Pfongauer Weihnachtskrippe
Die Pfongauer Weihnachtskrippe ist eine prachtvolle Weihnachtskrippe, die man alljährlich in der Filialkirche zum hl. Martin in Pfongau in der Flachgauer Stadt Neumarkt am Wallersee sehen kann.
Beschreibung
In der Kirche, deren Wurzeln bis um das Jahr 700 nach Christus zurückreichen, kann man in der Weihnachtszeit eine Kostbarkeit ersten Ranges erleben: die prachtvolle Pfongauer Weihnachtskrippe, die drei Meter lang, 1,80 Meter hoch ist und über 150 Figuren zeigt. Sie ist eine historische Landschaftskrippe mit orientalischen und salzburgischen Elementen.
Der Krippenberg besteht aus drei Etagen: In der Mitte ist ein Palast zu sehen, darüber ein Tempel. Beides deuten auf den nahöstlichen Originalschauplatz des Geschehens hin. Links und rechts hingegen kann man Landschaften und Häuser aus unserer Heimat sehen. Ganz unten der Stall mit der Heiligen Familie. Durch die Landschaften links und rechts verlaufen insgesamt zehn Meter Wege.
Geschichte
Die Landschaftskrippe zeigt sich noch heute in ihrem Originalzustand und soweit bekannt, stand sie auch immer an demselben Platz, an der rechten Seitenwand beim Altar. Die Figuren stammen aus drei Epochen: Salzburger Wachsfiguren vom Anfang des 18. Jahrhunderts, barocke Schnitzfiguren aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sowie Nazarener Holzfiguren aus der zweiten Häfte des 19. Jahrhunderts. Insgesamt mehr als 150 Figuren in teilweise sehr schöner und detaillierter Kleidung. Manchen Figuren sieht man allerdings an, dass sie eine andere Funktion hatten und wohl als Spielzeug gedient hatten. Sie tragen größtenteils noch ihre barocke Kleidung, die aufgrund der Stoffe und Verarbeitung aus einem Salzburger Frauenkloster stammen könnte. Besonders die drei Weisen sind prunkvoll gekleidet.
Es gibt rot-schwarz gekleidete Soldaten zu sehen, die mit ihrer eigenartigen Kopfbedeckung an die radikalen Jakobiner während der Französischen Revolution erinnern. Möglicherweise ein Hinweis auf ihre Entstehungszeit zur Zeit der Franzosenkriege 1800-1801 sowie 1805. Auch Neumarkt war nicht von den Folgen der französischen Besatzung verschont geblieben.
Eine Besonderheit der Pfongauer Krippe ist die Darstellung des Wirtschaftslebens. Handwerke, Werkzeuge, sogar ein Webstuhl ist zu sehen, Fuhrwerke, ein Metzger zerkleinert ein Schwein, auch ein Jäger sowie Tiere ergänzen die Figuren. Die unbekannten Figurenkünstler hatten aber auch eine Portion Humor in die Krippe verpackt. Da steht auf einem Schild "50 Gulden Straf" oder die Figur des Uhrmachers kann minutenlang seinen Kopf auf und ab bewegen, als wolle er seinen Betrachtern freundlich zunicken. Auch der Salzburger Hanswurst hat sich unter das Volk gemischt.
Pfongauer Weihnachtskrippe kann auch als Wechselkrippe verwendet werden. Es steht nämlich auch noch ein Festsaal zur Verfügung, in dem die Hochzeit von Kana in Galiläa dargestellt werden kann. Figuren einer Hochzeitsgesellschaft samt sechs Steinkrügen können darin aufgestellt werden.
Brauch
Jahrzehntelang gab es im Anschluss an die Sonntagsmesse in der Weihnachtszeit einen Brauch. Man bezog die Kinder in das biblische Geschehen insofern mit ein, als dass sie am Hochzeitsessen bei der Krippe teilnehmen konnten. Dazu schenkte die Mesnerin Maria Fürböck jedem Kind einen frisch gebackenen kleinen Hochzeitskuchen.
Bedeutung
Die Pfongauer Weihnachtskrippe stellt ein wertvolles Stück Salzburger Kulturgeschichte dar. Den Bewohnern der Ortschaft Pfongau war und ist es immer noch ein großes Anliegen, trotz der Mühen des Aufbaus der Häuser und vielen Figuren, ihre Krippe sorgfältig auf- und wieder abzubauen.
Bilderlink
- Peter Krackowizer Weihnachtskrippe Pfongau, weitere Bilder von 2017/18