Kurhotel Marienhof Hofgastein

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Das Kurhotel Marienhof ist ein nicht mehr existierendes Hotel in der Pongauer Marktgemeinde Bad Hofgastein.

Geschichte

Das Hotel wurde 1927 eröffnet. Nachstehend ein Beitrag aus der "Salzburger Chronik" anlässlich der Eröffnung:[1]

Feierliche Eröffnung des Kurhotels "Marienhof" in Hofgastein

Die Gemeindevertretung Hofgastein hat ungeachtet der Gegenströmungen und Widerstände eine Voraussicht bewiesen, der man höchste Anerkennung zollen muss, als sie den vom Bund als Militärerholungsheim bestimmten Rohbau in ein mit modernstem Komfort ausgestattetes Kurhotel ausbauen ließ. Hofgastein kann nun dem verwöhntesten Publikum die gewünschte Bequemlichkeit bieten. Es ist damit in die Reihe der erstrangigen Kurorte eingetreten, und dieser Umstand wird noch zeigen, dass der Ausbau des Kurhotels ein Markstein und Wendepunkt in der Geschichte des stark aufstrebenden Kurortes war. Dieses Aufblühen verdankt der Kurort seinem Bürgermeister Laner, der seine administrative Kraft, und dem Vizebürgermeister Kammerrat Rainer, dem Initiator des Hotelankaufes, der seine hervorragende organisatorische Fähigkeit in den Dienst des Kurortes gestellt hat.

Das neue Kurhotel, zu dem eine imponierende Auffahrt führt, liegt eingebettet in dem schönen Parkgelände oberhalb des Ortes, in vollkommen staubfreier und sonniger Lage; infolge seiner günstigen Lage bietet es einen prachtvollen Rundblick über das ganze Tal und das gegenüber sich ausbreitende Gebirgspanorama. Die Ausstattung des Kurhotels ist eine vornehm‑gediegene: fließendes Kalt‑ und Warmwasser in sämtlichen 75 Zimmern (100 Betten), Zentralheizung, geräuschlose Lichtsignalanlage, modernst eingerichtete Thermalbäder mit Teilduschungen, Inhalationen, moderner Küchenbetrieb mit elektrischen Hilfsmaschinen und dergleichen.

Was besonders anspricht, ist die vornehm‑gediegene Wohnlichkeit aller Räume, die in den Gesellschaftsräumen kultivierten Komfort zeigt. Vom Vestibül durch Glaswände getrennt, führt eine Flucht von Räumen (Hallen, Lese‑ und Schreibzimmer, Japanischer Saal, Frühstückszimmer) zum Speisesaal, einer ausgezeichneten Raumschöpfung des Architekten Prof. Deininger. Dem durch zwei Reihen von Marmorsäulen gegliederten Raum wurde vom Künstler bei aller Betonung des zeitgemäßen Stils die vornehme Behaglichkeit eines modernisierten Empire gegeben. Die malerische Ausstattung – zwei Puttenfriese an den Stirnseiten des Saales – stammen von der Kunstgewerblerin Poldi Wojtek, die auch sämtliche Entwürfe für die Zimmerausmalung geliefert hat. Die Entwürfe der übrigen Gesellschaftsräume lieferte das Büro der Bauleitung; die Oberleitung führte Oberbaurat Ing. Josef Wojtek.

Die Bauausführung lag zum größten Teil in den Händen von Salzburger Firmen. Die Baumeisterarbeiten besorgte Baumeister Lindner, Hofgastein; die Malerarbeiten Rauscher, Hofgastein; Bautischlerarbeiten Brandstätter, Hallein; Zentralheizungsanlage Schurich, Salzburg; Wasserleitungsinstallationen und Badeanlagen Seidel, Salzburg; elektrische Installationen A.E.G. Union Salzburg; Einrichtung der Fremdenzimmer Josef Schramm, Salzburg; Terrazzopflasterungen Dorigo, Salzburg.

Die Führung des Hauses obliegt Herrn Oskar Grazer, dem Begründer des Wiener Dom‑Kaffeehauses, der als bewährter Fachmann in ganz Österreich bekannt ist. Von der hervorragenden Qualität seiner Küche konnte sich bereits jeder Teilnehmer am Festessen überzeugen.

Die feierliche Einweihung und Übergabe fand am Samstag, den 18. Juni, mittags statt. Ortspfarrer Kellinger nahm die Einweihung vor und sprach über das Haus und alle Gäste, die es bewohnen werden, den Segen der Kirche aus. Beim anschließenden Rundgang durch das Kurhotel zollten die Gäste dem Geschaffenen volle Anerkennung.

Beim Festessen konnte der Bürgermeister den Landeshauptmann Dr. Rehrl, den Altbundeskanzler Dr. Ramek begrüßen, weiters Regierungs‑Oberkommissär Dr. Bergmann als Vertreter der Bezirkshauptmannschaft, den Bauleiter Oberbaurat Ing. Wojtek und Frl. Poldi Wojtek, seitens der Salzburger Festspielhaus‑Gemeinde Dr. Kaj Mühlmann, außerdem die Vertreter der Hotellerie, die Kurärzte und viele andere.

Bürgermeister Laner sprach vor allem jenen Persönlichkeiten den Dank der Gemeinde Hofgastein aus, die den Ankauf des "Marienhofes" in die Wege geleitet hatten: dem Landeshauptmann Dr. Rehrl, der die Finanzierung durch die Landeshypothekenanstalt bewerkstelligte, dem damaligen Bundeskanzler Dr. Ramek und im Besonderen dem ehemaligen Finanzminister Kollmann, in dessen Hand die Durchführung des Verkaufes lag. Da der Ausbau des Hotels vom Jahresende 1926 bis zum Beginn der heurigen Saison durchgeführt werden musste, bedurfte es einer energischen und verständnisvollen Bauleitung. Die Gemeinde betraute damit Oberbaurat Ing. Wojtek, der seine Aufgabe mit Energie und künstlerischem Verständnis durchführte und der Gemeinde ein Haus eingerichtet hat, auf das der Kurort stolz sein kann, und als erfahrener Praktiker der Gemeinde große Ausgaben erspart hat. Speziellen Dank müsse der Bürgermeister seinem Mitarbeiter Vizebürgermeister Rainer aussprechen, der die Seele des Unternehmens gewesen sei.

Landeshauptmann Dr. Rehrl erwiderte, er sei nach Hofgastein gekommen, um der Gemeindevertretung dafür Anerkennung zu zollen, dass es ihr gelungen sei, Hofgastein in die Reihe der ersten Kurorte zu heben. Auch sei er gekommen, um der Familie Grazer, die er von Wien aus gut kenne, zur Führung des Hauses Glück zu wünschen. Hofgastein habe seit dem Kriege einen Aufschwung genommen wie kein anderer Ort in Salzburg. Dies sei ein Verdienst der Gemeindevertretung, die in großzügiger Weise den Parteienstandpunkt zum Wohle der Gesamtheit zu überbrücken verstehe. Nachdem der Landeshauptmann auf die ausführenden Salzburger Firmen Bezug genommen hatte, gab er seiner Anerkennung über die hervorragenden künstlerischen Leistungen, insbesondere Prof. Deiningers, Ausdruck und beglückwünschte Oberbaurat Wojtek, der – obwohl durch seinen Beruf überlastet – seine freie Zeit der Schaffung dieses Werkes geopfert hatte.

Nach verschiedenen weiteren Ansprachen fand die Feier­lichkeit gegen 6 Uhr nachmittags ein Ende, um am Abend in einem fröhlichen Festball, der Eröffnung des "Marienhofes", den Ausklang zu geben.

Quelle

  1. ↑ ANNO, "Salzburger Chronik", Ausgabe vom 20. Juni 1927, Seite 4