Tändlerei
Das ehemalige Geschäft namens Tändlerei befindet sich in der Steingasse 33 in der rechtsufrigen Altstadt der Stadt Salzburg.
Etymologisches
Tändlerei leitet sich von „Tand“, in der Bedeutung von tant = leeres Geschwätz, Possen, Spielzeug ab. Die Wortherkunft ist unklar, scheint aus dem Spanischen entlehnt zu sein – spanisch tanto „Spielgeld“(?). Die Bezeichnungen tändeln und Tändelei sind seit dem 17. Jahrhundert bekannt.
Beschreibung
Was heute von dieser Lokalität übrig ist, ist die Fassade mit dem ehemaligen Geschäftseingang. Welche Ware hier einmal angeboten und verkauft wurde, ist gegenwärtigen Passanten unbekannt. Im Erwerbsverzeichnis der Stadt Salzburg im Jahr 1942 scheinen Geschäfte aller Art, jedoch keine Tändlerei auf. Am ehesten wäre sie wohl unter den damals existierenden 356 Gemischtwaren- (Lebensmittel-)händler (siehe auch Delikatessenhandlungen, Kleinhändler, nichtprotokollierte und Kurzwarenhändler) zu suchen und zu finden.
Seit Jahren ist das altertümliche Geschäftsportal ein fotografisches Objekt für Liebhaber alter Stadtansichten und eine Fläche, die mehr oder weniger ambitionierte Graffitikünstler zu Taten veranlasst. Das nebenstehend platzierte, im Jahr 2012 aufgenommene Bild ist daher – was seine „Dekoration“ betrifft - nicht mehr aktuell.
2019: Die TÄNDLEREI - ein verlassener Ort als Blickfang
Ein Beitrag von Daniele Pabinger in der Rubrik "Kulturklauberin" in den Salzburger Nachrichten in der Ausgabe vom 25. Oktober 2019
Das historische Haus mit dem Schild "Stein Gasse 33" verfällt zusehends. Der Putz hat sich schon an vielen Stellen gelöst. Blickfang ist aber immer noch das alte Geschäftsportal mit dem Schriftzug TÄNDLEREI. Die Rollläden wurden vor mehr als drei Jahrzehnten heruntergelassen, der nostalgische Charme ist geblieben.
Zum Reiz des verlassenen Ortes trägt auch die Geschäftsbezeichnung bei: Unter einer Tändlerei ist so etwas wie ein Altwarengeschäft oder Trödelladen zu verstehen. Das Wort leitet sich von Tand ab, was soviel wie unnützes Zeug bedeutet. Auch vom Tändler oder der Tandlerin ist heute nur mehr selten die Rede. In Mundartausdrücken wie "umadumtandeln" hat sich der Begriff aber erhalten. Dabei geht es darum, sich spielerisch mit etwas zu beschäftigen, das scheinbar nutzlos ist - oder halt (zu) viel Zeit braucht.
In der Steingasse 33 wird seit Ewigkeiten nicht mehr getandelt. Erwähnt wird die Tändlerei in alten Salzburger Zeitungen erstmals in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Um 1900 hingegen dürfte am gleichen Standort eine "Ausspeiserei" bestanden haben, 1938 ein "Speisehaus". Das Portal ist auf alle Fälle alter als die Tändlerei.
Spuren von Graffiti-Sprayern finden sich zuhauf auf dem Geschäftsportal. Einen auffälligen Akzent hat jedoch das Straßenkunst-Duo JANA & JS mit ihrem Motiv gesetzt: Eine sitzende junge Frau in Rückenansicht schaut in Richtung der ehemaligen Auslage. Ihr rotes, rückenfreies Kleid sorgt für einen Farbtupfer auf der verwitterten Fassade. Die Arbeit von JANA & JS auf dem Tändlereiportal besteht schon seit einigen Jahren, wurde heuer aber erneuert. Wer durch die Straße flaniert - und etwas Zeit zu vertandeln hat - kann sich an dem Zusammenspiel von alt und neu erfreuen. Zum beliebten Fotomotiv ist das Sujet längst geworden.
Weitere Motive des Künstlerpaars JANA & JS - sie gebürtige Salzburgerin, er Franzose - sind auch am Haus Gaswerkgasse 3 zu sehen oder entlang des Wanderwegs auf den Nockstein in Koppl.
Quellen
- Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Walter de Gruyter, Berlin, New York 1989, S. 720.
- Eigene Beobachtung von Christina Nöbauer
- "Salzburger Nachrichten", 25. Oktober 2019