Ebersmünster

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Ebersmünster ist eine kleine französische Gemeinde im Elsass nördlich von Sélestat (Schlettstadt) im Département Bas-Rhin und in der Region Grand Est (Frankreich). In römischer Zeit führte in der Nähe eine wichtige Straße nach Argentoratum (Straßburg) vorbei und spätestens Ende des 7. Jahrhunderts wurde hier am kleinen Fluss Ill ein Kloster gegründet (wohl in der Nachfolge einer gallo-römischen Siedlung und der Legende nach vom Vater der Hl. Odilia, dem elsässischen Herzog Eticho). Im 9. Jahrhundert schloss sich diese Bruderschaft dem Benediktinerorden an; 818 wurde Ebersmünster Reichsabtei und wahrte seine Unabhängigkeit weitgehend bis zur Französischen Revolution. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Abtei 1632 zerstört und im 18. Jahrhundert zum Teil auf alten romanischen Grundmauern wieder errichtet, in verschiedenen Phasen umgebaut und erneuert, und sie erstrahlt heute in einem hellen, freundlichen Barockstil, der Schwere und Überladung vermeidet. „Zu der Leichtigkeit der Architektur gesellt sich die Fröhlichkeit der Dekoration.“[1] Das einschiffige Langhaus ohne Seitenschiffe wird von nach innen gestellten, kräftigen Pfeilern dominiert, welche große Fenster in der Wand der Außenmauer ermöglichen. Ein Querhaus ist in der Vierung nur angedeutet.

Die dem Hl. Mauritius geweihte, heutige Kirche ist vor allem ein Werk des Vorarlberger Architekten Peter Thumb (* 1681; † 1766), der das Gotteshaus 1727 mit einem lichtdurchfluteten Langhaus vollendete. Weihnachten 1730 wurde die neue Kirche geweiht. Auffällig ist, dass neben lokalen Handwerkern hier ein dreiviertel Jahrhundert nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges Baumeister aus dem alemannischen Raum am Werk waren, aus Ländern jenseits des Rheins, nicht Franzosen, denen das Elsass zu dieser Zeit politisch gehörte und die z.B. in Straßburg „französisch“ bauten (vgl. den fürsterzbischöflichen Palais Rohan). Die Orgel in Ebersmünster ist ein heute weitgehend unverändert erhaltenes Hauptwerk des berühmten Orgelbaumeisters Andreas Silbermann (* 1678; † 1734) aus den Jahren 1730 bis 1732 (sorgfältig restauriert). Die Kirche ist auch als Ort für Konzerte beliebt.

Salzburgbezug

Bei der Innenausstattung der Kirche überrascht die für das Barock maßvolle Stukkatur mit Blatt-, Blumen- und Muschelmotiven. Große Deckengemälde schmücken Langhaus und Vierung, an der Decke der letzteren die Himmelfahrt Mariens, ebenfalls von 1727. Im Chorraum dominiert über einem Altar mit einer ungewöhnlich großen, lichten Krone die Hl. Dreifaltigkeit, aber die übrigen Deckenbilder schildern Motive aus dem Leben des Hl. Benedikt und seinem Orden. In vier Medaillons werden benediktinische Mönche verherrlicht: Edmund, Ildefons, Beda Venerabilis und Rupert (Rupert von Worms). „Bei der Ausführung dieser Bildidee folgte der Künstler einer Vorlage, die ihm die Mönche von Ebersmünster übergeben hatten, einem 1701 in Salzburg herausgegebenen Thesenblatt.“[2]

Einzelnachweise

  1. Roger Lehni, L’Église abbatiale d’Ebersmunster, München - Zürich: Schnell & Steiner (Schnell Kunstführer Nr. 821), 2. Auflage 1992, S. 5.
  2. dito, S. 10; vgl. die dort S. 15 angegebene Literatur: R. Bornert, „Ein Thesenblatt von 1701 aus der Salzburgischen Benediktineruniversität als Vorlage einer Deckenmalerei von 1727 in der Abteikirche zu Ebersmünster“. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktinerordens, 1984, S. 233-244.