Margaretha Moises

Margaretha Moises (* März 1932 in Bad Hofgastein; † 29. Mai 2026 in Kolumbien) war Franziskaner-Missionsschwester und seit 1953 als Entwicklungshelferin in Kolumbien tätig.
Leben
Aufgewachsen als eines von sieben Geschwistern in einer religiös wie sozial engagierten Familie bei Bad Hofgastein, trat die Bauerntochter Margaretha Moises mit knapp 18 Jahren in den Orden der Franziskaner-Missionsschwestern ein. Sie folgte damit dem Beispiel ihrer älteren Schwester Maria Herlinde – in der Hoffnung, in Ländern wie Brasilien und Kolumbien als Entwicklungshelferin tätig sein zu können. 1951 fuhr die ausgebildete Lehrerin, die seit 1949 den Franziskanerinnen in Gaißau (Vorarlberg) angehörte, zum ersten Mal nach Kolumbien. Nach einer zweijährigen Vorbereitungsphase kam sie 1953 nach Kolumbien. Sie überquerte Margarete Moises von Le Havre (Frankreich) aus mit einem Schiff den Atlantik. Nach drei Wochen kam sie in der kolumbianisch-karibischen Hafenstadt Cartagena an, wo sie bis zu ihrem Tod tätig war. Sie absolvierte ein Lehramtsstudium in Cartagena de Indias. 1970 schloss sie das Studium der Erziehungswissenschaften und Theologie an der Universität Javeriana in Bogotá ab. Sie übernahm Lehraufträge für Religionswissenschaften und Pastoraltheologie.
Die Franziskaner in Kolumbien betreiben Eliteschulen für die reiche Oberschicht. Der Konflikt mit den zwei österreichischen Schwestern war programmiert. Diese fühlten sich berufen, den Ärmsten und Ausgegrenzten Zugang zu Bildung zu verschaffen. Schließlich kam es zum Eklat: Ende der 1970er-Jahre wurde Margarethas Schwester Maria Herlinde inhaftiert.
Margaretha Moises trat wie ihre Schwester aus dem Orden der Franziskanerinnen aus. Die Beziehung zu der Gemeinschaft gilt als wunder Punkt in ihrer Biografie. Doch die Kämpferin für soziale Gerechtigkeit gab sich nicht geschlagen – obwohl sie sich wegen eines Einreiseverbots längere Zeit in Österreich aufhalten muss. Die Sehnsucht nach ihrer "Heimat Kolumbien" trieb sie an.
Nach Kolumbien zurückgekehrt, gründete Margaretha Moises 1980 mit der Kolumbianerin Gladys Daza das CEDAL, eine Bildungs- und Kommunikationseinrichtung für Menschen mit Sitz in Bogotá, die niemals eine Schule besucht haben.

Beide Franziskanerinnen arbeiten für unterschiedliche Projekte an unterschiedlichen Orten. Nur einmal musste Margaretha für Maria Herlinde einspringen: als die ältere Schwester verhaftet und für fünf Monate ins Gefängnis gesteckt wurde, übernahm Margaretha die Vertretung. Verhaftet wurde Maria Herlinde, weil sie sich mit einem Großgrundbesitzer anlegte. Während die Großgrundbesitzer, die bis heute über hervorragende Verbindungen zur Politik und Justiz verfügen, ihre Felder brach liegen ließen, verhungerten nur ein paar hundert Meter weiter die Kinder der landlosen Bauernfamilien. Nach vergeblichen Verhandlungen entschied sie sich zur Besetzung des Landes. Mit viel Einsatz, medialem Druck und den starken Engagements von "Sei so frei", der entwicklungspolitischen Aktion der Katholischen Männerbewegung, sowie des damaligen Erzbischofs Dr. Karl Berg und des damaligen Bundespräsident Dr. Rudolf Kirchschläger konnte die Freilassung der Missionsschwester erreicht werden.
Wenig später rief sie FUNSCRI – Fundación Social Cristiana – ins Leben. Dort werden die Ideale der Franziskaner-Gemeinschaften – allerdings außerhalb des Ordens – gelebt. Bildungsarbeit und die Gründung von Schulen und Krankenstationen stehen auf dem Programm. CEDAL wurde 1998 mit dem Erzbischof-Romero-Preis der Katholischen Männerbewegung Österreich ausgezeichnet.
Vorgestellt ist eine Beitragsreihe in den "Salzburger Nachrichten". Das SALZBURGWIKI hat hier den Originaltext übernommen. Dieser kann wiederholende Teile zu obigem Lebenslauf enthalten, sollte aber im Sinne eines Zeitdokuments nicht korrigiert werden.
Die kleine Dorfschule besteht nur aus einem Klassenzimmer. Als die Besucher aus Salzburg zu Mittag dort ankommen, mampfen (Anm.: essen) die Kleinen gerade ihre Mahlzeit. Für die 40 Mädchen und Buben ist es das einzige Essen am Tag, das sie satt macht. Es kostet hier nur 500 Pesos (etwa 30 Cent), an den öffentlichen Schulen ist es drei Mal so teuer. Das ist einer der wesentlichen Gründe, warum die Kinder in die Schule geschickt werden.
Den zweiten Grund nennt Margaretha Moises. Die Bergbauerntochter aus Bad Hofgastein ist 1953 nach Kolumbien gegangen, zuerst als Missionarin, dann (sie studierte Theologie und Erziehungswissenschaft) als Entwicklungs- und Bildungsexpertin. Auf die Frage, was sich seither in Südamerika verändert habe, sagt Moises: "Die Eltern wollen heute, dass ihre Kinder in die Schule gehen, damit sie etwas lernen, damit sie eine Berufsausbildung bekommen, damit es ihnen einmal besser geht."
Margaretha Moises ist für ihre vielen Bekannten und Unterstützer in der "alten" Heimat der Inbegriff einer Salzburgerin, die ihr Leben in die Missions- und Entwicklungsarbeit investiert hat. Die Mittsiebzigerin lebt in zwei Welten und ist in ihrer zweiten Heimat Kolumbien mit jedem kleinen Fortschritt zufrieden. "Früher ist die Schule den Eltern gleichgültig gewesen. Die Kinder wurden daheim zum Arbeiten benötigt. Jetzt gehen die Schulen über vor Kindern. Das ist die Hoffnung, die ich für dieses Land habe", sagt Moises.
"Morgen sehen wir uns wieder", ruft die Lehrerin vorsichtshalber einem Mädchen nach, das sich nach dem Mittagessen auf den Heimweg macht. Samira San Martin unterrichtet am Nachmittag die Parallelklasse. Wie überall an der Karibikküste in Kolumbien ist die Schule zu klein. Nur wenn täglich zwei Schichten gefahren werden, können die meisten Kinder Platz finden.
Ein Dutzend Mütter drückt zur selben Zeit im Gemeindezentrum der Fundación Social Cristiana (FUNSCRI) die Schulbank. Hier geht es nicht mehr um Lesen und Schreiben lernen, sondern um die ersten Schritte in Betriebswirtschaft. Kleine Geldsummen werden addiert und subtrahiert – in der Hoffnung, dass unter dem Strich ein Gewinn bleibt. "Wir wollen den Frauen helfen, dass sie ihre Produkte auf den Markt bringen und finanziell auf eigenen Beinen stehen können", sagt Margaretha Moises. "Die Frau in Kolumbien ist ein Mensch, der sehr, sehr viel ertragen muss. Die Kinder erziehen, in dieser Armut zu leben, und trotzdem ein großes Gottvertrauen haben. Diese Frauen sind Lebenskünstler."
Bei FUNSCRI können Frauen einen Mikrokredit zu 1,5 Prozent Zinsen aufnehmen. Ab 55 Euro gibt es eine Starthilfe dafür, dass sie als Kleinunternehmerinnen selbst ihren Kaffee verkaufen können. Vorher müssen sie aber den Buchhaltungs- und Verwaltungskurs machen. Die Sorge, dass das geliehene Geld nicht mehr zurückkommt, hat Carlos Acuna nicht. "Die Armen zahlen ihre Kredite ehrlicher zurück als die Reichen", sagt er – wer wollte ihm da nach der weltweiten Finanzkrise widersprechen.
Die Sozialorganisation hat ihren Sitz in Pasacaballos, einem kleinen Küstendorf nahe der Großstadt und Handelsmetropole Cartagena. Gründerin war Maria Herlinde Moises, die 2006 in Kolumbien verstorben ist. Die führenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von FUNSCRI verehren die Schwester von Margaretha Moises wie eine Heilige.
"Getragen von der festen Überzeugung Sr. Margarethas, dass es besser ist, ein Zündholz anzuzünden, als über die Dunkelheit zu klagen, werden wir den Menschen in den Hilfsprojekten in Kolumbien in diesen schweren Tagen partnerschaftlich zur Seite stehen und das Werk dieser großen Salzburger Schwester weiterhin unterstützen", sagt anlässlich ihres Todes Wolfgang Heindl, Leiter der Organisation "Sei So Frei" der katholischen Männerbewegung, die mit Moises in engem Kontakt stand.
Ehrungen
Am 16. Mai 2006 wurde sie zu "Salzburgerinnen der Woche" auf SALZBURG.AT, der Internet-Plattform für die Europaregion auf www.salzburg.at, gekürt.
Anlässlich ihres 80. Geburtstages wurde Margaretha Moises von Erzbischof Alois Kothgasser mit dem Rupert- und Virgilorden in Großgold und von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller mit dem Großen Verdienstzeichen des Landes ausgezeichnet.
Weblink
Quellen
- "Salzburger Nachrichten", u. a. vom 29. Mai 2026
- Beiträge von Josef Bruckmoser und Barbara Haimerl: Beilage "Stadt und Land" vom 31. März 2012, S. 18: "Ein Leben für die Armen"
- "Pongauer Nachrichten"
- Salzburger Landeskorrespondenz vom 16. Mai 2006
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