauerfeierlichkeit beigesetzt. | ||
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Die Gabrielskapelle wurde im Stil des frühen [[Barock]]s errichtet und innen reich ausgestattet. Sie ist vergleichsweise auffallend bunt gestaltet. Die Innenwand des Rundbaus ist mit mittelgroßen quadratischen Kacheln in auffällig bunten Farben, die Kuppel mit kleinen quadratischen Kacheln in den Farben gelb und blau verkleidet. | Die Gabrielskapelle wurde im Stil des frühen [[Barock]]s errichtet und innen reich ausgestattet. Sie ist vergleichsweise auffallend bunt gestaltet. Die Innenwand des Rundbaus ist mit mittelgroßen quadratischen Kacheln in auffällig bunten Farben, die Kuppel mit kleinen quadratischen Kacheln in den Farben gelb und blau verkleidet. | ||
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Die Altarnische überspannt ein hoher Triumphbogen (kanellierte Pilaster mit korinthischem Kapitel), der im Zenit das Wappen von Wolf Dietrich (schwarze Kugel auf silbernem Feld) in bunten Farben zeigt. Auch sonst ist überall in der Kapelle und am Altar das Wappen des Fürsterzbischofs zu sehen, sogar in der Mitte der Laterne, wo sich sonst ein Symbol für die Dreifaltigkeit befindet. | Die Altarnische überspannt ein hoher Triumphbogen (kanellierte Pilaster mit korinthischem Kapitel), der im Zenit das Wappen von Wolf Dietrich (schwarze Kugel auf silbernem Feld) in bunten Farben zeigt. Auch sonst ist überall in der Kapelle und am Altar das Wappen des Fürsterzbischofs zu sehen, sogar in der Mitte der Laterne, wo sich sonst ein Symbol für die Dreifaltigkeit befindet. | ||
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| − | :''Wolfgangus Theodoricus | + | : ''Wolfgangus Theodoricus Raittenauius Salis:burgensium Archiep(i)s(copus) et Princeps Sacelli q(ue) huius et caemiterii fundator, plebem suam, dum viveret, enixè fovens, amans q(ue) inter eandem pariter in hac aedicula mortuus sepeliri Deo sic permittente statuit, ideo q(ue) et eos, penes quos post ipsius obitum suprema rerum huius Provinciae erit, vivus hoc Epitaphio hortatur et in D(omi)no rogat, vti defuncti cadaver ne exenterent, neve ultra viginti qua(r)dutor horas spectandum publice proponant, sed statim conditionib(us) hisce sepulturae mandent. Nimirum non aliis quam quotidianis viventis vestib(us) induunto. Famuli a cubiculo obscurioris sortis quod vivu(m) curabant corpus terrae inferunto; feretrum unius signu(m) crucis cum qua(r)dutor tantum cereis praecedunt q(ue): illud ipsum sex omnino religiosi ordinis d(e) Francisci de observantia neculii alii comitantor, id q(ue) non interdiu, sed noctu absq(ue) Campanarum pulsu, excepta ea, quae prope sacellum defuncti apud S. Sebastianum est exequuntur. nemo vestem lucumbrem funeris huius causa sumito, sed potius D. O. M. pro defuncti anima peccatis que exoranto et deprecantor. Singula haec ita integra et illae sa sunto et a posteris custodiuntor, atque conservantor, sicut D. O. M. et ipsi post eata sibi propitium orant exoptantq(ue).''<ref>Quelle: Foto, vergleiche mit [[Lorenz Hübner]], Beschreibung der hochfürstlich-erzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt Salzburg und ihrer Gegenden verbunden mit ihrer ältesten Geschichte, [http://books.google.at/books?id=e2YAAAAAcAAJ&pg=PA357#v=onepage&q=&f=false Erster Band (Topographie), S. 357] (Salzburg [[1792]])</ref> |
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Version vom 21. Mai 2020, 11:42 Uhr
Die Gabrielskapelle ist eine Grabkapelle (Mausoleum) des Fürsterzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau in der Stadt Salzburg.
Lage
Sie befindet sich am Sebastiansfriedhof in der rechtsufrigen Altstadt von Salzburg.
Geschichte
Die dem hl. Gabriel geweihte Kapelle wurde von 1597 bis 1603 - zu Lebzeiten des Fürsterzbischofs - in der Mitte des Sebastiansfriedhofs durch den italienischen Baumeister und Stukkateur Elia Castello erbaut. Die Kapelle wurde durch das Testament, das links und rechts der Altarnische auf Bronzetafeln angebracht ist, als Wolf-Dietrich-Grabmal (Mausoleum) bestimmt. Am 19. Jänner 1617 wurde der nach langer Haft auf der Festung Hohensalzburg verstorbene Fürsterzbischof in einem Sarkophag in einer großen Trauerfeierlichkeit beigesetzt.
Beschreibung
Die Gabrielskapelle wurde im Stil des frühen Barocks errichtet und innen reich ausgestattet. Sie ist vergleichsweise auffallend bunt gestaltet. Die Innenwand des Rundbaus ist mit mittelgroßen quadratischen Kacheln in auffällig bunten Farben, die Kuppel mit kleinen quadratischen Kacheln in den Farben gelb und blau verkleidet.
Die großen Statuen in den seitlichen Nischen sind die vier Evangelisten aus dem Neuen Testament: Matthäus (Symbol Mensch), Markus (Symbol Löwe), Lukas (Symbol Stier) und Johannes (Symbol Adler). Sie stammen vermutlich von Josef Anton Pfaffinger.
Über dem Altar befindet sich ein Rundbogengewölbe, das mit buntem Stuck von Elia Castello — ähnlich wie in der Neuen Residenz — ausgestattet wurde. Das Gewölbe ist in neun Felder aufgeteilt. In Zentrum befindet das Wappen von Wolf Dietrich (schwarze Kugel auf silbernem Feld). Umgeben ist es von vier Feldern mit ovalem Rahmen, in denen die vier Grundtugenden oder Kardinaltugenden als allegorische weibliche Figuren in Farbe dargestellt sind: die Gerechtigkeit (lat. iustitia mit den Attributen Waage und Schwert), die Mäßigung (lat. temperantia mit den Attributen Wasserkrug und Wasserschale), die Stärke (lat. fortitudo mit dem Attribut Säule) und die Weisheit (lat. sapientia mit dem Attribut Spiegel). In den Ecken sind vier Felder mit quadratischem Rahmen, in denen vier Kirchenmänner (zwei Bischöfe, ein Kardinal und der Papst) dargestellt sind.
Die Seitenwände der Altarnische sind mit farbigen Kacheln geschmückt, die eine umlaufende Ranke (Akanthus?) zeigen.
Die Altarnische überspannt ein hoher Triumphbogen (kanellierte Pilaster mit korinthischem Kapitel), der im Zenit das Wappen von Wolf Dietrich (schwarze Kugel auf silbernem Feld) in bunten Farben zeigt. Auch sonst ist überall in der Kapelle und am Altar das Wappen des Fürsterzbischofs zu sehen, sogar in der Mitte der Laterne, wo sich sonst ein Symbol für die Dreifaltigkeit befindet.
Testament von Wolf Dietrich
Die Inschriften des Testaments von Wolf Dietrichs lauten:
linkes Epitaph
- D:(eo) O:(ptimus) M:(aximus)
- ergänze
rechtes Epitaph
- Wolfgangus Theodoricus Raittenauius Salis:burgensium Archiep(i)s(copus) et Princeps Sacelli q(ue) huius et caemiterii fundator, plebem suam, dum viveret, enixè fovens, amans q(ue) inter eandem pariter in hac aedicula mortuus sepeliri Deo sic permittente statuit, ideo q(ue) et eos, penes quos post ipsius obitum suprema rerum huius Provinciae erit, vivus hoc Epitaphio hortatur et in D(omi)no rogat, vti defuncti cadaver ne exenterent, neve ultra viginti qua(r)dutor horas spectandum publice proponant, sed statim conditionib(us) hisce sepulturae mandent. Nimirum non aliis quam quotidianis viventis vestib(us) induunto. Famuli a cubiculo obscurioris sortis quod vivu(m) curabant corpus terrae inferunto; feretrum unius signu(m) crucis cum qua(r)dutor tantum cereis praecedunt q(ue): illud ipsum sex omnino religiosi ordinis d(e) Francisci de observantia neculii alii comitantor, id q(ue) non interdiu, sed noctu absq(ue) Campanarum pulsu, excepta ea, quae prope sacellum defuncti apud S. Sebastianum est exequuntur. nemo vestem lucumbrem funeris huius causa sumito, sed potius D. O. M. pro defuncti anima peccatis que exoranto et deprecantor. Singula haec ita integra et illae sa sunto et a posteris custodiuntor, atque conservantor, sicut D. O. M. et ipsi post eata sibi propitium orant exoptantq(ue).[1]
Bildergalerie
- Salzburg Kupferstich 1750 Detail Nr 31 Gabrielskapelle.jpg
weitere Bilder
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Quellen
- Franz Martin: Salzburg, ein Führer durch seine Geschichte und Kunst, Verlag "Das Bergland-Buch", 1952 (Neuauflage)
- Dopsch, Heinz und Hoffmann, Robert: Salzburg, die Geschichte einer Stadt, Verlag Anton Pustet, 2. aktualisierte Auflage 2008, ISBN 978-3-7025-0598-1
Einzelnachweis
- ↑ Quelle: Foto, vergleiche mit Lorenz Hübner, Beschreibung der hochfürstlich-erzbischöflichen Haupt- und Residenzstadt Salzburg und ihrer Gegenden verbunden mit ihrer ältesten Geschichte, Erster Band (Topographie), S. 357 (Salzburg 1792)