Torwarthaus Schloss Kleßheim: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Torwarthaus_Schloss_Klessheim_02.jpg|thumb|Fünf Schüler der HTL Hallein waren nach dem Einsatz in der Werkstätte auch in einem „dislozierten Unterricht“ im Turm und halfen beim Wiederaufbau des Turmuhrwerks 1732]]
 
[[Datei:Torwarthaus_Schloss_Klessheim_02.jpg|thumb|Fünf Schüler der HTL Hallein waren nach dem Einsatz in der Werkstätte auch in einem „dislozierten Unterricht“ im Turm und halfen beim Wiederaufbau des Turmuhrwerks 1732]]
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[[Datei:Torwarthaus_Schloss_Klessheim_Turmuhrwerk_01.jpg|thumb|Turmuhrwerk 1732, hier in devastiertem Zustand zu Beginn der Revitalisierung 2011]]
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Als [[Michael Neureiter]] mit seiner Firma [[horologium]] 2010 vom Land Salzburg  den Auftrag erhielt, das historische Uhrwerk zu revitalisieren, musste  er feststellen, dass das Pendel samt der Pendellinse verschwunden war –  1926 war es laut einem Bericht vom Salzburger Historiker [[Franz Martin]] noch vorhanden.  
 
Als [[Michael Neureiter]] mit seiner Firma [[horologium]] 2010 vom Land Salzburg  den Auftrag erhielt, das historische Uhrwerk zu revitalisieren, musste  er feststellen, dass das Pendel samt der Pendellinse verschwunden war –  1926 war es laut einem Bericht vom Salzburger Historiker [[Franz Martin]] noch vorhanden.  
  
Neureiter nahm mit der [[Steinmetzschule Hallein|Steinmetzschule]] der [[Höhere Technische Lehranstalt Hallein|HTL Hallein]] Kontakt auf,  die die Anfertigung einer neuen Linse zusagte. Die neue Linse  und  die Pendelstange aus Schmiedeeisen, die ebenfalls in der HTL Hallein  gefertigt wurde, entstanden unter Leitung von Fachlehrer Hans Otty.
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Neureiter nahm mit der [[Steinmetzschule Hallein|Steinmetzschule]] der [[Höhere Technische Bundeslehranstalt Hallein|HTL Hallein]] Kontakt auf,  die die Anfertigung einer neuen Linse zusagte. Die neue Linse  und  die Pendelstange aus Schmiedeeisen, die ebenfalls in der HTL Hallein  gefertigt wurde, entstanden unter Leitung von Fachlehrer Hans Otty.
  
 
Turmuhrenexperte Michael Neureiter lud die mit dem Nachbau der  steinernen Pendellinse und der Pendelstange aus Schmiedeeisen befassten  Schüler im Juni 2011 ein, beim Aufbau des Turmuhrwerks aus 1732 mitzumachen. Es wurde  ein spannender Vormittag, an dem das Team auch einige Hinweise auf  mehrere Umbauten des Werks fand. Das Uhrwerk wird in den kommenden  Wochen komplettiert, mit neuen denkmalverträglichen Elektroaufzügen  (Patent Meinhardt) sowie einem neuen Funkuhr-Abgleich versehen und dann  dem Auftraggeber, dem Land Salzburg, übergeben.
 
Turmuhrenexperte Michael Neureiter lud die mit dem Nachbau der  steinernen Pendellinse und der Pendelstange aus Schmiedeeisen befassten  Schüler im Juni 2011 ein, beim Aufbau des Turmuhrwerks aus 1732 mitzumachen. Es wurde  ein spannender Vormittag, an dem das Team auch einige Hinweise auf  mehrere Umbauten des Werks fand. Das Uhrwerk wird in den kommenden  Wochen komplettiert, mit neuen denkmalverträglichen Elektroaufzügen  (Patent Meinhardt) sowie einem neuen Funkuhr-Abgleich versehen und dann  dem Auftraggeber, dem Land Salzburg, übergeben.
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Kolmanitsch fand im Turm auch ein Paar alter Turmuhr-Zeiger, die wohl  aus dem [[18. Jahrhundert]] stammen. Neureiter datiert sie zum Umbau der  Turmuhr 1794: „Ich bin sicher, dass diese Zeiger angebracht wurden, als  die aus dem Jahr 1732 stammende Turmuhr von Johann Bentele sen. auf das  lange Pendel umgebaut wurde!“
 
Kolmanitsch fand im Turm auch ein Paar alter Turmuhr-Zeiger, die wohl  aus dem [[18. Jahrhundert]] stammen. Neureiter datiert sie zum Umbau der  Turmuhr 1794: „Ich bin sicher, dass diese Zeiger angebracht wurden, als  die aus dem Jahr 1732 stammende Turmuhr von Johann Bentele sen. auf das  lange Pendel umgebaut wurde!“
  
== Quelle ==
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== Die Geschichte im Detail ==
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Das Turmhaus von Kleßheim, auch „Torwarthaus“ (wegen des daneben liegenden Tores) und „Wachstubenturm“ genannt, wurde [[1731]] unter Erzbischof [[Leopold Anton Freiherr von Firmian]] erbaut, der vielleicht der erste Landesfürst war, der das nach Plänen [[Johann Bernhard Fischer von Erlach]]s anfangs des Jahrhunderts erbaute Schloss tatsächlich als Sommersitz benützte.
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Die intensive Bautätigkeit dieses Erzbischofs dürfte „sohin auf seine Bemühungen, den Nachteilen des wenig wohnlichen Schlosses durch einige kleinere Herstellungen und Ergänzungen im Innern, sowie durch Errichtung von Nebengebäuden (Wachturm, Meierei, Hoyoshaus) (entgegenzuwirken), zurückzuführen sein“ ([[Franz Martin]]: Schloß Klesheim.- In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte. Band IV. Wien: Krystall-Verlag (1926): S. 175-195. Hier S. 193).
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[[1727]] war das Brunnenmacherhaus am Bache gebaut worden, 1731 wurde der Salzburger Bildhauer [[Josef Anton Pfaffinger]] mit den „''vier ligent weiß marmorsteinerne Hirsch bei der neuen Auffahrt zu Klesheim''“ beauftragt (der Bau des [[Kavalierhaus]]es folgte erst 1880). Am [[29. Dezember]] 1731 wurde mit Großuhrmacher Joseph Christoph Schmidt „wegen Verfertigung einer neuen Schlag- und Zeiguhr im Wachstubenturm“ ein Kontrakt abgeschlossen. Es kann somit angenommen werden, dass das Uhrwerk aus 1732 stammt.
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Schmidt hatte 1712 das [[Bürger der Stadt Salzburg|Bürgerrecht]] als Werkstattnachfolger von [[Jeremias Sauter]], dem Erbauer des [[Salzburger Glockenspiel]]s, erworben.
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Erzbischof Firmian war ein großer Sammler und Liebhaber von komplizierten Uhrwerken und von Sonnenuhren: Ernst von Bassermann-Jordan sprach vom „Uhrenfreund“ und verwies [in der „Uhrmacher-Woche“ 1929) ebenso wie Peter Martin Husty in seiner Diplomarbeit (Pater Bernard Stuart (*1706, † 1755). Ein Salzburger Hofarchitekt und die Aufgaben der Zeit. Salzburg 1989] auf prächtige Standuhren ebenso wie auf die beiden steinernen polyedrischen Sonnenuhren auf den Balustraden des Schlosses Kleßheim, die sich in Verwahrung befinden. Firmian ging in die Geschichte allerdings mehr als „[[Protestantenvertreibung|Protestantenvertreiber]]“ denn als kunstsinniger Landesfürst ein – er hatte zwei Monate vor dem Auftrag für die Turmuhr am [[31. Oktober]], am Jahrestag des Thesenanschlags durch Martin Luther 1517, das „[[Emigrationspatent]]“ unterzeichnet, aufgrund dessen mehr als 20 000 [[Protestanten]] das Land Salzburg verlassen mussten.
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=== Das Turmuhrwerk 1732 ===
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Neben dem Befund nach dem Zerlegen 2011 und bei der Reinigung ist dafür auch der Nachweis der gleichzeitig mit dem Uhrwerk angeschafften Schlagglocken maßgeblich:
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Von den beiden von [[Johann Hackl]] um 100 [[Gulden]] 1732 gegossenen Glocken ist nur mehr eine Schlagglocke (im Bild) vorhanden, die zweite nun wieder in Verwendung gekommene Schlagglocke stammt von [[Franz Xaver Gugg]] aus [[1833]].
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Eine weitere Glocke von [[Benedikt Eisenberger]] aus [[1698]] hängt im Turmhaus, sie befand sich bei der Aufnahme durch Franz Martin für seinen Beitrag 1926 noch oberhalb des Kapellenvorraums im Schloss. Auch die Eisenberger-Glocke weist auf dem Schlagring außen Spuren einer Verwendung als Schlagglocke auf.
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Schon 1794 wurde das Turmuhrwerk 1732 gründlich umgebaut: Johann Bentele ersetzte vermutlich das vorher verwendete kurze Pendel mit Spindelhemmung durch einen knapp vier Meter langen Perpentikel (Clement‘sche Hemmung) und verewigte sich auf der Pendellinse aus „Höglauer Stein“ vom [[Högl]] auf der anderen Seite der [[Saalach]].
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Das Pendel wurde von Franz Martin in den [[1920er]] Jahren samt der Inschrift „J.B. 1794“ dokumentiert, leider ist es nun ebenso verschwunden
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wie das damals noch auf dem Uhrwerk befindliche ausgeschnittene und auf der Vorderseite bemalte Blechwappen Erzbischof Firmians aus 1732 und die drei (vermutlich steinernen?) Gewichte.
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In der Zeit des [[Nationalsozialismus]] wurden im Zuge der Umbauarbeiten von Kleßheim nach einem Konzept von 1940 die beiden Flügel des Turmhauses beseitigt und durch einen Neubau ersetzt, in den beiden neuen Wohnungen sollten der Kastellan und der Haushofmeister untergebracht werden.
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Heute ist eine der beiden Wohnungen besetzt. Der alte Turm blieb (samt Turmuhrwerk und Glocken) erhalten, das Gebäude wurde in der alten Form wiederhergestellt.
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Bei der Revitalisierung 2011durch das Kleinunternehmen „ horologium. michael neureiter“ wurde im Auftrag des Landes Salzburg in ständigem Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt (Hofrat Dr. Ronald Gobiet und Mag. Gerd Pichler; Bescheid des Bundesdenkmalamts, Abteilung Klangdenkmale, vom 10 12 2010) eine umfassende Restaurierung des Werks vorgenommen: Nach dem Zerlegen und Reinigen wurden fehlende Messinglager nachgebaut, ein devastiertes Zahnrad im Viertelstundenschlagwerk durch ein ähnlich altes ersetzt, Kleinteile (insbesondere Keile) ergänzt und die Oberflächensicherung mit mikrokristallinem Wachs durchgeführt. Schließlich erfolgte der Wiederaufbau des Werks und eine gründliche und zeitintensive Abstimmung.
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Die beiden aufgefundenen historischen Schlaghämmer wurden von Mag. Kolmanitsch restauriert und von mir wieder eingebaut. Die Hebelkrümmung bei einem Hammer und die Windungen bei beiden Trägern lassen auf einen Umbau schließen?
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Das fehlende Pendel wurde samt einer Stilkopie der Pendellinse in den Werkstätten der HTL Hallein (Steinmetze und Maschinenbau) unter Leitung von Josef Löffelberger, Hans Otty und Robert Singer nachgebaut. Die Pendellinse wurde wie die originale Bentele-Pendellinse aus Bad Vigaun („J.B. 1790“) gestaltet. Die für Salzburg typischen steinernen Pendellinsen haben damit eine Nachfolgerin erhalten.
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Drei Elektroaufzüge treiben nun nach dem Patent von Klaus Meinhardt, Golling, das dreiteilige Werk, die vier Zifferblätter und die zwei Schlagwerke des Turmhauses an. Der einzige Eingriff in das historische Werk war die Aufbringung der „Taschenräder“ für die drei Antriebsketten auf den drei Holzwalzen: Die Ketten übernehmen mit den Getriebemotoren nun die Aufgabe der früheren Seile und der (ebenfalls verloren gegangenen) Gewichte. Die Elektroaufzüge wurden durch Klaus und Maria Meinhardt und Ing. Anton Haslauer gefertigt und montiert.
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Die Gestänge zu den vier Zifferblättern mussten großteils erneuert werden. Seit ihrem Einbau im Zuge einer Elektrifizierung in den Sechzigerjahren (?) des 20. Jahrhunderts hatte der Rostfraß gewütet und (nach der Stilllegung der Anlage) das Verteilergetriebe und den Großteil der Zeigergetriebe unbrauchbar gemacht.
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Bei der Reinigung wurden u.a. alte Spuren von Bleimennige festgestellt.
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Das Werk aus 1732 wird nun permanent mit dem Signal der Funkuhr Mainflingen (Atomuhr) abgeglichen. Im Park des Schlosses Kleßheim und in der ganzen Umgebung wird es nun wieder als „Schlag- und Zeiguhr“ für eine hörbare und sichtbare Zeitanzeige sorgen.
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In Ergänzung zur Revitalisierung wären drei Maßnahmen notwendig bzw. sinnvoll: Der Ausstieg in die Glockenstube ist stark angerostet und sollte unbedingt mit einem (derzeit fehlenden) Lukendeckel versehen werden. In der Glockenstube sollten die beiden wegen der Wiederanbringung der Schlaghämmer ausgebauten Vogelschutz-Gitter ersetzt werden?
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Für die bestmögliche Präsentation des historischen Uhrwerks wäre dessen Beleuchtung in der Uhrenstube ebenso zu prüfen wie eine Beleuchtung der vier Zifferblätter (oder des ganzen Turms?) von außen!
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== Quellen ==
 
* {{Quelle MMag. Neureiter|mehrere Presseaussendungen im Mai und Juni 2011}}
 
* {{Quelle MMag. Neureiter|mehrere Presseaussendungen im Mai und Juni 2011}}
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* Revitalisierungsbericht von MMag. Michael Neureiter, zur Veröffentlichung im Salzburgwiki freigegeben (E-Mail-Schriftverkehr mit [[Benutzer:Mosaico|Peter Krackowizer]])
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== Bildergalerie ==
 
== Bildergalerie ==
 
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Version vom 31. Dezember 2011, 17:46 Uhr

das Torwarthaus Schloss Kleßheim
Das Torwarthaus neben dem Schloss Kleßheim und das Montage-Team
Fünf Schüler der HTL Hallein waren nach dem Einsatz in der Werkstätte auch in einem „dislozierten Unterricht“ im Turm und halfen beim Wiederaufbau des Turmuhrwerks 1732
Turmuhrwerk 1732, hier in devastiertem Zustand zu Beginn der Revitalisierung 2011
Uhrwerk nach der Restaurierung 2011
die Schlagglocke
Schlaghammer

Das Torwarthaus Schloss Kleßheim ist eines von elf Wächterhäuschen, die den Park von Schloss Kleßheim umgeben, das sich nordwestlich der Landeshauptstadt Salzburg befindet.

Restaurierung 2010 - 2011

Das Turmuhrwerk des „Torwarthauses“ neben Schloss Kleßheim stammt von Joseph Christoph Schmid, der es 1732 fertigte. Beim Umbau 1794 von Johann Bentele sen., ein Uhrmachermeister aus Salzburg, erhielt es auch ein vier Meter langes Pendel mit einer Pendellinse aus „Höglauerstein“ – vom Steinbruch am Högl auf der bayrischen Salzachseite.

Als Michael Neureiter mit seiner Firma horologium 2010 vom Land Salzburg den Auftrag erhielt, das historische Uhrwerk zu revitalisieren, musste er feststellen, dass das Pendel samt der Pendellinse verschwunden war – 1926 war es laut einem Bericht vom Salzburger Historiker Franz Martin noch vorhanden.

Neureiter nahm mit der Steinmetzschule der HTL Hallein Kontakt auf, die die Anfertigung einer neuen Linse zusagte. Die neue Linse und die Pendelstange aus Schmiedeeisen, die ebenfalls in der HTL Hallein gefertigt wurde, entstanden unter Leitung von Fachlehrer Hans Otty.

Turmuhrenexperte Michael Neureiter lud die mit dem Nachbau der steinernen Pendellinse und der Pendelstange aus Schmiedeeisen befassten Schüler im Juni 2011 ein, beim Aufbau des Turmuhrwerks aus 1732 mitzumachen. Es wurde ein spannender Vormittag, an dem das Team auch einige Hinweise auf mehrere Umbauten des Werks fand. Das Uhrwerk wird in den kommenden Wochen komplettiert, mit neuen denkmalverträglichen Elektroaufzügen (Patent Meinhardt) sowie einem neuen Funkuhr-Abgleich versehen und dann dem Auftraggeber, dem Land Salzburg, übergeben.

Sanierung der Glocken, alte Zeiger gefunden

Georg Kolmanitsch aus Wien, spezialisiert auf Metall-Restaurierungen, hatte mittlerweile die drei Glocken im Turm des Torwarthauses renoviert. Sie stammen aus der Zeit der Errichtung des Turms 1732 und aus 1833. Die älteste Glocke, von Benedikt Eisenberger 1698, war ursprünglich im Schloss Kleßheim angebracht.

Kolmanitsch fand im Turm auch ein Paar alter Turmuhr-Zeiger, die wohl aus dem 18. Jahrhundert stammen. Neureiter datiert sie zum Umbau der Turmuhr 1794: „Ich bin sicher, dass diese Zeiger angebracht wurden, als die aus dem Jahr 1732 stammende Turmuhr von Johann Bentele sen. auf das lange Pendel umgebaut wurde!“

Die Geschichte im Detail

Das Turmhaus von Kleßheim, auch „Torwarthaus“ (wegen des daneben liegenden Tores) und „Wachstubenturm“ genannt, wurde 1731 unter Erzbischof Leopold Anton Freiherr von Firmian erbaut, der vielleicht der erste Landesfürst war, der das nach Plänen Johann Bernhard Fischer von Erlachs anfangs des Jahrhunderts erbaute Schloss tatsächlich als Sommersitz benützte.

Die intensive Bautätigkeit dieses Erzbischofs dürfte „sohin auf seine Bemühungen, den Nachteilen des wenig wohnlichen Schlosses durch einige kleinere Herstellungen und Ergänzungen im Innern, sowie durch Errichtung von Nebengebäuden (Wachturm, Meierei, Hoyoshaus) (entgegenzuwirken), zurückzuführen sein“ (Franz Martin: Schloß Klesheim.- In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte. Band IV. Wien: Krystall-Verlag (1926): S. 175-195. Hier S. 193).

1727 war das Brunnenmacherhaus am Bache gebaut worden, 1731 wurde der Salzburger Bildhauer Josef Anton Pfaffinger mit den „vier ligent weiß marmorsteinerne Hirsch bei der neuen Auffahrt zu Klesheim“ beauftragt (der Bau des Kavalierhauses folgte erst 1880). Am 29. Dezember 1731 wurde mit Großuhrmacher Joseph Christoph Schmidt „wegen Verfertigung einer neuen Schlag- und Zeiguhr im Wachstubenturm“ ein Kontrakt abgeschlossen. Es kann somit angenommen werden, dass das Uhrwerk aus 1732 stammt.

Schmidt hatte 1712 das Bürgerrecht als Werkstattnachfolger von Jeremias Sauter, dem Erbauer des Salzburger Glockenspiels, erworben.

Erzbischof Firmian war ein großer Sammler und Liebhaber von komplizierten Uhrwerken und von Sonnenuhren: Ernst von Bassermann-Jordan sprach vom „Uhrenfreund“ und verwies [in der „Uhrmacher-Woche“ 1929) ebenso wie Peter Martin Husty in seiner Diplomarbeit (Pater Bernard Stuart (*1706, † 1755). Ein Salzburger Hofarchitekt und die Aufgaben der Zeit. Salzburg 1989] auf prächtige Standuhren ebenso wie auf die beiden steinernen polyedrischen Sonnenuhren auf den Balustraden des Schlosses Kleßheim, die sich in Verwahrung befinden. Firmian ging in die Geschichte allerdings mehr als „Protestantenvertreiber“ denn als kunstsinniger Landesfürst ein – er hatte zwei Monate vor dem Auftrag für die Turmuhr am 31. Oktober, am Jahrestag des Thesenanschlags durch Martin Luther 1517, das „Emigrationspatent“ unterzeichnet, aufgrund dessen mehr als 20 000 Protestanten das Land Salzburg verlassen mussten.

Das Turmuhrwerk 1732

Neben dem Befund nach dem Zerlegen 2011 und bei der Reinigung ist dafür auch der Nachweis der gleichzeitig mit dem Uhrwerk angeschafften Schlagglocken maßgeblich:

Von den beiden von Johann Hackl um 100 Gulden 1732 gegossenen Glocken ist nur mehr eine Schlagglocke (im Bild) vorhanden, die zweite nun wieder in Verwendung gekommene Schlagglocke stammt von Franz Xaver Gugg aus 1833.

Eine weitere Glocke von Benedikt Eisenberger aus 1698 hängt im Turmhaus, sie befand sich bei der Aufnahme durch Franz Martin für seinen Beitrag 1926 noch oberhalb des Kapellenvorraums im Schloss. Auch die Eisenberger-Glocke weist auf dem Schlagring außen Spuren einer Verwendung als Schlagglocke auf.

Schon 1794 wurde das Turmuhrwerk 1732 gründlich umgebaut: Johann Bentele ersetzte vermutlich das vorher verwendete kurze Pendel mit Spindelhemmung durch einen knapp vier Meter langen Perpentikel (Clement‘sche Hemmung) und verewigte sich auf der Pendellinse aus „Höglauer Stein“ vom Högl auf der anderen Seite der Saalach.

Das Pendel wurde von Franz Martin in den 1920er Jahren samt der Inschrift „J.B. 1794“ dokumentiert, leider ist es nun ebenso verschwunden wie das damals noch auf dem Uhrwerk befindliche ausgeschnittene und auf der Vorderseite bemalte Blechwappen Erzbischof Firmians aus 1732 und die drei (vermutlich steinernen?) Gewichte.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden im Zuge der Umbauarbeiten von Kleßheim nach einem Konzept von 1940 die beiden Flügel des Turmhauses beseitigt und durch einen Neubau ersetzt, in den beiden neuen Wohnungen sollten der Kastellan und der Haushofmeister untergebracht werden. Heute ist eine der beiden Wohnungen besetzt. Der alte Turm blieb (samt Turmuhrwerk und Glocken) erhalten, das Gebäude wurde in der alten Form wiederhergestellt.

Bei der Revitalisierung 2011durch das Kleinunternehmen „ horologium. michael neureiter“ wurde im Auftrag des Landes Salzburg in ständigem Einvernehmen mit dem Bundesdenkmalamt (Hofrat Dr. Ronald Gobiet und Mag. Gerd Pichler; Bescheid des Bundesdenkmalamts, Abteilung Klangdenkmale, vom 10 12 2010) eine umfassende Restaurierung des Werks vorgenommen: Nach dem Zerlegen und Reinigen wurden fehlende Messinglager nachgebaut, ein devastiertes Zahnrad im Viertelstundenschlagwerk durch ein ähnlich altes ersetzt, Kleinteile (insbesondere Keile) ergänzt und die Oberflächensicherung mit mikrokristallinem Wachs durchgeführt. Schließlich erfolgte der Wiederaufbau des Werks und eine gründliche und zeitintensive Abstimmung.

Die beiden aufgefundenen historischen Schlaghämmer wurden von Mag. Kolmanitsch restauriert und von mir wieder eingebaut. Die Hebelkrümmung bei einem Hammer und die Windungen bei beiden Trägern lassen auf einen Umbau schließen?

Das fehlende Pendel wurde samt einer Stilkopie der Pendellinse in den Werkstätten der HTL Hallein (Steinmetze und Maschinenbau) unter Leitung von Josef Löffelberger, Hans Otty und Robert Singer nachgebaut. Die Pendellinse wurde wie die originale Bentele-Pendellinse aus Bad Vigaun („J.B. 1790“) gestaltet. Die für Salzburg typischen steinernen Pendellinsen haben damit eine Nachfolgerin erhalten.

Drei Elektroaufzüge treiben nun nach dem Patent von Klaus Meinhardt, Golling, das dreiteilige Werk, die vier Zifferblätter und die zwei Schlagwerke des Turmhauses an. Der einzige Eingriff in das historische Werk war die Aufbringung der „Taschenräder“ für die drei Antriebsketten auf den drei Holzwalzen: Die Ketten übernehmen mit den Getriebemotoren nun die Aufgabe der früheren Seile und der (ebenfalls verloren gegangenen) Gewichte. Die Elektroaufzüge wurden durch Klaus und Maria Meinhardt und Ing. Anton Haslauer gefertigt und montiert.

Die Gestänge zu den vier Zifferblättern mussten großteils erneuert werden. Seit ihrem Einbau im Zuge einer Elektrifizierung in den Sechzigerjahren (?) des 20. Jahrhunderts hatte der Rostfraß gewütet und (nach der Stilllegung der Anlage) das Verteilergetriebe und den Großteil der Zeigergetriebe unbrauchbar gemacht.

Bei der Reinigung wurden u.a. alte Spuren von Bleimennige festgestellt.

Das Werk aus 1732 wird nun permanent mit dem Signal der Funkuhr Mainflingen (Atomuhr) abgeglichen. Im Park des Schlosses Kleßheim und in der ganzen Umgebung wird es nun wieder als „Schlag- und Zeiguhr“ für eine hörbare und sichtbare Zeitanzeige sorgen.

In Ergänzung zur Revitalisierung wären drei Maßnahmen notwendig bzw. sinnvoll: Der Ausstieg in die Glockenstube ist stark angerostet und sollte unbedingt mit einem (derzeit fehlenden) Lukendeckel versehen werden. In der Glockenstube sollten die beiden wegen der Wiederanbringung der Schlaghämmer ausgebauten Vogelschutz-Gitter ersetzt werden?

Für die bestmögliche Präsentation des historischen Uhrwerks wäre dessen Beleuchtung in der Uhrenstube ebenso zu prüfen wie eine Beleuchtung der vier Zifferblätter (oder des ganzen Turms?) von außen!

Quellen

  • Quelle MMag. Michael Neureiter, mehrere Presseaussendungen im Mai und Juni 2011
  • Revitalisierungsbericht von MMag. Michael Neureiter, zur Veröffentlichung im Salzburgwiki freigegeben (E-Mail-Schriftverkehr mit Peter Krackowizer)

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