Joseph Mohr in Hof bei Salzburg: Unterschied zwischen den Versionen
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| + | Andreas Radauer wurde 1934 als viertes von insgesamt sieben Kindern der Bauersleute Franz und Johanna Radauer geboren. Seine Großmutter väterlicherseits, Johanna Radauer, geboren 1880 als Johanna Enzinger, stammte vom Ederbauern in Thalgau-Egg ab. Schon ihre Vorfahren waren musikalisch sehr begabt und haben viel gesungen. Begünstigt durch die geographische Nähe zu Hof, so Pfarrer Radauer, könnten sie wegen der schulmusikalischen Arbeit von Joseph Mohr sehr wahrscheinlich Verbindung zu ihm gehabt haben. | ||
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| + | Das Lied hat viele Jahre „geschlummert“, ein Teil davon, nämlich die Strophen 2 und 3 wurden jedoch glücklicherweise im Gedächtnis mehrerer Generationen bewahrt. Die „Radauer-Kinder“, die das Liedgut von ihrer Enzinger- Großmutter übernommen hatten, gingen damals mit diesem Lied zu den Verwandten „Neujahrswünschen“. Vor 42 Jahren kam das Lied wieder ans „musikalische Tageslicht“, indem es durch Andreas Radauer und seinen Schwestern Johanna und Maria am 5. Mai 1976 im Gasthaus Spatzenegger in Seekirchen am Wallersee, gesungen und von Gerlinde Haid aufgeschrieben wurde. | ||
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| + | Frau Dr. Gerlinde Haid, geborene Hofer, 1943 in Bad Aussee geboren, 2012 in Innsbruck verstorben, zuletzt o. Professorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, berichtete, dass das Hirtenlied, bis zur Aufnahme in Seekirchen in der Literatur und Volksliedpflege nicht bekannt war. Sie meinte, dass es aus einer älteren Volksüberlieferung kommen könnte und älter sei als das berühmte „Stille Nacht“, dessen Anfangsmotiv es eines Tages übernommen habe. Unabhängig davon sagte Frau Prof. Gerlind Haid, dass dieses Lied es wert sei, besonders gewürdigt zu werden. „Nicht nur deswegen, weil es zu dem uns vertrauten Weihnachtslied offensichtlich in Beziehung steht, sondern weil es ein Schmucksteinchen aus dem Schatz der Volksüberlieferung sei, wie es Volksmusikforscher nur selten finden.“ | ||
| + | Nach einem Volksliedseminar 1986 kam in der Presse die Meldung, dass mit diesem Lied eine mundartliche Urfassung von "Stille Nacht Heilige Nacht!" gefunden worden wäre. Haid widersprach und die Sache regte nun den Musikwissenschaftler Mag. Hermann Fritz, geb.1954 in Linz, u.a. auch Lektor an der UNI Mozarteum, zu einer neuerlichen Untersuchung an. Er ließ sich dazu 1986 in Mattsee von Pfarrer Radauer und seiner Schwester Johanna Dürager (1930-2017), Bäuerin in Mattsee, das Lied noch einmal vorsingen. Die eingehende Untersuchung ergab, dass das Lied nicht älter sein konnte, als das berühmte „Stille Nacht“, sondern jünger sein musste, weil es sich gänzlich mit Ausnahme der drei Schlusstakte aus Grubers Komposition ableiten lässt. Dass Mohr der Schöpfer des Liedes gewesen sei, war für Pfarrer Radauer sehr wahrscheinlich, der eindeutige „Vaterschaftsnachweis“ dafür konnte aber von den Wissenschaftlern nicht erbracht werden. | ||
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| + | Es ist sehr erfreulich, dass dieses Lied am 27. November in Hof erstmalig in der Öffentlichkeit gesungen wurde. Unter den bewährten Sängerinnen unter der Leitung von Maria-Luise befanden sich auch die 4 Töchter der Familie Ebner (KAREB) in Hof. Deren Vater Karl Ebner, ein begeisteter Sänger, ehemals auch Vizebürgermeister von Hof, stammte mütterlicherseits ebenfalls vom Ederbauern in Thalgau-Egg ab: Karl Ebners Mutter Johanna, war eine Schwester von Pfarrer Radauers Großmutter Maria Enzinger, verheiratete Radauer. | ||
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Version vom 28. November 2018, 20:46 Uhr
Datei:Taufen in Hof durch J. Mohr.pdf
Joseph Mohr' wirkte von September 1827 bis Jänner 1828 in der Pfarre Hof als Vikariats-Provisor.
Die Gedenktafel
Die Gedenktafel in der Hofer Pfarrkirche erinnert daran. Anschließend kam er für neun Jahre in die Pfarre Hintersee. In seiner Zeit als Vikariats-Provisor in Hof taufte er acht Kinder.
Unter den rund 40 Seelsorgern seit der Vikariatserhebung der Seelsorgestelle im Jahre 1785 befindet sich auch Josph Mohr. Eine Gedenktafel im südlichen Eingangsraum mit folgender Inschrift erinnert an ihn:
In piam memoriam (Zum frommen Gedenken)
Der Dichter des Weihnachtsliedes (Stille Nacht! Heilige Nacht!)
R.D. Joseph Mohr (R.D. = Referendissimus Dominus = Hochwürdigster Herr)
wirkte in Hof von September 1827
bis Jänner 1828 als Vikariats-Provisor (Vikariat = Seelsorgestelle einer Mutter-Pfarre - die Mutterpfarre von Hof war Thalgau. Provisor = in diesem Falle Seelsorger des Vikariats).
Unbekanntes
Nach den Forschungen von Pfarrer Andreas Radauer (seit 2009 Pfarre Elixhausen, vorher Pfarre Mühlbach am Hochkönig und Pfarre Bischofshofen) ist es denkbar, dass Joseph Mohr während seiner Zeit in Hof oder Hintersee das spezielle „Stille-Nacht-Lied“ für Kinder reimte und vertonte, von dem noch zwei Strophen erhalten sind. Das Lied ist ein so genanntes „Ansingelied“, mit dem die Kinder Neujahrswünschen gegangen sind. Andreas Radauer wurde 1934 als viertes von insgesamt sieben Kindern der Bauersleute Franz und Johanna Radauer geboren. Seine Großmutter väterlicherseits, Johanna Radauer, geboren 1880 als Johanna Enzinger, stammte vom Ederbauern in Thalgau-Egg ab. Schon ihre Vorfahren waren musikalisch sehr begabt und haben viel gesungen. Begünstigt durch die geographische Nähe zu Hof, so Pfarrer Radauer, könnten sie wegen der schulmusikalischen Arbeit von Joseph Mohr sehr wahrscheinlich Verbindung zu ihm gehabt haben.
Das Lied hat viele Jahre „geschlummert“, ein Teil davon, nämlich die Strophen 2 und 3 wurden jedoch glücklicherweise im Gedächtnis mehrerer Generationen bewahrt. Die „Radauer-Kinder“, die das Liedgut von ihrer Enzinger- Großmutter übernommen hatten, gingen damals mit diesem Lied zu den Verwandten „Neujahrswünschen“. Vor 42 Jahren kam das Lied wieder ans „musikalische Tageslicht“, indem es durch Andreas Radauer und seinen Schwestern Johanna und Maria am 5. Mai 1976 im Gasthaus Spatzenegger in Seekirchen am Wallersee, gesungen und von Gerlinde Haid aufgeschrieben wurde.
Frau Dr. Gerlinde Haid, geborene Hofer, 1943 in Bad Aussee geboren, 2012 in Innsbruck verstorben, zuletzt o. Professorin an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien, berichtete, dass das Hirtenlied, bis zur Aufnahme in Seekirchen in der Literatur und Volksliedpflege nicht bekannt war. Sie meinte, dass es aus einer älteren Volksüberlieferung kommen könnte und älter sei als das berühmte „Stille Nacht“, dessen Anfangsmotiv es eines Tages übernommen habe. Unabhängig davon sagte Frau Prof. Gerlind Haid, dass dieses Lied es wert sei, besonders gewürdigt zu werden. „Nicht nur deswegen, weil es zu dem uns vertrauten Weihnachtslied offensichtlich in Beziehung steht, sondern weil es ein Schmucksteinchen aus dem Schatz der Volksüberlieferung sei, wie es Volksmusikforscher nur selten finden.“ Nach einem Volksliedseminar 1986 kam in der Presse die Meldung, dass mit diesem Lied eine mundartliche Urfassung von "Stille Nacht Heilige Nacht!" gefunden worden wäre. Haid widersprach und die Sache regte nun den Musikwissenschaftler Mag. Hermann Fritz, geb.1954 in Linz, u.a. auch Lektor an der UNI Mozarteum, zu einer neuerlichen Untersuchung an. Er ließ sich dazu 1986 in Mattsee von Pfarrer Radauer und seiner Schwester Johanna Dürager (1930-2017), Bäuerin in Mattsee, das Lied noch einmal vorsingen. Die eingehende Untersuchung ergab, dass das Lied nicht älter sein konnte, als das berühmte „Stille Nacht“, sondern jünger sein musste, weil es sich gänzlich mit Ausnahme der drei Schlusstakte aus Grubers Komposition ableiten lässt. Dass Mohr der Schöpfer des Liedes gewesen sei, war für Pfarrer Radauer sehr wahrscheinlich, der eindeutige „Vaterschaftsnachweis“ dafür konnte aber von den Wissenschaftlern nicht erbracht werden.
Es ist sehr erfreulich, dass dieses Lied am 27. November in Hof erstmalig in der Öffentlichkeit gesungen wurde. Unter den bewährten Sängerinnen unter der Leitung von Maria-Luise befanden sich auch die 4 Töchter der Familie Ebner (KAREB) in Hof. Deren Vater Karl Ebner, ein begeisteter Sänger, ehemals auch Vizebürgermeister von Hof, stammte mütterlicherseits ebenfalls vom Ederbauern in Thalgau-Egg ab: Karl Ebners Mutter Johanna, war eine Schwester von Pfarrer Radauers Großmutter Maria Enzinger, verheiratete Radauer.
- Die überlieferten Strophen des Liedes lauten
- 2. Strophe:
- Stille Nacht, heilige Nacht, wir bringen dem Kindlein ein Opfer dar.
- I bring eahm an Stritzl, i bring eahm a Oar.
- I bring eahm an Budern, a paar Reißtl Haar, i bring eahm a Täüberl a zwoa.
- 3. Strophe:
- Stille Nacht, heilige Nacht, wir wünschen enk alln a glückselig`s Neu`s Jahr.
- Wir wünschen Georgius, Leonhardus ins Haus, dass alles Unglück muss weichen hinaus.
- Wir Kinder, wir gehen nach Haus.
- Erläuterung
- Reißtl Haar: Zopf aus Hanf,
- an Oar: Ein Ei,
- Budern: Butter
200 Jahre "Stille Nacht, heilige Nacht"
Der Umstand, dass Joseph Mohr in den Jahren 1827/1828 auch in der Pfarre Hof tätig war, war den Kulturschaffenden in Hof Anlass, neben den neun Orten des Jubiläumsjahres in Salzburg, Oberösterreich und Tirol auch in Hof bei Salzburg durch eine passende Veranstaltung der Verbindung zu Joseph Mohr Rechnung zu tragen.
Dazu fand am 27. November 2018 in Gasthof Post eine Erinnerungsfeier statt.
Es gab dazu folgende Programmpunkte:
- Einleitende Worte von Alexander Salzmann, Ehrenbürger und Altbürgermeister von Hof bei Salzburg
- Entstehung und Bedeutung des Liedes. Vortag von MMag. Michael Neureiter, Präsident der Stille Nacht Gesellschaft.
- Joseph Mohr in Hof bei Salzburg und das "Stille Nacht" - Lied für Kinder. Vortrag von Dr. phil. Martin Gschwandtner, Techniker und Historiker in Hof bei Salzburg.
- Musikalische Umrahmung durch einen Frauenchor aus Hof mit Vortrag von Weihnachtsliedern aus örtlichen Quellen.
Bilder von der Veranstaltung am 27. November 2018
Vortrag v. MMag. Michael Neureiter, Entstehung u. Bedeutung des Liedes
Quellen
- Radauer, Andreas: Brief an Martin Gschwandtner vom 6. Juni 2000 mit Notenblatt
- Mündliche Informationen von Pfarrer Radauer an Martin Gschwandtner am 19.11.2001
- Haid, Gerlinde: Transkription des Liedes, Eugendorf 1996
- Scriptor Das "Stille Nacht" für Kinder