| Zeile 1: |
Zeile 1: |
| − | Die '''Einsatzzentrale Basisraum''' (kurz: EZ/B) ist das Herzstück der Luftraumüberwachung des österreichischen [[Bundesheer]]es. | + | [[Datei:Einsatzzentrale Basisraum.jpg|thumb|Blick in das Tunnelsystem.]] |
| | + | [[Datei:Einsatzzentrale Basisraum 02.jpg|thumb|Radarleitoffiziere des Bundesheeres beobachten im Regierungsbunker den Luftraum.]] |
| | + | Die '''Einsatzzentrale Basisraum''' (EZ/B) ist das Herzstück der Luftraumüberwachung des österreichischen [[Bundesheer]]es. |
| | | | |
| − | ==Allgemeines== | + | == Einleitung == |
| − | Das [[Heukareck]] in [[St. Johann im Pongau]] sieht aus wie ein normaler Berg. Doch dieser Berg hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich: In den [[1970er]]-Jahren wurde hier die "Einsatzzentrale Basisraum" errichtet, im Volksmund "Regierungsbunker" und im heeresinternen Jargon einfach "Berg" genannt. | + | Das [[Heukareck]] in [[St. Johann im Pongau]] sieht aus wie ein normaler Berg. Doch dieser Berg hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Lange Zeit galt sie als eines der bestgehüteten Geheimnisse der Alpenrepublik: Die ab den späten [[1970er]]-Jahren errichtete "Einsatzzentrale Basisraum" ist ein "Kind des Kalten Kriegs". Im Volksmund wird sie "Regierungsbunker" und im heeresinternen Jargon einfach "Berg" genannt. Sie sollte der österreichischen Bundesregierung im Falle eines vom Osten befürchteten Angriffs Schutz tief im Pongauer Fels bieten. 300 Meter unter der Erdoberfläche befindet sich nach wie vor eine kleine Stadt auf fünf Etagen, "Regierungsbunker St. Johann" genannt, und bietet bis zu 250 Menschen einen Arbeitsplatz (Datenstand Februar 2019). Im Kriegsfall könnten hier 500 Entscheidungsträger aus Regierung und Verwaltung Zuflucht finden. In Stockbetten. |
| | | | |
| − | Hunderte Meter unter der Erdoberfläche befindet sich hier die Zentrale der österreichischen Luftraumüberwachung. 250 Bundesheerbedienstete sind im Bunker von St. Johann beschäftigt, im Kriegsfall könnten hier 500 Entscheidungsträger aus Regierung und Verwaltung Zuflucht finden. In Stockbetten.
| + | == 50 Millionen mal Verlorenes und Gesuchtes == |
| | | | |
| − | Für Normalsterbliche ist die EZ/B, wie sie abgekürzt heißt, tabu. Jene, für die sich nach strengen Sicherheitskontrollen doch die dicken Panzertüren öffnen, stehen zunächst vor einem kilometerlangen Tunnel, der ins Berginnere führt. Die Soldaten sind mit Fahrrädern unterwegs.
| + | Die Gefahr aus dem Osten ist dem Zusammenwachsen in ganz Europa gewichen. Doch die Zeiten ohne Grenzkontrollen erfordern mehr Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen. Herzstück im dafür entwickelten Schengen-Informationssystem (SIS) sind Datensätze, Millionen von Datensätzen. Was 1995 mit 2,9 Millionen begann, wuchs inzwischen auf rund 77 Millionen Einträge zu Personen und Dingen an. Den Löwenanteil machen gestohlene Ausweisdokumente, Kraftfahrzeuge, Banknoten, Boote, Container oder Schusswaffen aus, etwas mehr als ein Prozent der Einträge betreffen Personen, die vermisst oder zur Fahndung ausgeschrieben sind. |
| | | | |
| − | Drinnen im "Berg" öffnet sich ein weitverzweigtes, vierstöckiges Tunnelsystem. Eine Einsatzzentrale, die im Notfall völlig autark ist. Sogar eine eigene [[Feuerwehr]] gibt es hier. | + | == Auch Fingerabdrücke gespeichert == |
| | + | |
| | + | Vergleichsweise wenig, aber sehr gefragt, lösen sie doch mehr als ein Drittel aller Treffer aus. Zugriff haben Justizbehörden, das europäische Polizeiamt Europol und institutionelle Sicherheitsdienste über die nationalen polizeilichen und sicherheitsdienstlichen IT-Systeme, die mit der zentralen Datenbank ständig verbunden sind. Seit 2018 sind auch Fingerabdrücke gespeichert, was Fahndungsanfragen deutlich erleichtert. |
| | + | |
| | + | == Luftraumüberwachung == |
| | + | Für Normalsterbliche ist die EZ/B, wie sie abgekürzt heißt, tabu. Jene, für die sich nach strengen Sicherheitskontrollen doch die dicken Panzertüren öffnen, stehen zunächst vor einem kilometerlangen Tunnel, der ins Berginnere führt. Die Soldaten sind mit Fahrrädern unterwegs. Drinnen im "Berg" öffnet sich ein weitverzweigtes, vierstöckiges Tunnelsystem. Eine Einsatzzentrale, die im Notfall völlig autark ist. Sogar eine eigene [[Feuerwehr]] gibt es hier. |
| | | | |
| | Herzstück des Bunkers ist eine matt erleuchtete, etwa turnsaalgroße Halle – die Luftraumüberwachungszentrale: 18 knallgelbe Computerarbeitsplätze, jeder mit einem runden Radarschirm und mehreren Telefonen, eines davon rot. Auf den Schirmen verfolgen Offiziere jede Flugbewegung in Österreich. Und das sind Millionen im Jahr. | | Herzstück des Bunkers ist eine matt erleuchtete, etwa turnsaalgroße Halle – die Luftraumüberwachungszentrale: 18 knallgelbe Computerarbeitsplätze, jeder mit einem runden Radarschirm und mehreren Telefonen, eines davon rot. Auf den Schirmen verfolgen Offiziere jede Flugbewegung in Österreich. Und das sind Millionen im Jahr. |
| Zeile 16: |
Zeile 23: |
| | Im Bunker von St. Johann werden die Daten der "Goldhaube" mit der Liste der genehmigten Flüge über Österreich verglichen. So filtert das Bundesheer nicht genehmigte Flugbewegungen heraus. | | Im Bunker von St. Johann werden die Daten der "Goldhaube" mit der Liste der genehmigten Flüge über Österreich verglichen. So filtert das Bundesheer nicht genehmigte Flugbewegungen heraus. |
| | | | |
| − | In diesem Fall werden die Eurofighter alarmiert, die binnen Minuten in der Luft sind, um das unbekannte Flugzeug zu identifizieren, zur Landung zu zwingen oder notfalls auch abzuschießen. Das müsste allerdings der [[Minister]] persönlich anordnen. | + | In diesem Fall werden die [[Eurofighter]] alarmiert, die binnen Minuten in der Luft sind, um das unbekannte Flugzeug zu identifizieren, zur Landung zu zwingen oder notfalls auch abzuschießen. Das müsste allerdings der [[Minister]] persönlich anordnen. |
| | | | |
| − | Rund 70 solcher "Priorität-Alpha-Einsätze" fliegen die Eurofighter pro Jahr. Dann dürfen sie auch mit Überschall unterwegs sein. Wenn die Eurofighter-Piloten wissen wollen, welches Wetter sie dabei erwartet, wenden sie sich ebenfalls an die EZ/B. Denn auch der Wetterdienst des Heers sitzt im Bunker von St. Johann. | + | Rund 70 solcher "Priorität-Alpha-Einsätze" fliegen die [[Eurofighter]] pro Jahr. Dann dürfen sie auch mit Überschall unterwegs sein. Wenn die [[Eurofighter]]-Piloten wissen wollen, welches Wetter sie dabei erwartet, wenden sie sich ebenfalls an die EZ/B. Denn auch der Wetterdienst des Heers sitzt im Bunker von St. Johann. |
| | | | |
| − | Das Heukareck bildet somit das Zentrum eines hochtechnologischen Sicherheitsnetzes: Der Eurofighter ist einer der modernsten Kampfjets der Welt. Die Kommunikation zwischen Piloten und Einsatzzentrale erfolgt über Netzfunkstellen, von denen eine in 2600 Metern Höhe an einer Flanke des Dachsteins klebt. Und die Radarstationen blicken bis nach [[Polen]], [[Frankreich]] und [[Bosnien-Herzegowina|Bosnien]], um Flugzeuge schon zu entdecken, lang bevor sie unsere Grenze erreichen. | + | Das Heukareck bildet somit das Zentrum eines hochtechnologischen Sicherheitsnetzes: Der [[Eurofighter]] ist einer der modernsten Kampfjets der Welt. Die Kommunikation zwischen Piloten und Einsatzzentrale erfolgt über Netzfunkstellen, von denen eine in 2600 Metern Höhe an einer Flanke des Dachsteins klebt. Und die Radarstationen blicken bis nach [[Polen]], [[Frankreich]] und [[Bosnien-Herzegowina|Bosnien]], um Flugzeuge schon zu entdecken, lang bevor sie unsere Grenze erreichen. |
| | | | |
| − | ==Quelle== | + | ==Quellen== |
| − | +[[Salzburger Nachrichten]], 26. Juni 2010 ([[Alexander Purger]])
| + | * [[Salzburger Nachrichten]], 26. Juni 2010 ([[Alexander Purger]]) |
| | + | * [[Salzburger Landeskorrespondenz]] vom [https://service.salzburg.gv.at/lkorrj/detail?nachrid=61136 7. Februar 2019] |
| | | | |
| | [[Kategorie:Militär]] | | [[Kategorie:Militär]] |
| | [[Kategorie:Pongau]] | | [[Kategorie:Pongau]] |
| | [[Kategorie:St. Johann im Pongau]] | | [[Kategorie:St. Johann im Pongau]] |