Trachtenmusikkapelle Koppl: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 2. November 2017, 10:52 Uhr

Auftritt der Trachtenmusikapelle Koppl bei einem Dekanatsfest in Thalgau

Die Trachtenmusikkapelle Koppl ist in der Flachgauer Gemeinde Koppl beheimatet.

Kapellmeister

  • Kapellmeister: Wolfgang Bahngruber
  • Vizekapellmeister: Wolfgang Scheiböck

Geschichte

Von den Anfangsjahren

Michael Fuchsberger, vom Ebenbauer in Koppl-Winkl, war gerade 17 Jahre alt, als er sich entschloss, im Jahre 1896 in Koppl eine Musikkapelle zu gründen. Wichtigstes Motiv war, dass er es satt hatte, ständig die mühevollen Fußmärsche zur Musikkapelle des Eisenwerkes in Ebenau oder später nach Seekirchen auf sich zu nehmen.

Doch aller Anfang war schwer – oder ohne Noten koa Musi. Auf gut deutsch hieß das: Michael Fuchsberger musste sich zunächst einmal auf die Suche nach brauchbaren Noten machen, selbst wenn er viele Melodien im Kopf hatte und aufgrund seiner musikalischen Begabung auch in der Lage war, sie auf Papier zu bringen.

Fündig wurde der Gründer der Koppler Trachtenmusikkapelle dabei vor allem beim „Lahner“ dem damaligen Kapellmeister in der Faistenau, der über ein großes Notenarchiv verfügte. Erfreut über diesen Fund nahm er den Griffel in die Hand, um Notenblatt für Notenblatt abzuschreiben.

Die Ebenauer, die unliebsame Konkurrenz fürchteten, bekamen Wind davon, was sich beim „Lahner“ abspielte. Sie sannen auf Rache und schlichen sich an das Haus des Faistenauer Kapellmeisters, um dem Koppler eine Abreibung zu verpassen. Doch der entkam knapp – über Stall und Hinterausgang. Ein bitterer Wermutstropfen lieb trotzdem: Die eigene Haut war gerettet, nicht aber alles Notenmaterial, das er schon übertragen hatte. Das vernichteten die Ebenauer. Doch was ein richtiger Koppler ist, der geht seinen einmal eingeschlagenen Weg unbeirrt und geradlinig weiter. Also alles wieder von vorne.

Beschwerlich war für Fuchsberger jedenfalls die Arbeit als Kapellmeister. Das schwierigste daran war wohl die Ausbildung der Jungmusiker. So haperte es beim einen daran, dass er keine Noten lesen konnte, beim anderen, dass er die Noten in eine Melodie umsetzen konnte. So sang und pfiff Fuchsberger seinen Musikern die Stücke so lange vor, bis sie sie „drinnen“ hatten.

In den Anfängen sind die Koppler Musikanten neben kirchlichen Anlässen hauptsächlich zu Hochzeiten und zu Gartenfesten in Guggenthal ausgerückt. Die Gartenfeste fanden, im Gegensatz zum heute beliebten Frühschoppen, Sonntag nachmittags statt. Die Koppler, Guggenthaler, aber auch die Leute aus Gnigl kamen bei diesen Anlässen zusammen, um miteinander zu plaudern; getanzt wurde nicht.

Gerne eingeladen wurden die Koppler Trachtenmusiker am Anfang der 20. Jahrhunderts und vor allem nach dem Ersten Weltkrieg zu Konzerten in die Stadt Salzburg. Für die Auftritte in der Stadt verlangte man von den Kopplern, dass sie in der so genannten „Alten Tracht“, einer Bauerntracht im zu Ende gehenden 19. Jahrhundert auftraten. Die Tracht bestand aus einem grauen Trachtenrock mit Stehkragen und Revers, sowie einem grauen Hut mit grünem Band. Sie musste von den Musikern teilweise ausgeliehen werden.

In der Zwischenkriegszeit

Das erste Mal nach dem Ersten Weltkrieg spielte die Trachtenmusikkapelle im Jänner 1919 beim Heimkehrerball.

1923 wurde der erste Musikerball mit Tombola beim Kirchenwirt in Koppl veranstaltet. Es kamen für damalige Verhältnisse unglaubliche 400 Schilling – soviel wie ein Bauer für eine Kuh erhielt – zusammen, Geld genug um Stoff für die Röcke und Filz für die Hüte zu kaufen. Der Geldsegen auf dem Ball kam vor allem von freigiebigen Arbeitern, die an der Strubklamm-Sperre arbeiteten und dort gut verdienten.

Was es dann bedeutete, als der Gründer der Koppler Musikkapelle 1928 im 51. Lebensjahr durch einen tragischen Unfall mitten aus einem erfüllten Leben gerissen wurde, kann man sich leicht ausmalen. Passiert war das Unglück, als Fuchsberger eine Petroleumlampe nachfüllte und diese plötzlich explodierte. Die dadurch erlittenen Verbrennungen waren so schlimm, dass er nicht mehr gerettet werden konnte. Er wurde am Heiligen Abend 1928 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung begraben.

Von diesem Schicksalsschlag hat sich die Trachtenmusikkapelle lange nicht erholt. Die Führung wechselte des Öfteren in der Kapelle und während des Zweiten Weltkrieges war die Trachtenmusikkapelle in ihrem Wirken praktisch lahmgelegt. Zu viele fehlten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Johann Fuchsberger, der Sohn des Gründers, übernahm 1945 den notwendig gewordenen Wiederaufbau und leitete die Musikkapelle bis 1955. 1949 gab es dann eine neue Tracht, die Röcke blieben grau, dazu kamen schwarze Hosen und ein Salzburger Hut mit Schildhahnfeder.

1955 übernahm der überaus beliebte Johann Leitner das Amt des Kapellmeisters. Er drückte der Musik seinen Stempel bis 1969 auf, als er leider allzu früh im Alter von 43 Jahren von einem heimtückischen Krebsleiden besiegt wurde. Josef Teufl (Obmann von 1956 bis 1980) beschrieb ihn als überaus umgänglichen und lebenslustigen Kameraden: „Er war musikalisch unumstritten, hat Zwistigkeiten rasch vergessen und war nie nachtragend.

Erwähnenswert aus den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sind auch die schwierigen Umstände, unter denen 1964 die Neuinstrumentierung erfolgte. Die Musikkameraden mussten alles selbst vorfinanzieren. Jeder zahlte 2.000 Schilling in die Kasse, das Geld bekam man in zwei Jahresraten wieder zurück. Für die rund 100.000 Schilling die erforderlich waren spendeten die Koppler Bauern Bäume, durch deren Verkauf die Musikkapelle Einnahmen erzielte.

Nach dem frühen Tod von Johann Leitner übernahm zwischen 1969 und 1975 Hermann Fuchsberger (vulgo Eggerbauer) die musikalische Leitung, der dieses Amt noch einmal von 1979 bis 1982 inne hatte. Auf ihn folgte das Intermezzo des Franz Reichl (1975 - 1976), der sehr bald den Kapellmeister zurücklegte, da er eine Stelle als Posaunist am Stadttheater Ulm in Deutschland erhielt.

Danach kam der Enkel des Gründers und heutige Ebenbauer Johann Fuchsberger als musikalischer Leiter der Trachtenmusikkapelle. Er führte die Musikanten, mit einer Unterbrechung (1979 - 1982) von 1976 bis 1991 dreizehn Jahre an. Unter seiner Regentschaft gab es die ersten Studioaufnahmen beim ORF Landesstudio Salzburg (1986) und die erste Teilnahme an einem Wertungsspiel (1990). Der Abschied war begleitet von leichter Resignation und Verärgerung. Im Jahresbericht 1990/91 hält der Chronist schriftlich fest: Es werde zu Hause zu wenig geübt, dadurch habe man keinen „Ansatz“. Es gebe zu viele Ausreden, um versäumte Probenbesuche zu entschuldigen. Fazit des Kapellmeisters: „Die moderne Freizeitgesellschaft hat heutzutage viel mehr zu bieten als zu Zeiten meines Großvaters. Die Musik sei leider für viele nicht mehr die ganz große Leidenschaft, der man früher alles unterordnete.

Seit 1991 übt Wolfgang Bahngruber (Volksschuldirektor in Guggenthal) das schwierige, aber ungemein reizvolle Amt des Kapellmeisters aus. Mit Beginn der Achtzigerjahre, also bereits unter Johann Fuchsberger, begann eine kontinuierliche Jugendarbeit. Mit der Einführung von Musikschulen und der Ausbildung der Musiker von professionellen Lehrern wurden sowohl die Quantität wie auch die Qualität in der Musikkapelle gesteigert. Waren es bis Ende der 1970er Jahre ca. 30 Spielleute, so wuchs die Kapelle bis zur Jahrtausendwende auf ca. 50 Musiker und Musikerinnen an. Durch die Verjüngung der Kapelle wird auch teilweise eine modernere Literatur gespielt. Kapellmeister Wolfgang Bahngruber verschließt sich nicht neuen Komponisten und vergisst dabei auch nicht auf das Traditionelle. Besonders ist er darauf bedacht, dass sich sowohl die jungen wie auch die älteren Musikanten in unserer Musikkapelle akzeptiert wissen.

In seiner bereits über 20-jährigen Tätigkeit als Kapellmeister werden jährlich zwei Konzerte gespielt, welche die musikalischen Höhepunkte für die Musikanten darstellen. Daneben wurden zwei Tonträger aufgenommen und an zwei Wertungsspielen teilgenommen. Der erste Tonträger dem Titel „Durchs Jahr, durchs Lebn“ entstand im Jahre 1996, anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums der Trachtenmusikkapelle. 2011 folgte die zweite CD, gemeinsam mit weiteren Musikgruppen und Chören aus Koppl, mit dem Titel „Verkabelt“.

Besonderheiten der TMK Koppl

Höhepunkt aus der jüngeren Geschichte war sicher das 100-Jahr-Jubiläum im Jahre 1996. Besonders zu erwähnen sind hier zwei Auftragswerke welche zum 100. Geburtstag geschrieben wurden:

Die Jakobi-Messe für Orchester und Chor, komponiert von dem viel zu früh verstorbenen Pater Martin Fuchsberger MSC, die uns nun bei unserem jährlichen Fest des Kirchenpatrons Jakobus musikalisch begleitet.

Der Koppler Festmarsch, gewidmet und komponiert von unserem Altkapellmeister und Ehrenmitglied Hermann Fuchsberger ist ein unverzichtbares Werk in unseren musikalischen Schätzen.

Koppler Kapellmeister seit 1896

1896 – 1928: Michael Fuchsberger, vlg. Ebenbauer

1929 – 1932: Martin Pichler, vlg. Moasta

1932 – 1934: Matthias Pichler, vlg. Fuchsluckbauer

1934 – 1936: Josef Habring, vlg. Zauner Pepi

1936 – 1938: Josef Kehldorfer, Lehrer in Guggenthal

1938 – 1945: Martin Pichler, vlg. Moasta

1945 – 1955: Johann Fuchsberger, vlg. Ebenbauer

1955 – 1969: Johann Leitner

1969 – 1975: Hermann Fuchsberger, vlg. Eggerbauer Hermann

1975 – 1976: Franz Reichl

1976 – 1979: Johann Fuchsberger, vlg. Ebenbauer

1979 – 1982: Hermann Fuchsberger

1982 – 1991: Johann Fuchsberger, vlg. Ebenbauer

seit 1991: Wolfgang Bahngruber

Quelle