Zentrale Gewerbliche Fortbildungsschule Salzburg

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Historische Aufnahme des Schulgebäudes, undatiert, vermutlich an Kriegsende.

Die Gewerbliche Zentralfortbildungsschule war ein Schulgebäude, das den Großteil der in der Stadt Salzburg angesiedelten gewerblichen Fortbildungsschulen beherbergte.

Geschichte

Das Schulgebäude mit dem Standort Weiserstraße 1a wurde 1931 – also mitten in der Weltwirtschaftskrise – nach Plänen des Architekten Richard Bandian erbaut[1] und am 24. Oktober 1931 eröffnet. Bis dahin gab es in der Stadt Salzburg 15 gewerbliche Fortbildungsschulen (für die verschiedenen Zweige der gewerblichen [kaufmännischen und handwerklichen] Berufe), die auf unterschiedliche Schulgebäude, meist Hauptschulen, verteilt waren.[2][3]

Über das damals neue Gebäude wurde in der "Salzburger Wacht" berichtet:[3]

Das neue Fortbildungsschulhaus
Heute vormittag wurde das neuerbaute Fortbildungsschulhaus in der Weiserstraße eröffnet. Von den 15 Fortbildungsschulen, die bisher in der Stadt Salzburg bestanden, werden 13 in das neue Haus übersiedeln; lediglich die Fortbildungsschulen für Gastgewerbeangestellte und für Handelsangestellte verbleiben in den bisher von ihnen innegehabten Räumen.
Mit der Eröffnung des neuen Hauses erfährt das Fortbildungsschulwesen der Stadt Salzburg eine tiefgreifende Umgestaltung. Bisher konnten die Lehrlinge nur in den Wendstunden unterrichtet werden, da die Lehrzimmer tagsüber von den Hauptschulen, bzw. von der Bundesanstalt für Hochbau und Elektrotechnik benützt werden mußten. Nun wird in Uebereinstimmung mit den Wünschen der Dienstgeber und der Lehrlinge der Tagesunterricht eingeführt. Jede Fortbildungsschule erhält an einem bestimmten Wochentag Unterricht in der Dauer von neun Stunden, beginnend um 7 Uhr früh. Und jede Fortbildungsschule verfügt im neuen Hause über eine eigene Lehrwerkstätte, so daß Theorie und Praxis in Zukunft sich einen werden. Allerdings, die Lehrwerkstätten weisen – mit einer Ausnahme – heute noch einen bedauerlichen Mangel auf: Die Räume für diese Werkstätten sind geschaffen, und zwar wie wir bei einer Besichtigung feststellen konnten, sind diese Räume ungemein zweckmäßig angeordnet. Im Kellergeschoß sind die Werkstätten für Maler und Tapezierer, im Halbstocke die Werkstätten für Schuhmacher, Buchbinder, Friseure, Buchdrucker, Elektriker, Gas- und Wasserleitungsinstallateure, Spengler und Kupferschmiede, im 1. Stock die Werkstätten für Glaser, Kleidermacherinnen und Kleidermacher. Aber – in den meisten dieser Lehrwerkstätten fehlt die erforderliche maschinelle Einrichtung, denn die Mittel, die zur Verfügung standen, sind erschöpft. Bis jetzt werden für Bau und Einrichtung der Schule 1,085.368 S ausgegeben – und es gelang noch nicht, weitere Kredite zu erlangen. Lediglich die Lehrwerkstätte für Installateure ist, dank der Opferwilligkeit der Genossenschaft, ziemlich ausreichend mit Lehrmitteln versehen. Die Werkstätte für farbenverarbeitende Gewerbe hat in der Spritzwerkstätte einen Musterbetrieb für die Farbspritztechnik mit einer prächtig funktionierenden Farbnebelabsaugung eingerichtet. Die übrigen Lehrwerkstätten müssen sich vorläufig mit ihrem alten, bereits vorhandenen Inventar begnügen.
Das neue Haus enthält außer der Lehrwerkstätten sechs geräumige Schulzimmer und vier große Zeichensäle mit Kabinetten. Besonders hübsch ist der durch Adaptierung des alten Gebäudes des Gewerbeförderungsinstituts gewonnene große Vortragssaal mit 150 Sitzen, mit einem modern ausgestalteten eigenen Kinoraum für den Vorführungsapparat. Sehr zu begrüßen sind die sanitären Einrichtungen für die Lehrlinge: Waschräume und ein großes Brausebad mit 14 Brausen. Gleichzeitig erhielt natürlich auch Fortbildungsschulrat und Schulleitung entsprechende Räume: eine Direktorskanzlei, zwei Räume für Buchhalter, einen Raum für das Präsidium. Im Südtrakt des Gebäudes liegen die Räume des Gewerbeförderungsinstitutes.
Die Bauarbeiten wurden sämtlich nach den Plänen des akademischen Architekten Richard Bandian und unter dessen Oberleitung von den heimischen Baufirmen Pirkl & Eysert (neuer Schultrakt) und Stadtbaumeister Franz Wagner (Um-, An- und Aufbau des Instituts⁣gebäudes) ausgeführt.
Die Zahl der am Bau und für die Beschaffung der allerdringendsten Schuleinrichtung beschäftigten Firmen beträgt über 75, wovon 69 dem heimischen Gewerbestand angehören. Durch den Bau konnte den heimischen Gewerbetreibenden eine Beschäftigung für rund 273.000 Arbeitsstunden geboten werden."

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich (1938) wurden die Fortbildungsschulen in "Berufsschulen" umbenannt. Die im bisherigen Zentralfortbildungsschulgebäude untergebrachten nunmehrigen Berufsschulen wurden zur "Zentralberufsschule" vereinigt, mit ihrer Leitung wurde kommissarisch der Nationalsozialist Hans Ecker betraut.[4] Im Jahr 1942 umfasste die Schule 86 Klassen mit zusammen 2000 Schülern.[5]

Das Schulgebäude wurde 1944 (im Krieg) zerstört.[1] In der Folge waren die einzelnen Berufsschulzweige auf andere Schulgebäude verteilt, bis Anfang der 1950er-Jahre im Stadtteil Lehen ein neues Zentralberufsschulgebäude mit 18 Klassenzimmern, vier Zeichensälen und Nebenräumen[6] fertiggestellt war.

Quellen

  1. ↑ 1,0 1,1 Salzburger Kulturlexikon online, Eintrag "Richard Bandian"
  2. ↑ Salzburger Amtskalender 1930, S. 111
  3. ↑ 3,0 3,1 Salzburger Wacht, 24. Oktober 1931, S. 5: Das neue Fortbildungsschulhaus
  4. ↑ Salzburger Amtskalender 1941, S. 85; Salzburger Volksblatt, 7. September 1940, S. 7: Vom Schuldienste
  5. ↑ Salzburger Amtskalender 1942, S. 91
  6. ↑ Salzburger Nachrichten, 27. September 1950, S. 7