Kunstprojekt Einwurf

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Hier sieht man eine eingeworfene Scheibe, dahinter eine Scheibe, ein Bild von Georg Rinnerthaler bei seiner Verhaftung 1938 zeigt, darüber ein vom Künstler Bernhard Gwiggner skizziertes Schnellportrait von Bürgermeister der Stadt Neumarkt am Wallersee DI. Adi Rieger am 7. Mai 2022 bei der Eröffnung des Kunstprojekts.
Die Verhaftung des Georg Rinnerthaler am 12. März 1938 von den örtlichen Nationalsozialisten.
Am Samstag, den 7. Mai, stand Landesrat Heinrich Schellhorn als erster "Täter" mit einem Stein in der Hand vor dem ersten Fenster. Dahinter stand Ing. Mag. Michael Weese, Direktor des Salzburger Freilichtmuseums, als erstes "Opfer". Nach diesem Einwurf wurden die Rollen vertauscht, das Opfer wurde zum Täter.
Am Samstag, den 7. Mai, stand Landesrat Heinrich Schellhorn als erster "Täter" mit einem Stein in der Hand vor dem ersten Fenster. Dahinter stand Ing. Mag. Michael Weese, Direktor des Salzburger Freilichtmuseums, als erstes "Opfer". Nach diesem Einwurf wurden die Rollen vertauscht, das Opfer wurde zum Täter.
Der Künstler Bernhard Gwiggner zeichnete ein Schnellportrait von Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Heinrich Schellhorn. Das Schnellportrait und eine Scheibe, die das Bild von Georg Rinnerthaler 1938 bei seiner Verhaftung in Neumarkt zeigt, wurden dann über die eingeworfene Scheibe geklebt.

Das Kunstprojekt Einwurf ist 2022 ein Projekt im Rahmen des Projekts Orte des Gedenkens und der Erinnerung Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Land Salzburg in der Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee.

Über das Projekt

Den Wettbewerb für die künstlerische Gestaltung des ersten Gedenkortes für Widerstandskämpfer in Salzburg, der 2022 in Neumarkt am Wallersee umgesetzt wird, ist abgeschlossen, hat Bernhard Gwiggner gewonnen. Die Jury unter dem Vorsitz von Katharina Blaas-Pratscher hatte sich für die Einreichung des bildenden Künstlers Bernhard Gwiggner entschieden und schlägt diese zur Realisierung vor. Das Kunstprojekt soll an den widerständigen Georg Rinnerthaler in Neumarkt am Wallersee erinnern.

„Bernhard Gwiggner greift unter ‚Einwurf‘ auf zwei markante Stellen aus der historischen Recherche von Albert Lichtblau und Robert Obermair zur Person des Gastwirtes Georg Rinnerthaler zurück, die er visuell und aktionistisch überblendet: eine Fotografie der Verhaftung Rinnerthalers unmittelbar nach dem ‚Anschluss‘ und das gewaltsame Einschlagen von 51 Fensterscheiben seines Hauses direkt nach seiner Rückkehr aus dem KZ Dachau“, sagt die Kunsthistorikerin Hildegard Fraueneder von der Projektgruppe „Orte des Gedenkens“ nach der Entscheidung der Jury.

Der Gasthausbesitzer und Fleischhauer war bereits 1934 zum Ziel von NS-Anschlägen geworden. Sein Sohn und er wurden am Tag des „Anschlusses“ verhaftet und ein Jahr im KZ Dachau interniert. Bereits in der Nacht seiner Rückkehr im März 1939 nach Neumarkt schlugen örtliche Nazis 51 Fenster seines Hauses ein.

Bei einer Kunstaktion bei der Eröffnung im Mai 2022 soll dieser Gewaltakt des Einschlagens der Fenster auch erfahrbar gemacht werden. „In einer aktionistischen Umsetzung auf einer psycho-physischen Ebene können beide Positionen, jene des*der Täter*in und des Opfers, eingenommen werden“, erläutert Fraueneder. „Damit verknüpft sind die Fragen wie jene nach gesellschaftlich legitimierter Gewalt, nach Ermöglichung und Verhinderung von Gewalt, nach Handlungsspielräumen damals und heute.“

Der Entwurf von Gwiggner stieß auch bei den Vertreter der Stadtgemeinde Neumarkt auf breite Zustimmung. Bürgermeister Adi Rieger (ÖVP) gefällt an dem ausgewählten Entwurf besonders, „dass er die Brücke von der Vergangenheit ins Heute schafft“ und der „prägnante Bezug zur Gemeinde Neumarkt am Wallersee“. Zudem würden alle Standorte, die im Wettbewerb als mögliche Plätze für eine künstlerische Intervention vorgegeben waren, genutzt werden. „Das Kunstprojekt zieht sich über den ganzen Ort und wird so maximal sichtbar für die Bevölkerung und die Region“, sagt Bürgermeister Rieger.

„Unsere Erinnerungskultur muss lebendig bleiben. Dafür braucht es immer neue Zugänge. Mit ‘Orte des Gedenkens’ bekommen wir ein gesellschaftlich, geschichtlich und politisch bedeutendes Kultur-Projekt, das alle Regionen Salzburgs aufsucht. Es bietet uns Raum, Zeit und Denk-Anstöße, um nicht zu vergessen“, sagt Kulturlandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne).

„Anhand konkreter Orte und Biografien gehen wir hier den Weg vom ‚Denk-Mal‘ zum gemeinsamen Nachdenken über Geschichte und Gegenwart, über das Nachwirken der Zeit von Diktatur und Verfolgung und über Handlungsmöglichkeiten und Zivilcourage damals wie heute“, ergänzt Landesrätin Andrea Klambauer (Neos). „Damit möchten wir als Land auch den Überlebenden von Verfolgung im Nationalsozialismus gerecht werden.“

Die Jury

Acht Künstler wurden zum Wettbewerb für das Mahnmal in Neumarkt eingeladen. Die Jury bewertete zwei Tage lang die Einreichungen in Neumarkt am Wallersee. Der Jury gehörten neben dem Bürgermeister von Neumarkt Adi Rieger und der Projektgruppe eine Vertreterin des Fachausschusses des “Fonds für Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum” an: Sophie Goltz ist Leiterin der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst in Salzburg. Hinzu kommen als externe Kunstexpertinnen die Künstlerin Isa Rosenberger und die ehemalige Leiterin von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich, Katharina Blaas-Pratscher, die auch den Vorsitz der Jury übernahm. „Beide bringen viel Erfahrung in der künstlerischen Gestaltung von Erinnerungsorten mit ein“, sagt Fraueneder, selbst Kunsthistorikerin und Teil der Arbeitsgemeinschaft „Orte des Gedenkens“.

Bewertet wurde in erster Linie die künstlerische Qualität der Einreichungen „in Hinsicht auf eine zeitgemäße Annäherung an Erinnerungskulturen, deren inhaltliche Dimension, Überzeugungskraft und Stimmigkeit“, sagt Fraueneder. Der Wettbewerb wird von der Geschäftsstelle des Fonds zur Förderung von „Kunst am Bau und Kunst im öffentlichen Raum“ des Landes Salzburg administriert. Für die künstlerische Umsetzung war ein Budget von 30.000 Euro veranschlagt.

Die Termine

Am 7. Mai wurden die ersten der 51 Fenster auf dem Platz vor dem Schanzhaus im Kirchenbezirk eingeworfen werden. Der nächste Termin: 30. Mai.

Über die Eröffnung am 7. Mai

Bei strömenden Regen fand am Samstagnachmittag, den 7. Mai 2022, die erste Einwurfsaktion statt.

Dr. Fraueneder führte in ihrer Rede zu Beginn aus, dass die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Diktatur in Österreich erst in den 1980er-Jahren in Gang kam. Auch danach blieb es schwierig, besonders auf lokaler Ebene, offene Diskussionen zu führen. Denn Täter und Opfer waren häufig Nachbarn, Verwandte, engere Familienmitglieder. „Das Projekt Orte des Gedenkens bietet eine Mischung aus historischer Forschung, schulischer Vermittlung und künstlerischer Gestaltung. So wird der Kampf gegen den Nationalsozialismus nicht nur sichtbar gemacht, sondern auch eine dauerhafte und nachhaltige Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglicht“, betonte und Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn.

2. Landtagspräsident Dr. Sebastian Huber (NEOS) schilderte, wie auf seinen Antrag hin 2015 die Salzburger Landesregierung entschieden hatte, das Projekt "Orte des Gedenkens und der Erinnerung" zu starten. Ingrid Weese-Weydemann vom Museum Fronfeste informierte über das Zustandekommen dieses ersten Kunstprojekts in Neumarkt. Weitere Redner waren LAbg. Hofrat Dr. Josef Schöchl und Bürgermeister Rieger.

Zwischen den Reden gab es musikalische Einlagen mit Bezug auf das Projekt und den Nationalsozialismus. Genau zu jenem Zeitpunkt, als die eigentliche Wurfaktion begann, regnete es besonders stark. Daher wurde die Aktion mit einem Zelt überdacht. Nach dem ersten Einwurf skizzierte Bernhard Gwiggner ein Schnellportrait von Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Heinrich Schellhorn am 7. Mai 2022 bei der Eröffnung des Kunstprojekts. Das Schnellportrait und eine Scheibe, die das Bild von Georg Rinnerthaler 1938 bei seiner Verhaftung in Neumarkt zeigt, wurden dann zusammen mit der eingeworfenen Scheibe in den Rahmen montiert, der das Kunst- und Erinnerungsdenkmal darstellen soll.

Bildergalerie

Weblink

Quellen