Die erste Erwähnung des Ortsnamens Elsenwang (Hof bei Salzburg)
Der Name “Elsenwang“ scheint zum ersten Mal in einem Güter- und Abgabenverzeichnis auf, das in Salzburg in der Zeit von 788-790 angelegt wurde. Damals war Salzburg (unsere Gegend hieß „Salzburggau“) ein Teil des Stammesherzogtums der Bayern unter den Agilolfinger-Herzögen, die Lehensträger der fränkischen Könige waren.
Der Sturz des Bayernherzogs Tassilo III. durch seinen Vetter, den Frankenkönig Karl den Großen (788) und die Eingliederung Bayerns in das Frankenreich, zwang die Bistümer und Klöster die Rechtmäßigkeit ihrer seinerzeit von den bayerischen Herzögen und deren Gefolgsleuten erhaltenen Schenkungen nachzuweisen.
Bischof Arn (= Adler) von Salzburg ließ deshalb durch den Diakon Benedikt die so genannte „Notitia Arnonis“ anfertigen, die im Jahre 790 von Karl dem Großen bestätigt wurde.
Diese Notitia Arnonis wurde dem damaligen Rechtsbrauch entsprechend von zahlreichen “sehr alten und wahrheitsliebenden“ Mönchen und Laien bezeugt und zur Erhöhung der Beweiskraft in die äußere Form eines Weistums gekleidet. Das Weistum bezeichnete das durch Weisung aus dem Gewohnheitsrecht festgestellte Recht. In dieser Notitia Arnonis heißt es im Kapitel 4,2[1]: „Tradidit idem dux in pago Salzburcgaoe locellum, qui dicitur Ellesnawanc, in quo prata et silva consistitur, vel stagnum, qui nominatur Lacusculus, simulque et Abriani lacum, in quo constat pascua et prata vel silva, piscatio atque venatio, et inibi aliquanti fratres propriis laboribus vivunt.“
Übersetzung nach Lošek: „Es übergab derselbe Herzog im Gau Salzburggau einen Ort, der Elsenwang genannt wird, wo Wiesen und Wald sich befinden, und den See, der den Namen Fuschlsee hat, und ebenso auch den Abersee, wo es Weiden und Wiesen und Wald gibt, Fischerei und Jagd, und dort [Elsenwang] leben auch einige Mönche von ihrer eigenen Arbeit“.
Das Original der Urkunde ist nicht erhalten. Es gibt jedoch sechs Abschriften. Die älteste davon aus dem 12. Jahrhundert (Abschrift-Original) befindet sich zusammen mit einer späteren Abschrift im Archiv der Erzabtei St. Peter in Salzburg, eine weitere ebenfalls aus dem 12. Jahrhundert im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München, noch 2 weitere in München und eine in Wien.
Erst nach der Erhebung Salzburgs zum Erzbistum im Jahre 798 und der Ernennung Arns zum Erzbischof und Metropoliten der bayerischen Kirchenprovinz entstanden die umfangreicheren „Breves Notitiae“ (798-800), die auch die Schenkungen des freien bayerischen Adels enthielten. Mit Breves Notitiae sind „Wirtschaftsnachrichten“ gemeint (Notitiae, die den Charakter des Breve als Besitzverzeichnis aufweisen).
In diesen Breves Notitia wird Elsenwang noch zweimal erwähnt. Neben einer neuerlichen Sicherung des Kirchenbesitzes und des urkundlichen Materials sollten sie vor allem dazu dienen, das Ansehen der neu geschaffenen Metropole Bayerns zu demonstrieren und Rupert als Apostel Bayerns hochzustilisieren.
Von den Breves Notitiae gibt es vier Abschriften (das Original ist nicht mehr vorhanden). Die älteste Abschrift stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist in Salzburger Privatbesitz (ursprünglich Stift Admont), eine im Archiv von St. Peter, zwei weitere in der Bayerischen Staatsbibliothek in München.
Die Salzburger Güterverzeichnisse geben eine genaue Übersicht über den Kirchenbesitz zur Zeit Arns. Sie bieten aber auch Ereignisgeschichte und vermitteln einen Einblick in die Herrschaftsstrukturen, das Sozialgefüge und die Grundherrschaft. Sie zeigen, dass Salzburg das reichste der bayerischen Bistümer war. Dazu kam eine strenge Organisation auf der Grundlage des bischöflichen Eigenkirchenwesens.
Die ältesten Abschriften der Güterverzeichnisse sind in einer Minuskel-Buchschrift verfasst, die auf die Karolingische Minuskel (Beginn des 9. Jahrhunderts) zurückgeht und deren Buchstabenformen in den Buchschriften des 10. bis späten 12. Jahrhunderts im ganzen Abendland fortlebten und noch in unserer heutigen Druckschrift zu finden sind.
Quellen und Literatur
- Dopsch, Heinz : Die Zeit der Karolinger und Ottonen. In: Geschichte Salzburgs- Stadt und Land, Band I/1, hg. von Dopsch, Heinz, 2. Aufl. Salzburg 1983, S. 142, S. 169-172.
- Lošek, Fritz : Notitia Arnonis und Breves Notitiae. Die Salzburger Güterverzeichnisse aus der Zeit um 800: Sprachlich-historische Einleitung, Text und Übersetzung, Krems an der Donau 1989, S. 10, S. 80- 85. Sonderdruck aus „Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde“ Band 130/1990.
- Schwarz-Weiß-Photographie der ältesten Abschrift aus dem 12.Jhdt. der Notitia Arnonis aus der Erzabtei St. Peter, Abmessungen: h = 73 cm, b= 43 cm. Laut Auskunft von Prof.Dr. Adolf Hahnl wurde das Abschriften-Original bei der seinerzeitigen Bajuwaren-Ausstellung 1988 in Rosenheim durch zu starkes Belichten beim oftmaligen Fotografieren so beeinträchtigt, dass es nun nicht mehr bewegt oder fotografiert werden darf. Es existiert jedoch ein Farb-Dia 9 x 13 cm, das der bekannte Salzburger Pressephotograph Oskar Anrather noch vor der Ausstellung gemacht hat. Er hat daraus für die Gemeinde Hof ein Foto in der Größe von 50 x 60 cm angefertigt, auf dem der komplette Text der Notitia Arnonis enthalten ist.
Der obige Artikel wurde auf Wunsch von Franz Seiser, Amtsleiter der Gemeinde Hof bei Salzburg, auf Grundlage der Forschungen und Veröffentlichungen von Univ.Prof. Dr.Heinz Dopsch und Prof.Dr. Fritz, Lošek als Beilage für das erwähnte Foto der Notitia Arnonis verfasst.