Fischerhaus am Fuschlsee
Das Fischerhaus am Fuschlsee ist eine Villa am Fuschlsee im Gemeindegebiet von Fuschl am See.
Über das Fischerhaus
Das Haus liegt direkt am Südufer des Fuschlsees östlich des Badeplatzes Stöllinger. Umrundet man den See, kommt man direkt daran vorbei, mit dem Pkw ist der Gebäudekomplex aber nur über eine Privatstraße zu erreichen, die auch mit einem Schranken absperrbar ist. Das Fischerhaus gehört der Tochter des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch. Er gilt als Vertrauter des russischen Präsidenten Roman Abramowitsch.
Anna Abramowitsch hat das Anwesen im Jahr 2017 als Schenkung von einer britischen Staatsbürgerin erhalten - und zwar von der Gattin des ehemaligen "FC-Chelsea"-Direktors Eugene Tenenbaum. Abramowitsch war damals Besitzer des englischen Erstligisten FC Chelsea. Im November 2023 waren durch ein neues Daten-Leak weitere Details bekannt geworden. 3,6 Millionen Dokumente mit dem Titel Cyprus Confidential wurden von dem Recherchenetzwerk International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) aufgearbeitet. Demnach kauften wohlhabende Russen, aber auch Ukrainer teure Wohnungen und Häuser in Österreich diskret über Briefkastenfirmen mit zyprischer Adresse. Das Datenleck dokumentiert also, wie das EU-Land unter anderem als sicherer Hafen für russische Oligarchen fungierte und für Finanztransaktionen genutzt wurde.
Der sanktionierte russische Oligarch Roman Abramowitsch wählte eine besonders verschachtelte Konstruktion für den Erwerb seiner Villa in Fuschl. Dem Leak zufolge gab Abramowitsch nicht nur für Immobilen viel Geld aus, sondern auch mehrere Millionen US-Dollar für Privatkonzerte von Popstars wie Robbie Williams oder den Black Eyed Peas.
Aus den vom ICIJ ausgewerteten Dokumenten leitet sich die Geschichte des Kaufs folgendermaßen ab: Die besagte Britin soll den Kauf der Villa am See im Jahr 2007 nicht selbst finanziert haben, sondern die Gesellschaft Farleigh International Limited - eine Briefkastenfirma mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln. Diese Gesellschaft schloss mit der Britin 2007 einen Kreditvertrag, der bis 2015 mehrmals verlängert und 2017 aufgelöst wurde. Aus einer Treuhandurkunde vom April 2017 geht zudem hervor, dass die Britin nie die wirtschaftliche Eigentümerin der Liegenschaft war, sondern diese nur treuhändisch für die Farleigh International Limited und deren wirtschaftlichen Eigentümer gehalten hat. Und dieser Eigentümer war Roman Abramowitsch.
Die Übertragung des Anwesens auf Anna Abramowitsch erfolgte im Jahr 2017, fünf Jahre bevor Roman Abramowitsch von der EU unter Sanktionen gestellt worden ist. Im März 2022 wurden die in der EU vorhandenen Vermögenswerte Abramowitschs eingefroren, er durfte zudem nicht mehr in die EU einreisen. Abramowitschs Tochter steht auf keiner Sanktionsliste. "Solange die sanktionierte Person nicht selbst im Grund- oder Firmenbuch aufscheint, kann keine Meldung im Sinne des Sanktionengesetzes erstattet werden", hieß es zuletzt aus der für die Ermittlung zuständigen Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN). "Das Verwandtschaftsverhältnis allein begründet laut Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs noch keine Kontrolle der sanktionierten Person über die Immobilie oder das Unternehmen." Sollte es den Verdacht geben, dass vorgeschobene Mittelsmänner und -frauen eingesetzt werden, komme es zu weiteren Ermittlungen der Taskforce. Diese sind laut DSN "herausfordernd, da die Eigentümerschaft oft bewusst verschleiert wird".
Weblink
- Lage auf googlemaps
Quelle
- www.sn.at, 16. November 2023, ein Beitrag von Simona Pinwinkler