Schaukraftwerk Gewerkschaft Radhausberg
Das ehemalige Kraftwerk der Gewerkschaft Radhausberg wurde 1912 unter der Leitung von Karl Imhof erbaut und ist als Schaukraftwerk Nassfeld zu besichtigen.
Allgemeines
Neben dem Imhof-Unterbaustollen (Imhofstollen) hat Karl Imhof im Zuge seiner Bergbauaktivitäten auch Kraftwerke errichtet, da er moderner und effizienter Energieerzeugung große Bedeutung zumaß.
Bau
Das Kraftwerk Nassfeld ist ein Wasserkraftwerk und wurde unter Imhofs Leitung von der Gewerkschaft Radhausberg im Jahr 1912 erbaut. Es ist somit rund zehn Jahre älter als das heute noch in Betrieb befindliche Kraftwerk Bärenwerk im Fuscher Tal im Pinzgau. Das Wasser zum Antrieb des Kraftwerkes stammte aus dem Bockharttal und wurde teilweise dem natürlichen Bergsee Oberer Bockhartsee und hauptsächlich dem Stausee Unterer Bockhartsee entnommen und mittels unterirdischer Druckrohrleitung dem etwas oberhalb des Nassfelder Talboden befindlichen Kraftwerk zugeführt.
Technik
Das Kraftwerk zeichnet sich durch eine für damalige Zeiten überaus moderne Technik aus. Haupt- und Ersatztturbine sind Peltonturbinen, wobei die Hauptturbine von zwei wasserzuführenden Düsen angetrieben wurde. Bemerkenswert ist der 20 m lange Antriebsriemen aus Rindsleder, der aus ca. zwei Meter langen Teilstücken zusammengeleimt wurde. Der damit betriebene Kompressor stammt von der Fa. Ingersoll-Rand CO in New York (Imperial Type 10) und wurde weltweit nur zwei oder drei Mal erzeugt. Die riesige Maschine musste damals mit Pferdefuhrwerken von der Bahn im Gasteinertal bis zum Aufstellungsort im Nassfeld transportiert werden. Angesichts der Dimensionen der Anlage und der damaligen Straße schwer vorstellbar.
Einsatz
Der von diesem Kraftwerk erzeugte Strom wurde vor allem zum Stollenvortrieb und zur Belüftung der Stollen verwendet. Das Kraftwerk diente bis 1944 den erwähnten Zwecken im Goldbergbau. Von 1944 bis 1984 wurde weiterhin Strom erzeugt, jedoch nicht mehr für den nun eingestellten Bergbau, sondern vor allem für den Gasteiner Heilstollen. Seit 1984 ist auch das Kraftwerk stillgelegt und wurde zuletzt als Schaukraftwerk reaktiviert. Da die Wasserzufuhr eingestellt ist, erfolgt der Antrieb der Turbine zu Vorführungszwecken durch einen zugeschalteten Gleichstrommotor.
Besichtigungsmöglichkeit
Das Schaukraftwerk, das zum Bestand des Montanmuseum Altböckstein zählt, ist über die Mautstraße, die nach dem Gasteiner Heilstollen oberhalb Böckstein im Gasteinertal beginnt, mit dem PKW oder mit dem öffentlichem Busverkehr erreichbar. Das Schaukraftwerk liegt etwas oberhalb des allgemein benutzbaren Großparkplatzes von Sportgastein im vorderen Teil des Naßfelder Tal, nach dem Marie-Valerie-Haus, vor dem Eingang zum Siglitztal. Besichtigungsmöglichkeit und Führungen im Sommer 2010: jeweils am Mittwoch und am Freitag von 14 bis 16 Uhr.
Siehe dazu auch
Quellen
- Herbert Gruber, Josef Gfrerer und Alois Berger, Schaubergwerkbetreuungsteam, Montanmuseum Altböckstein