Pilgrim II. von Puchheim: Unterschied zwischen den Versionen

Aus SALZBURGWIKI
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Zeile 19: Zeile 19:
 
[[1382]] ist er in die [[Berchtesgadener Expedition]] involviert.
 
[[1382]] ist er in die [[Berchtesgadener Expedition]] involviert.
  
Am [[16. Juni]] [[1393]] wurde durch Papst Bonifaz IX. die [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] der erzbischöflichen Mensa zur Versorgung der Hofhaltung einverleibt, was allerdings nur bis [[1407]] aufrecht blieb. Im selben Jahr gründete er mit der [[Salzburger Cantorey]] ein Ensemble, das mit der Pflege der mehrstimmigen Kirchenmusik betraut war und aus dem der heute existente [[Salzburger Domchor]] hervorging: Pilgrim war der erste Fürsterzbischof, der Salzburg zu einem Mittelpunkt höfischer Kunst und Kultur machte. Er holte auch den angesehenen  [[Mönch von Salzburg]], der größte Lyriker seiner Zeit an seinen Hof nach Salzburg.  In früheren Jahren war vermutet worden, dass er der sagenumwobene [[Mönch von Salzburg]] gewesen sein könnte, was aber kaum glaubhaft ist.  
+
Am [[16. Juni]] [[1393]] wurde durch Papst Bonifaz IX. die [[Fürstpropstei Berchtesgaden]] der erzbischöflichen Mensa zur Versorgung der Hofhaltung einverleibt, was allerdings nur bis [[1407]] aufrecht blieb.
 +
 
 +
Pilgrim war der erste Fürsterzbischof, der in Salzburg einen glänzenden Hofstaat gründete und Salzburg mitteleuropaweit zu einem Mittelpunkt höfischer Kunst und Kultur machte. Im selben Jahr 1393 gründete er mit der [[Salzburger Cantorey]] ein Ensemble, das mit der Pflege der mehrstimmigen Kirchenmusik betraut war und aus dem der heute existente [[Salzburger Domchor]] hervorging: Er holte auch den größte Lyriker seiner Zeit, den [[Mönch von Salzburg]] an seinen Hof nach Salzburg.  In früheren Jahren war vermutet worden, dass er der sagenumwobene [[Mönch von Salzburg]] gewesen sein könnte, was aber kaum glaubhaft ist. Ein Kunstwerk von besonderem Rang ist sein Thronsiegel, dessen Ausstattung bisher einzigartig war und das später Vorbild für zahlreiche Siegel nachfolgender Fürsterzbischöfe wurde. 
  
 
Pilgrim II. war es auch, der gleichsam die ersten Schritte zur ''Verstaatlichung'' des [[Silbererzbergbau|Silber-]], [[Goldbergbau|Gold-]], [[Salzbergbau]]s und der [[Salzachschifffahrt]] einleitete. Er ließ den ersten [[Gulden|Goldgulden]] Salzburgs in der [[Salzburger Münze]] prägen.
 
Pilgrim II. war es auch, der gleichsam die ersten Schritte zur ''Verstaatlichung'' des [[Silbererzbergbau|Silber-]], [[Goldbergbau|Gold-]], [[Salzbergbau]]s und der [[Salzachschifffahrt]] einleitete. Er ließ den ersten [[Gulden|Goldgulden]] Salzburgs in der [[Salzburger Münze]] prägen.

Version vom 9. Oktober 2018, 16:01 Uhr

Unter dem streitbaren Fürsterzbischof Pilgrim II. von Puchheim erreichte das Erzbistum seine flächenmäßig größte Ausbreitung.

Leben

Er war von 1365 bis 1396 Fürsterzbischof von Salzburg und ein Salzburger Landesfürst des ausklingenden Mittelalters.


Die durch das Salzburger Stadtrecht von 1368/71 dokumentierte, relativ weit gediehene städtische Autonomie erfuhr in der Zeit der autoritären Regierung Pilgrims II. von Puchheim (1366–1396) massive Einschränkungen. Der Erzbischof beschnitt als starker Stadtherr die Rechte der Bürger gegenüber dem aufgezeichneten Stadtrecht in vielen Punkten.

Da der Puchheimer und sein Nachfolger Gregor Schenk von Osterwitz nicht bereit waren, den bürgerlichen Anliegen und auch den Forderungen des Adels zu entsprechen, schlossen 1403, nach dem Tod Erzbischof Gregors, 56 Vertreter des Salzburger Adels und die fünf landesherrlichen Städte Salzburg, Laufen, Tittmoning, Hallein und Radstadt ein Schutzbündnis zur Wahrung ihrer Interessen gegenüber dem erzbischöflichen Landesherrn.

1368 ließ Pilgrim das Stadtrecht neu fassen und engte darin als autokratischer Fürst die Stadtrechte stark ein. Dies war später der Anlass, das sich 1403 Adel und Stadtbürger, ein Schutzbündnis gegen die jeweiligen erzbischöflichen Landesherrn schlossen, den "Igelbund".

In den Kämpfen zwischen Österreich und Bayern um den Besitz von Tirol blieb er neutral. Er weigerte sich auch, die Alpenübergänge nach Venedig im Krieg der Habsburger gegen die Serenissima zu sperren, da diese für den Salzburger Handel von großer Bedeutung waren.

1371 besetzte er in einer militärischen Aktion Berchtesgaden, geriet aber selbst durch einen Hinterhalt am 27. November 1387 in Raitenhaslach in die Gefangenschaft der bayerischen Herzöge. Er wurde durch eine gemeinsame Aktion des Domkapitels und der Salzburger Landstände um 30.000 Gulden und den Verzicht auf die Burgen Pilgrim und Kropfsberg im Inntal (beide im heutigen Nordtirol) freigekauft.

1377 ging das Brixental durch Verpfändung an Friedrich, Bischof von Chiemsee. Dieser verkaufte den ihm verpfändeten Besitz für 18.000 ungarische Gulden 1380 vorbehaltlich eines Rückkaufes an Pilgrim und 1385 gegen eine Summe von weiteren 8.000 ungarischen Gulden für immer an den Erzbischof von Salzburg.

1382 ist er in die Berchtesgadener Expedition involviert.

Am 16. Juni 1393 wurde durch Papst Bonifaz IX. die Fürstpropstei Berchtesgaden der erzbischöflichen Mensa zur Versorgung der Hofhaltung einverleibt, was allerdings nur bis 1407 aufrecht blieb.

Pilgrim war der erste Fürsterzbischof, der in Salzburg einen glänzenden Hofstaat gründete und Salzburg mitteleuropaweit zu einem Mittelpunkt höfischer Kunst und Kultur machte. Im selben Jahr 1393 gründete er mit der Salzburger Cantorey ein Ensemble, das mit der Pflege der mehrstimmigen Kirchenmusik betraut war und aus dem der heute existente Salzburger Domchor hervorging: Er holte auch den größte Lyriker seiner Zeit, den Mönch von Salzburg an seinen Hof nach Salzburg. In früheren Jahren war vermutet worden, dass er der sagenumwobene Mönch von Salzburg gewesen sein könnte, was aber kaum glaubhaft ist. Ein Kunstwerk von besonderem Rang ist sein Thronsiegel, dessen Ausstattung bisher einzigartig war und das später Vorbild für zahlreiche Siegel nachfolgender Fürsterzbischöfe wurde.

Pilgrim II. war es auch, der gleichsam die ersten Schritte zur Verstaatlichung des Silber-, Gold-, Salzbergbaus und der Salzachschifffahrt einleitete. Er ließ den ersten Goldgulden Salzburgs in der Salzburger Münze prägen.


Quellen und Literatur


Zeitfolge