Ferienhort Ried

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Der Ferienhort St. Wolfgang wurde 1910/1911 vom Verein Ferienhort in Ried 37 bei St. Wolfgang als Sommererholungslager für minderbemittelte Studenten aus Wien errichtet.

Geschichte

Finanziert, aus der Privatschatulle Kaiser Franz Joseph I., König von Ungarn und Böhmen hatte das Gebäude bei der feierlichen Einweihung durch das Kaiserhaus der Habsburgerdynastie eine Auslastung von 600 Betten.

Kurz nach Fertigstellung wurde schon vor dem Ersten Weltkrieg ein Teil des Gebäudes zur Ausbildung von Marine Kadetten aus Pula, Fiume und Triest verwendet. Die angehenden mehr als 500 in Ausbildung stehenden Marine-Offiziere sollten am Wolfgangsee ihre taktischen Übungen durchführen und vor allem im Schwimmen, Segeln, Rudern, Bergsteigen und dem Sanitätsrettungsdienst ausgebildet und körperlich trainiert werden. Durch die k. & k. Kriegsmarine wurde die Flotte vergrößert und alle vor Anker liegenden Boote instand gehalten.

Schon alleine die Hierarchie und Logistik für soviel Kadetten, vom Schiffskommandant, Korvettenkapitän, Leutnant, bis zu den Marinekadetten welche für die Weitergabe der Nachtsignale wie das Absetzen der Flaggen verantwortlich waren ist heute kaum nachvollziehbar. Die große Verwaltung, der Adjunkt, Ober- und Unterarzt der Krankenstation, der Quartiermeister, Koch, Küchenpersonal, bis hin zum Stiefelputzer waren eine enorme Bereicherung und Belebung für die ganze Region um den damaligen Abersee.

Bootsspenden der k. & k. Marinesektion vom größten k & k Kriegshafen in Pola - Pula an den Wolfgansee für die Kadettenschule, und später an den Verein "Ferienhort" sind nachweisbar. Die historischen Schiffe sind teils heute noch in Gebrauch. Mit der Alt- Österreichisch- Ungarischen Marine Akademie war ein ständiger Austausch von Studenten aus Ungarn an der Marine Unteroffizierschule am Wolfgangsee.

Aus dem Fundus der k. & k. Kriegsmarine (bis 1918) und später von Privatpersonen wurden immer wieder Schiffe, Ruder-, Segelboote, Transportkutter, Beiboote von Kriegsschiffen und Zweimaster dem "Ferienhort" gespendet, die teils heute noch in Verwendung sind. Während des II. Weltkrieges war wieder eine Marine Vorschule im Fereinhort am Wolfgansee untergebracht. Nach einer kurzen Lazarett Unterbringung mit einigen Stabsärzten, gegen Ende des II. Weltkrieges waren ab Kriegsende 1945 weit über 1500 Mann amerikanischer Besatzungstruppen in allen Gebäuden des Ferienhortes beherbergt. Auch die Amerikaner erfreuten sich an den Schiffen und den damit verbundene Wasserspotmöglichkeiten.

Der erste Linienflug von München nach Salzburg erfolgte in der Zwischenkriegszeit im August 1926 auf einer "Fokker Grulich F II, der Kranich" mit der Aufschrift Deutsche Lufthansa. Damit begann auch der Regionalverkehr mit Flügen nach St. Wolfgang und rund um den Schafberg mit dem Wasserflugzeug Junkers A-3. In der Zwischenkriegszeit war es Mode, sich in St. Wolfgangs noblen Hotels zum Fünfuhrtee oder mit Hollywood Größen zum Cocktail im "Grand Hotel" zu treffen, dazu hatte man Gelegenheit für einige Stunden per Flugzeug anzureisen. So heißt es in einem Brief einer Filmgröße: "Wenn ich aus den Staaten zurück komme, dann machen wir etwas auf einer Bühne in St. Wolfgang." Diese Glanzzeit und der Mythos der Filmstars wurden von den Chronisten gepriesen.

Für diesen Zweck stand in den Sommermonaten in der Cortisenbucht immer eine JUNKERS A–3 oder D–2 für den modernen Tourismus zur Verfügung. Einsatzfreudige Marineangehörige der Marinekadettenschule Ferienhort, sorgten mit der Austria I, für die Sicherheit der noblen Gäste die "selige, individuelle Stunden" in St. Wolfgang verbringen durften. Die Regionale Flugbewegung die erfreulicher Weise auf die Wolfgangseegemeinde ausgedehnt wurde, trug wesentlich zum touristischen Aufschwung und zur Genesung der heimischen Wirtschaft bei, schreibt die Sektion des Österreichischen Touristenklubs von St. Wolfgang.

Nach intensiven Bemühungen erfolgte 1947 die Rückgabe des Areals und der Gebäude an den "Verein - Ferienhort am Wolfgangsee“. Es war ein neuer Anfang nach den kriegsbedingten Unterbrechungen. Die traditionelle Fortführung der sechs wöchigen Feriencamps für ungefähr 560 Schüler ist weiter gesichert. Die geschichtsträchtigen Ruder, Segel, Schulschiffe der Ferienhort Marine und Kadettenschule waren durch nunmehr fast 100 Jahre die Hauptattraktion bei Schiffsparaden und Seefesten am Aber- oder Wolfgangsee.

Neben all dieser Nostalgie in dieser herrlichen Kulturlandschaft am Wolfgangsee darf die Moderne nicht zu kurz kommen. Heute ist im ganzen denkmalgeschützten Ensemble der architektonisch wertvollen Gebäude Komplexe die "Salzburger Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe Ried am Wolfgangsee, Land Salzburg" im legendären "Ferienhort am Wolfgangsee" untergebracht.

Quellen

  • Priv. Aufzeichnungen Adele Sungler
  • Österreichischer Touristenclub St. Wolfgang 1886 - 1986
  • Lokale Festschrift Ferienhort
  • Mündliche Überlieferung
  • Diss. Mag.Thomas Leinwather