Gasthaus Kuglhof

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Gasthaus Kuglhof
Für den Ansturm bereit, Gastgarten beim Kuglhof
Pferdegespann der Stieglbrauerei

Das Gasthaus Kuglhof ist ein Gasthof im Salzburger Stadtteil Maxglan in direkter Nachbarschaft zum Pressezentrum Salzburg an der Karolingerstraße.

Geschichte

Der Kuglhof war im vergangenen Jahrhundert der Landwirtschafts-Hof der Guglbrauerei zu Salzburg, heißt also eigentlich Guglhof und hat mit der Kugel nichts zu tun. Im Mai 1911 erwarb ihn die Stieglbrauerei und verpachtete ihn. 1932 brannte er ab, wurde aber 1933 wieder aufgebaut und erweitert. 1936 erhielt er eine für damalige Verhältnisse sensationelle Lehmbahn mit Nadelstreu und zog die Salzburger Stockschützen an.

Während des Ersten Weltkriegs befand sich beim Kuglhof ein russisches Kriegsgefangenenlager. Die Gefangenen mussten bei den Bauern in der Umgebung arbeiten[1].

Noch eine Rarität: Der Kuglhof ist eines der wenigen Gasthäuser, die mit dem traditionellen Pferdegespann der Stieglbrauerei zu Salzburg beliefert werden.

Seit 1996 ist der Gasthof von der Familie Hawranek gepachtet.

Ende einer Ära. Mehr Pacht, weniger Freizeit, weniger Rechte

Der Koch Alexander Hawranek verlässt nach 17 Jahren sein" Lebenswerk" Kuglhof.

Der Abschied der Familie Hawranek, die mit 31. Dezember 2012 nach exakt 17 Jahren den Kuglhof räumt, war bei Bekanntwerden am 21. August 2012 ein Paukenschlag in der heimi­schen Gastronomie. Einer der Gründe war, dass sich die Familie Hawranek als Pächter im Jahr 2011 erlaubt hatten, was für Arbeiter und Angestellte in Österreich Standard ist: sie haben sich nach vielen Jahren des Arbeitens erstmals fünf Wochen Urlaub genommen. Sehr zum Ärger des Verpächters, der Stieglbrauerei zu Salzburg.

Familie Hawranek wollte auch in Zukunft einmal im Jahr für fünf Wochen den Betrieb zusperren, um Urlaub zu machen, wie allen anderen Österreicher auch. Doch das gefiel Stiegl überhaupt nicht. Der Vorschlag von Familie Hawranek, doch wenigstens drei Wochen den Betrieb zusperren zu dürfen, wurde ebenso abge­lehnt. Dafür seien wenig er­bauliche Zusatzforderungen vom Verpächter gestellt wor­den. So hätten die Familie plötzlich nach 17 Jahren auf ein­mal auch auf den zweiten wöchentlichen Ru­hetag verzichten sollen. Aber nicht genug: Stiegl [Bierbrauerei] verlangte, auch den Weineinkauf (!) in Zukunft ex­klusiv über Stiegl abzuwickeln und künftig die Pacht umsatz­bezogen zu bezahlen. Diese Forderungen brachten Hawraneks Fass aber nun endgültig zum Überlaufen. - was wiederum Stiegl plötzlich wieder in Verhandlungsbereitschaft gesetzt habe. Nur - Familie Hawranek will ein Zeichen für andere Wirte setzen, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss und hat die Sache erledigt und die Kündigung des Pachtvertrags unterschrieben, wie Mat­bilde Hawranek den Salzburger Nachrichten gegenüber sagte. Seitdem er­halten sie täglich Angebote von anderen Verpächtern.

Wie die Salzburger Nachrichten auf Anfrage von Stiegl erfuhr, sei es "in einer guten Partner­schaft notwendig, sich die Vereinbarungen in regelmäßi­gen Abständen anzuschauen und gegebenenfalls zu justie­ren. Leider konnten wir mit Fa­milie Hawranek keinen Kon­sens fmden, deshalb wird der Pachtvertrag auch mit Ende dieses Jahres aufgelöst. Wir be­dauern das wirklich sehr."

Das Verständnis der Familie Hawranek für diese Zeilen hält sich in Grenzen: "Bisher hat un­sere Partnerschaft so ausgese­hen, dass wir oft jahrelang kei­nen Urlaub oder nur eine Wo­che hatten, um diesen Betrieb 17 Jahre aufzubauen. Wir be­dauern auch, dass mit uns heute so umgesprungen wird."

Bis zum 31. Dezember 2012 werden sich die Hawraneks noch von ihren jahrelangen Stammgästen ver­abschieden.

Zitat

Peter Gnaiger von den Salzburger Nachrichten meinte dazu in einer Glosse[2]:

"Noch nie haben die Pächter so unter Auflagen gestöhnt wie in diesem Jahr. Da werden so­gar stadtbekannte Vorzeige­gastronomen vor die Tür ge­setzt, wenn sie sich nicht "kon­sensbereit" zeigen. So erging es zumindest Alexander Hawra­nek nach 17 Jahren im Tradi­tionslokal Kuglhof (die SN be­richteten). Er hatte seinen Ver­pächter Stiegl gebeten, den Kuglhof wenigstens drei Wo­chen im Jahr zusperren zu dür­fen. Abgelehnt.

Stattdessen wurde ihm ein neuer Vertrag vorgelegt: mit er­höhter Pacht und der Vor­schrift, den Wein künftig aus­schließlich bei Stiegl zu kaufen. Weil er darauf nicht einging, er­hielt er die schriftliche Kündi­gung und das Angebot: "Jetzt können wir uns weiter unter­halten - wenn du dich traust." Hawranek traute sich - diesen diskussionswürdigen Umgang öffentlich zu machen.

Alle Verpächter sollten be­denken, dass Wirtshäuser wirt­schaftlich geführt werden müs­sen: Deren Kapital sind aber zufriedene Menschen."

Stiegl hofft auf Versöhnung

Nach Bekanntwerden der Umstände, die zum Rückzug der Familie Hawranek führten war die Stieglbrauerei mit überwältigenden Reaktionen konfrontiert worden. Zitat: "Die waren keineswegs freundlich. Wir haben so was noch nie erlebt. Wir haben ja ohnehin schon nach Erscheinen des ersten Beitrags geuwsst, dass da was gewaltig aus dem Ruder gelaufen ist. Die Reaktionen waren deshalb nicht der Anlass: Sie waren aber ein beindruckend starker Rückenwid, der uns veranlasst hat, so schnell wie möglich die Familie Hawranek zu bitten, doch bitte wieder zurück ins Boot zu kommen."

Zwei nicht namentlich genannt werden wollende führende Stiegl-Mitarbeiter besuchten bereits am 23. August 2012 die Familie und mit geknickten Entschuldigungen überbrachten sie ein neues Angebot: ein erster Vertragsentwurf sieht vor, dass die Wünsche der Familie Hawranek nach mehr Freizeit erfüllt werden und auf den exklusiven Weineinkauf der Pächter bei Stiegl verzichtet wird. Im Fall, dass die Familie Hawranek auf das Versöhnungsangebot eingeht, möchte Stiegl weiters ein Versöhnungsfest bei Freibier mit allen Kuglhof-Stammgästen feiern.

Mathilde und Alexander Hawranek zeigten sich nach den Gesprächen mit den Stiegl-Managern sichtlich gerührt, möchten die Angelegenheit aber nochmals in Ruhe während der nächsten beiden Ruhetagen überlegen.

Wie es überhaupt zu dieser Situation gekommen ist, wollte oder konnte Stiegl nicht eindeutig mitteilen. "Wir haben die Situation vollkommen unterschätzt. Und wenn wir jetzt sagen, dass es sich bei dieser leidigen Geschichte um das unsenible Vorgehen einer Einzelperson handelte, dann ich nur hoffen, dass Sie mir das auch glauben" sagte eine Mitglied der Führungsetage von Stiegl sichtlich zerknirscht am 24. August am Nachmittag im SN-Gespräch.

Team

  • Es bedienen die Gäste:
Erika Muthspiel
Stefanie Funke
Renhard Causegic
  • Es kochen für die Gäste:
Gerhard Fischer
Michael Neumann
Johannes Neoral
Stephanie Gastager

Fußnote und Quellen

  1. Foto in Salzburg Vorstädte Album 1860−1930, Verlag für Photographie, Wien 1998
  2. "Salzburger Nachrichten", 22. August 2012