Zeigeraufstellen auf der Vormauer

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Vormauerstein mit Almhütten
Grafbauer Hias 1964
Sennerin Resi Leitner

Das Zeigeraufstellen auf der Vormauer ist ein uralter Brauch im Salzkammergut.

Allgemeines

Am "Jackerl-Tag", dem Patroziniumsfest des heiligen Jakobus Major, am 25. Juli jeden Jahres, wird seit urdenklichen Zeiten von den Bauern der Almgemeinschaft Vormaueralm der "Zeiger" aufgestellt.

Als Patron der Pilger ist Jakobus mit den Attributen der Pilgermuschel und des Wanderstabes dargestellt. Dieser Wanderstab, ein Zeiger, war für Eingeweihte hier am Wolfgangsee das Zeichen, dass auf der Hochalm der Vormauer der Almbetrieb in vollem Gange war. Auch eine Sennerin und ein Senn sind Wanderer. Im Frühjahr ging es erst auf die Niederalm und allmählich je nach Futterstand höher und höher hinauf. Auf der Hochalm blieb man den ganzen Sommer bis zum Abtrieb des Viehs.

Die Voraussetzung für die Almwirtschaft, waren große Waldschenkungen der baierischen Herzöge an die neugegründeten Klöster, zu denen die Höfe gehörten. Die Rodung der Almen im Wolfgangtal war ein wesentlicher Faktor zur Viehwirtschaft auf den Höfen im Tal. Vom 15. Jahrhundert an hatte hier jeder Bauer seine Nieder- und Hochalm. Es ist eine schicksalhafte Pionierleistung der Bergbauern mit ihren Almen und Bergwiesen zu einer selbständigen Wirtschaftseinheit zu werden, die zur Existenzgrundlage bergbäuerlichen Lebens überhaupt erst beitrug. Die Almwirtschaft war ein Gesundbrunnen für Mensch und Tier, das Futter ist viel aromatischer als in den Talniederungen.

Auf der Vormauer waren dies die Güter zu "Aschau" vlg. Grafbauer, "Peylnsteinergut", "Maiergut am Hof" vlg. Moarbauer, das Gut zu "Pamschwandt" vlg. Hauslbauer, (Hütte 1942 abgebrannt, jetzt wieder neu errichtet), Gut zu Appesbach "Bacherlbauer", "Gut in der Schwand" vlg. Gschwandner, alle im Urbar des Klosters Mondsee um 1416 erwähnt. Sie mussten an ihre Grundherrschaft Käse und Butterschmalz Zinsen, den "Zehent", abliefern. Für eine Kuh mussten damals 50 und für ein Schaf zehn Käslaibchen zu einem halben bis einem Kilo geliefert werden, an den Salzburger Erzbischof so im Jahr 40 000 Käse "gezinst" werden.

So war das Aufstellen des "Zeigers" ein sehr sinnvolles Fest auf der Vormaueralm und in früherer Zeiten auf vielen Gipfeln des Salzkamergutes. Resi Leitner, (Leitner Bauer Zinkenbach) die legendäre Fotzhobel-Gitarrespielende Sennerin, berichtete von diesem Brauch auf der Bleckwand, IllingerbergZinkeneck, Breitenbergalm und Zwölferhorn, wo sie ihr Leben lang Almdirn war. Es wurde damit angezeigt, dass alle Hütten mit Sennerinnen und Sennen besetzt sind und die Almwirtschaft in vollem Gange ist.

Auf der Vormauer hatten die Almdirnen und Sennen bedingt durch das steile, sehr gefährliche Gelände auch Kühbuam zum Hüten, Einmähen des Bettheus und vielen Handgriffen in der Almhütte beigestellt. Diese Almbuam, Söhne der Bauern oder Buben aus dem Markt die man für Kost und Quartier in schlechten Zeiten ausstiften konnte, waren die Organisatoren dieses Festes.

Früh am Morgen des Jakobustages brachen die Burschen, verstärkt durch die heiratsfähigen Jungmänner des Tales auf, um einen geeigneten "Zeiger" eine gerade gewachsene Fichte zu fällen, die sie im Anschluss schälten und auf den Gipfel des Vormauersteines schleppten. Das Messen der Kräfte und das prahlerische Imponiergehabe im angehenden Mannesalter standen hier im Vordergrund. Wer den kleinen steil abfallenden Platz am Vormauerstein kennt, weiß wie absturzgefährdet die Burschen waren und heute noch sind. Nachdem der weithin ins Wolfgangtal sichtbare "Zeiger" gesichert war, begann in den Almhütten das große Fest. Blasmusikgruppen, Quartette, Fotzhoblspieler, Gstanzlsinger und Pascher wechselten sich ab, sie bildeten die musikalische Festumrahmung des fröhlichen Tages auf der "Höh".

Die Sennerinnen und "Mentscha", die Dirndln, waren mit dem Wenden des "Muases"(einer aus Eiern, Mehl, Milch und Butter bestehenden Mehlspeise) welche in der über dem offenen Feuer befindlichen Riesenmuaspfanne zerpflückt, gewendet und fertig gekocht wird, beschäftigt. Die Stimmung beim Schmausen wurde durch einige Schnapserln richtig angeheizt. Mit den besten Gamsbärten am Hut, und dem seltensten Blumenschmuck aufgeputzt, den größten Edelweißsternen aufgesteckt, tanzten die Burschen mit den Mädchen in der Almhütte. Oft waren so viele Teilnehmer, dass das Fest sich auf mehrere Hütten aufteilte.

Die Gstanzlsinger wiesen darauf hin: Dass "am Summerauerstoa der Zeiger steht alloa." ... "Im Haarnadelspitz ham die Vögel eanan Sitz" ... "Mai Schatz is a Jaga, a sakrischa Bua, Ear schiaßt ma di Gamsböck und bußl’d mi dazua". So gingen die Spottgesänge hin und her bis spät in die Nacht hinein. Mit Laternen suchte man oft den beschwerlichen Heimweg ins Tal. Viel wurde über das "Zeigeraufstellen" und den fröhlichen Ausklang zu Hause erzählt.

Auf der Vormauer hat sich dieser uralte Brauch dank der Initiative vom "Graf Hias" bis heute erhalten. Auf den meisten Gipfeln und Almen des Salzkammergutes ist durch das Zurückgehen der Viehwirtschaft, die Erhaltung der lebensfrohen Sitten und Bräuche aus "Urgroßvaters Zeiten" nur mehr vereinzelt anzutreffen.

Wenn die Sennerinnen keinen Unfall mit ihren Tieren auf der Alm hatten, werden die Kühe Jungtiere und Schafe zum Abtrieb im Spätherbst prächtig geschmückt und bei jeder Gedenktafel, einem Kreuz oder einem Marterl am Heimweg wird ein Abrauschbuschen als Dank des Gedenkens hinterlegt. Auf den Bauernhöfen wird festlich aufgekocht und alle warten dankbar auf das Eintreffen der Heimkehrer. Ein fröhlicher Ausklang des langen, schönen Almsommer ist der Dank an die Sennerinnen, Sennen und ihre Helfer auf den Höfen im Tal.

Quellen

  • Friedrich Barth: Heimatbuch St. Wolfgang
  • Leopold Ziller: St. Gilgen
  • Adele Sungler: Eigene Erfahrung, alte Aufzeichnungen und mündlichen Überlieferungen
  • Dr. Adalbert Depiny: Landes und Volkskunde Jahrgang 1919/20

Verfasser

Dieser Artikel wurde von Adele Sungler verfasst und als Word-Dokument an das Salzburgwiki gesandt. Alle Bilder aus dem Archiv Adele Sungler.