Oswald von Wolkenstein
Oswald von Wolkenstein (* um 1377 wahrscheinlich auf der Burg Schöneck im Pustertal, Südtirol; † 2. August 1445 in Meran, Südtirol) war ein früher Vertreter aus der Familie gleichen Namens Wolkenstein, die im 16. und 17. Jahrhundert mehrfach Beziehungen zur Stadt Salzburg hatten und auch zahlreiche Salzburger Domherren stellten.

Über Oswald
Oswald war, als Adeliger eher ungewöhnlich, beliebter Sänger und Komponist eigener Lieder, die er in höfischen Kreisen und unter Zechkumpanen vortrug. Seine markanten, oft autobiographisch gefärbten Texte erzählen von Geschehnissen der Zeit, von seinem eigenen, unsteten, oft auch zu Gewalt und Selbstjustiz neigenden Leben, von seinen erstaunlich weiten Reisen durch viele europäische Länder und im Orient (manchmal in diplomatischen Diensten). Die für das ausgehende Spätmittelalter auffallend "modern" klingenden Texte spiegeln Zeitgeist und persönliches Betroffensein in fast singulärer Weise. Früher sah man ihn als "letzten Minnesänger", heute eher als Künder einer neuen Zeit im Umbruch.
Ende des Jahres 1427 oder Anfang 1428 brach Oswald von einer seiner Burgen, Wolkenstein[1], zu einer längeren Reise nach Westfalen auf, die ihn u. a. in die Stadt Salzburg führte. In einem seiner Lieder berichtet er, dass er besonders freundlich im Hause Braun in Salzburg aufgenommen wurde. Der "Hanns Prawn" wird als "wiert" (Wirt) bezeichnet; wahrscheinlich war er nicht Gastwirt, sondern ein Vertreter der Stadt, Inhaber verschiedener Ämter und im Handel mit Venedig engagiert, also ein wohlhabender Bürger. Oswald berichtet ebenfalls von einer Einladung beim Erzbischof, wo (für ihn wieder einmal) "geprasst" wurde. Von Salzburg aus ging es weiter nach München.[2]
- KL 41
- Von Wolkenstein brach ich nach Köln auf, gut gelaunt,
- und kam nach Salzburg; mein Gastwirt, der hieß Braun.
- Er hatte eine schöne, tugendsame Frau,
- fröhlich, doch mit Anstand, höfisch ihr Benehmen.
- Sehr freundlich war sie mir gesonnen, nichts
- vergab sie sich dabei. Der Schönen meinen Dank!
- Aus ganzem Herzen wünsche ich ihr viele gute Jahr;
- der Herr in seiner Güte schenke ihr das Heil.
- Von meiner Ankunft hörte, bestens informiert,
- der Bischof dort, Hochwürden Eberhard[3].
- Der lud mich ein; gleich fuhr ich zu ihm hin.
- An seiner Tafel haben wir uns müdgegessen.
- Wohin ich kam: viel Spaß und hübsche Lustbarkeiten,
- die wurden mir geboten, nicht zu knapp,
- bei dem und jenem. […]
Quelle
- Dieter Kühn: Ich Wolkenstein. Eine Biographie. Insel Taschenbuch, Frankfurt am Main 1977. Erweiterte Ausgabe 1988. Erweiterte Neufassung Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2011.
Einzelnachweise
- ↑ Wolkstein in Gröden, Südtirol
- ↑ Dieter Kühn: Ich Wolkenstein. Eine Biographie. Insel Taschenbuch, Frankfurt am Main 1988, S. 449 [Fundstelle in anderen Ausgaben über das Sachregister]; Liedzitat in der Übertragung aus dem Mittelhochdeutschen von Dieter Kühn S. 447 f.
- ↑ wohl Fürsterzbischof Eberhard IV. von Starhemberg