Salzburger Badehäuser: Unterschied zwischen den Versionen
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Drei Mal im Jahr konnten sich dort arme Leute unentgeltlich die Haare und den Bart schneiden lassen, darüber hinaus wurde dort geschröpft und zur Ader gelassen. Die Männer, die diese Arbeiten ausführten, nannte man ''Bader''. Auch "chirurgische" Eingriffe wurden von Bader vorgenommen (das Zähneziehen fiel unter ihre Aufgaben). | Drei Mal im Jahr konnten sich dort arme Leute unentgeltlich die Haare und den Bart schneiden lassen, darüber hinaus wurde dort geschröpft und zur Ader gelassen. Die Männer, die diese Arbeiten ausführten, nannte man ''Bader''. Auch "chirurgische" Eingriffe wurden von Bader vorgenommen (das Zähneziehen fiel unter ihre Aufgaben). | ||
Version vom 20. Februar 2008, 20:06 Uhr
Die Salzburger Badehäuser, vorwiegend Schwitzbäder, waren meist Stiftungen wohlhabender Salzburger Bürger.
Geschichte
Es gab sieben solcher Bäder im Stadtgebiet: das Spitalsbad in der Getreidegasse in der Nähe vom Bürgerspital, das Griesbad in der Griesgasse Nr. 7, das Bad in der Neustift in der Nähe vom Waagplatz, das Rappelbad in der Pfeifergasse, das Bad entlang der Bruck, dort, wo heute das Platzl ist, das Sebastiansbad in der Linzer Gasse und je ein Bad in den Vorstädten Mülln und Nonntal.
Drei Mal im Jahr konnten sich dort arme Leute unentgeltlich die Haare und den Bart schneiden lassen, darüber hinaus wurde dort geschröpft und zur Ader gelassen. Die Männer, die diese Arbeiten ausführten, nannte man Bader. Auch "chirurgische" Eingriffe wurden von Bader vorgenommen (das Zähneziehen fiel unter ihre Aufgaben).
In einer Badeordnung von 1472 wird von Männer- und Weiberboden berichtet, eine Anzahl von Badedienerinnen und Knechte waren notwendig für die Besorgung der Steine, zum Binden der Wedel, zum Flechten von Badehüten aus Stroh (damit die nassen Haare nicht ins Gesicht fielen) und Personen, die auf die abgelegten Kleider aufpassten.
Die wichtigsten Helfer waren der Scherknecht, der rasierte und die Haare schnitt, sowie der Laßknecht, zuständig für das Aderlassen - damals Standardbehandlung bei der Gesundheitspflege.
Mangels Bäder zu Hause wurden diese Badehäuser auch regelmäßig jede Woche besucht, aber zumindest vor Feiertagen. Für die Armen übernahmen Wohltäter an bestimmten Tagen Freibäder, die aber auch allen anderen Bürgern möglich waren. Dauerstiftungen nannte man treffend Seelbäder.
Doch nach 1600 wurden die Badehäuser immer weniger oft frequentiert. Leibfeindlichkeit, geschürt von Religiosität, Mediziner, die vom übermäßigen Schwitzbad abrieten, weil sie Herde der Verbreitung ansteckender Keime waren und weil man damals glaubte, die Erwärmung des Körpers im Schwitzbad sei ungesund, waren Gründe für den Niedergang.
Am 1. Juli 2002 stellte das Wannen- und Brausebad St. Andrä, das letzte städtische öffentliche Badehaus, seinen Betrieb ein.
Siehe auch
Quelle
- Badergässchen
- Salzburg, Anmut und Macht, Karl Heinz Ritschel, 2005, Otto Müller Verlag, ISBN 3-7013-1098-X