Kupelwieserschlössl

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Kupelwieserschlössl am Mönchsberg

Das Kupelwieserschlössl befindet sich auf dem Salzburger Mönchsberg und ist im Besitz der Familie Widrich.

Beschreibung

Nahe der Richterhöhe thront das Kupelwieserschlössl auf dem Salzburger Mönchsberg. Seit 100 Jahren ist es im Besitz der Familie Kupelwieser-Widrich. Peter Handke hat hier geschrieben.

An schönen Tagen bieten sich von hier heroben traumhafte Blicke auf Untersberg und Staufen sowie über die Stadt. An diesem Wintertag aber versinkt die Landschaft zwischen Nebel und Wolken. Wie aus einer anderen Zeit steht das Kupelwieserschlössl mit seinen Türmen da.

Gerheid Widrich (geborene Kupelwieser) und Hans Widrich führen durch ihr Schlössl und lassen in die Geschichte des Hauses und ihrer Familie blicken. Sie kennen die Salzburger als ehemalige Ärztin und Landesrätin – übrigens die erste Frau in der Salzburger Landesregierung –, er war über Jahrzehnte Pressechef der Salzburger Festspiele. Der Journalist stand auch dem Kunstverein als Präsident vor.

Als Erstes fallen Ritterrüstungen, Gewehre und Nachtwächterspieße ins Auge. Ein wahrlich wehrhafter Empfang, der zum Äußeren des Kupelwieserschlössls passt. Herzstück des Gebäudes ist ein alter Stadtturm aus dem Mittelalter, der im Lauf der Zeit ausgebaut worden ist. Die Waffensammlung stammt aus dem Besitz von Franz Kupelwieser, dem Großvater Gerheid Widrichs und Käufer des Hauses auf dem Mönchsberg.

Kupelwieser war Leiter und Teilhaber von Eisenwerken in Böhmen und wurde damit reich. Der Industrielle erwarb das Schlössl in Salzburg mit Kaufvertrag vom 2. Dezember 1912, also vor 100 Jahren. Er investierte kräftig in sein neues Anwesen, das er Schloss Stauffenegg nannte, ließ es um- und ausbauen.

Das Porträt von Franz Kupelwieser hängt im Salon des Hauses – in einem großen, lichtdurchfluteten Zimmer – wie all die anderen Bilder der Ahnen aus der Kupelwieser’schen Sippe. An dem großen, runden Biedermeiertisch sind schon viele Gäste gesessen, allen voran Peter Handke, der in seiner Salzburg-Zeit von 1979 bis 1987 mit Tochter Amina und der damaligen Ehefrau Libgart Schwarz im Nebentrakt des Schlössls gewohnt hat. Hier hat der Schriftsteller beispielsweise sein Kompendium „Am Felsfenster morgens (und andere Ortszeiten 1982 bis 1987)“ geschrieben. Hans Widrich und Peter Handke sind befreundet, beide stammen aus Griffen in Kärnten.

Der Mönchsberg wurde nach dem Zweiten Weltkrieg das Zuhause von Gerheid Widrich. Ihre Familie hatte in Wien gelebt und im Schlössl immer die Sommerfrische verbracht. In Salzburg besuchte sie dann das Gymnasium. Ihr Vater Ernst Kupelwieser war Arzt und Erfinder, ihre Mutter Gusti hielt die Familie als Tanzpädagogin über Wasser.

Gerheid Widrich liebte das Leben auf dem Stadtberg schon als Mädchen, nur zwölf Minuten sind es zu Fuß in die Stadt. Im Winter rutschte sie mit der Lederschultasche als Rodel beim Freyschlösschen hinunter – „dementsprechend hat die Schultasche auch ausgeschaut“, erzählt sie. Ihr Vater habe ihr eine Entschuldigung schreiben müssen, „dass das Kind im Winter mit Hosen in die Schule kommt, damit es keine Blasenentzündung kriegt“.

Nach dem Tod des Vaters 1964 wurde der Besitz auf die Erbinnen aufgeteilt. In den 1970er-Jahren kauften Gerheid und Hans Widrich den rückwärtigen Teil von den älteren Halbschwestern zurück, die nach Kanada ausgewandert waren. Auf dem Mönchsberg sind ihre drei Kinder aufgewachsen, Theresa, Virgil und Mechtild.

Das Gebäude ist schwierig zu erhalten, aber es ist so gut wie schon lang nicht mehr beisammen“, sagt Hans Widrich. Er hat moderne Kunst in das Haus gebracht, eine perfekte Ergänzung zum historischen Inventar.

Der Besitz werde weiter gepflegt, sagt Virgil Widrich, Filmemacher und Professor an der Universität für Angewandte Kunst Wien. „Das Haus der Kindheit ist immer ein besonders magischer Ort – Räuberhöhle, Ritterburg. Was andere als Playmobil oder Lego haben, haben wir echt.

Quelle