Judentum in Salzburg
Mittelalter
Die Ansiedlung von Juden erfolgte an den wichtigen Handelswegen entlang der Donau und der Alpenpässe.Durch die Entstehung der Städte zogen die Juden aus den Dörfern meist in diese neuen Ansiedlungen. Jüdische Zentren sind in der Stadt Salzburg und in den salzburgischen Städten Hallein, Mühldorf, Friesach und Pettau nachweisbar.
Die mindere gesellschaftliche Stellung der Juden in der mittelalterlichen Gesellschaft hinderte die Salzburger Erzbischöfe aber nicht,mit ihnen Handels- und Geldgeschäfte zu machen.Erzbischof Konrad IV. z.B.lieh sich einen Gutteil der Kaufsumme für das Gasteiner Tal von jüdischen Bankiers.
Diskriminierung
Im Mittelalter waren die Juden verschiedensten Diskriminierungen ausgesetzt,für Männer der Spitzhut vorgeschrieben, für Frauen das Tragen einer Schelle an der Kleidung. Juden waren zur Zahlung von Sonderzinse an den Landesherren verpflichtet und durften das Land nicht ohne seine Einwilligung verlassen
Verfolgung
Seit dem 14.Jahrhundert sind Judenverfolgungen in Salzburg nachweisbar.1404 wurde ein Großteil der jüdischen Bewohner wegen einer angeblichen Hostienschändung in der Pfarrkirche Mülln verbrannt.Erzbischof Leonhard von Keutschach verfügte 1498 die Landesverweisung für alle Juden, die sich fortan in Salzburg nicht mehr niederlassen durften.
Neuzeit
Mit dem Staatsgrundgesetz von 1867 endeten die gesetzlichen Diskriminierungen der jüdischen Staatsbürger.Viele Juden ließen sich in salzburg nieder und wurden zu Stützen des liberalen Bürgertums.1901 wurde eine Synagoge in der lasserstrasse und ein jüdischer Friedhof in Aigen eingerichtet.Mit der Emanzipation wuchs auch der Antisemitismus,so führten mehrere vereine in Salzburg einen Arierparagraphen ein.Trotz des radikalen Antisemitismus wurde Salzburg ein beliebtes Urlaubsziel für das reiche Bürgertum(St.Gilgen ,Bad Gastein.....) Die Salzburger Festspiele bildeten einen Anziehungspunkt für die künstlerische Elite,in der der jüdische Beeitrag groß war.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Österreich begann eine massive Verfolgung.Jüdischer Besitz wurde arisiert,wer Glück hatte,konnte fliehen.
BERICHT DES FÜHRERS DES SD-UNTERABSCHNITTS SALZBURG AN DEN SD-FÜHRER DES SS-OBERABSCHNITTS DONAU IN WIEN BETREFFEND DIE "REICHSKRISTALLNACHT", 11. NOVEMBER 1938[1]
Quellen
www.smca.at/sonderausstellungen/judeninsalzburg.html
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Salzburgs wiederaufgebaute Synagoge. Festschrift zur Einweihung, Salzburg 1968, S. 162
Die nichtpolizeiliche Aktion gegen die Juden setzte in Salzburg zum Teil kurz nach Mitternacht, vorwiegend aber erst in den frühen Morgenstunden des 10. 11. 1938 ein. Es wurden dabei in der Stadt Salzburg 7 Geschäfte und die Synagoge zerstört. Brandstiftungen erfolgten nicht. Die Träger dieser Aktion waren ausschließlich Formationsangehörige. Die Bevölkerung wußte von der ganzen Sache nichts.
Die Verhaftungen durch die Polizei setzten um 6.30 Uhr schlagartig ein. Die Beamten der Geheimen Staatspolizei, Staatspolizeistelle Salzburg, wurden durch Angehörige des SD und der SS, denen für diese Aktion die Befugnisse der Hilfspolizei gegeben wurden, unterstützt. Berichte über die Festnahmen liegen vorerst nur aus der Stadt Salzburg vor. Vom Lande fehlen sie noch. Insgesamt wurden ca. 60 bis 70 männliche Juden verhaftet. Davon 41 in der Stadt Salzburg.
Ausländer wurden bei den Verhaftungen nicht erfaßt; dagegen wurden Sachwerte, die sich in ausländischem Besitz befinden, zerstört, so z. B. 2 ausländische Anwesen in Badgastein mit einem Sachschaden von RM 4000,- bis RM 5000,- bzw. RM 2500,-.
Stimmungsmäßig muß folgendes festgestellt werden: Infolge der mangelnden Propaganda und der geringen Anzahl von Zeitungslesern und Radiohörern waren weite Teile der Bevölkerung nicht einmal über das Attentat auf den deutschen Botschaftssekretär vom Rath bzw. dessen Ableben unterrichtet. Bei der Aktion gegen die Juden war infolgedessen die Bevölkerung in keiner Weise beteiligt. Die Durchführung erfolgte lediglich von Formationsangehörigen, die von ihren Vorgesetzten dazu befohlen wurden. Es ist unrichtig, wenn in den Zeitungen von einer spontanen Volksbewegung gesprochen wird, derartige Nachrichten nimmt die Bevölkerung mit einem leisen Lächeln auf.
Während die vorgenommenen Verhaftungen in weiten, auch NS-gegnerischen Kreisen begrüßt werden und auf Verständnis stoßen, wird die Zerstörung der jüdischen Geschäfte mit dem Hinweis darauf, daß es sich dabei um Vernichtung deutschen Volksvermögens handelt, abgelehnt. Von gegnerischer Seite wird dabei auf dem Wege der Flüsterpropaganda das Argument geltend gemacht, daß kürzlich die Franziskaner, als sie fast wertloses Gerümpel bei der Räumung des Klosters aus den Fenstern auf die Straße warfen, wegen Zerstörung von Volksvermögen bestraft wurden, und jetzt machen die Nationalsozialisten sinngemäß dasselbe, und es wird von der Polizei geduldet. Die Einrichtung der Salzburger Synagoge ist restlos zerstört. Das in den Büroräumen der Isr. Kultusgemeinde vorgefundene Aktenmaterial wurde zur Sichtung der hies. Dienststelle übergeben.
Diese Unterdrückungsmaßnahmen hatten zur Folge,dass die jüdische Gemeinde in Salzburg nach dem Ende des 2.Weltkriegs klein blieb. Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands